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Neue Ethikkommission : „Der DFB muss durchgreifen“

Der frühere Bundesaußenminister Klaus Kinkel führt das Ethik-Gremium im DFB seit einem Jahr. Bild: dpa

Die deutsche Schiedsrichter-Gilde ist aufgrund der Streitigkeiten intern tief gespalten. Die Prüfung durch die neue Ethikkommission ergibt aber „nichts Greifbares“. Dennoch spricht sie eine Forderung an den DFB aus.

          Die neue Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat bekräftigt, dass sie sich im Streit unter den Bundesliga-Schiedsrichtern nicht mehr zuständig sieht, fordert aber zugleich den Verband zur Aktivität auf. „Sportpolitisch muss der DFB durchgreifen. Das ist ein Problem, das seit Jahren schwelt“, sagte am Montag in Frankfurt der frühere Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP), der das Ethik-Gremium im DFB seit einem Jahr führt. Gegen die inzwischen degradierten Schiedsrichter-Funktionäre Heribert Fandel und Hellmut Krug waren von Seiten anderer Unparteiischer Vorwürfe des Mobbings, der Vetternwirtschaft oder auch der Manipulation erhoben worden. Jedoch teilte Kinkel mit, dass nach Prüfung der Ethikkommission „nichts Greifbares herausgekommen“ sei. Eine tiefergehende Untersuchung hat bisher nicht stattgefunden.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Schiedsrichter-Gilde ist aufgrund der Streitigkeiten intern tief gespalten. Hinzu kommt die schlechte Umsetzung des Videobeweises in dieser Saison, die für Unfrieden sorgt. Das Vertrauen ins Schiedsrichterwesen hat schwer gelitten. Im Trainingslager der Unparteiischen auf Mallorca im Januar sollen Mediatoren eingesetzt werden. Weiterhin bleibt aber die Frage offen, ob die teilweise schweren Vorwürfe haltlos sind oder nicht.

          Insgesamt 30 Fälle habe die Ethikkommission in ihrem ersten Jahr behandelt, wie Kinkel mitteilte. 14 davon seien ohne Verfahren abgeschlossen worden, in 16 Fällen komme es noch zu einer Entscheidung. Um was es einzeln geht, ließ er nicht durchblicken. Der 81 Jahre alte Rechtsanwalt und seine Mitstreiter Nikolaus Schneider (ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland), Anja Martin (Sportjuristin), Birgit Galley (Anti-Korruptions-Kämpferin) und Bernd Knobloch (Rechtsanwalt) verstehen ihr Gremium vornehmlich in „beratender“ Funktion in ethischen Fragen für die DFB-Führung. Als reine Ermittlungseinheit sehe man sich nicht.

          Im Unterschied dazu hat die für viele beispielgebende Ethikkommission des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) einen viel investigativeren Ansatz verfolgt. Seit dort jedoch unbequeme Kontrolleure abserviert wurden, ist auch diese Institution in Zweifel zu ziehen. „Der Personalwechsel bei der Fifa war erstaunlich. Was dort abläuft, ist für den Fußball unglückselig“, sagte Kinkel. Deshalb habe er auch im WM-Skandal noch keinen Kontakt zur neu besetzten Fifa-Ethikkommission aufgenommen. Das solle Anfang des Jahres jedoch passieren. Zudem seien ja Staatsanwaltschaften in der Schweiz und in Frankfurt in der Sache tätig.

          Ob oder wie der DFB das Sommermärchen-Kapitel mit den Fällen Beckenbauer, Niersbach und Co. für sich konsequent abschließt, bleibt somit weiterhin offen. Es wirkt nicht nur in dieser Angelegenheit so, als müssten die DFB-Ethiker noch an Profil und Wucht gewinnen. Dass der Verband sich verändern muss, wissen aber auch sie. Deshalb haben sie Vorschläge: Die Kommission bemängelt die Vielzahl von Gremien, eine Ämterhäufung, Interessenkollisionen und das Fehlen eines Aufsichtsrates im DFB.

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