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Bernhard Peters im Gespräch : „Wir befinden uns in einem Zirkus“

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„Die Spieler sind viel zu oft auf einem viel zu hohen Stresslevel“: Bernhard Peters Bild: picture alliance / Sven Simon

Bernhard Peters ist Hoffenheimer Direktor für Sport und Nachwuchsförderung. Im FAZ.NET-Interview spricht er über die zunehmende Zahl von Verletzungen im Fußball, präventives Training und Versäumnisse des DFB.

          In dieser Saison scheint es gerade bei Spitzenspielern so viele schwere Verletzungen zu geben wie nie. Teilen Sie die These, dass das schöne und schnelle Spiel seine Kinder frisst – und diese Verletzungen kein Zufall sind?

          Ja, das ist ein Prozess, der sich derzeit immer weiter in Richtung Höhepunkt entwickelt. Die Umfänge und die Intensität der Laufleistungen, die entsprechende Anzahl der Sprints, die starke Ausprägung des sehr schnellen, aggressiven Spiels mit dem Zweikampfverhalten im Vorwärtsverteidigen bei Raumenge haben ein hohes Maß an Belastung geschaffen. Und diese Belastung wird immer größer.

          Wir haben es bei vielen der Verletzten auch mit Vertretern der ersten Generation zu tun, die in Leistungszentren groß geworden ist – und damit schon seit Jugendtagen diversen Druckfaktoren ausgesetzt ist. Könnte die Verletzungshäufigkeit von Jahr zu Jahr zunehmen?

          Das tut sie ja bei vielen älteren Spielern schon. Das liegt vor allem daran, weil die Möglichkeiten, die das gesamte System von Prävention, Regeneration und Rehabilitation bietet, immer noch nicht komplett ausgeschöpft werden.

          Laut einer Studie der Uefa steigt das Verletzungsrisiko signifikant mit der Bedeutung der Liga. Es ist in der Nationalmannschaft oder der Champions League höher als in der Bundesliga – und dort wiederum höher als in unteren Ligen. Ist sich der deutsche Fußball dieses Problems ausreichend bewusst?

          Ich glaube nicht. Über die verschiedenen Faktoren, die zu Verletzungen führen, machen sich die Fachleute viele Gedanken. Die Komplexität des Themas ist vielen Funktionären sicher nicht ausreichend bekannt.

          Dann mal ganz einfach: Wo liegt das größere Problem - in der Vielzahl der Spiele oder im höheren Tempo? Oder lässt sich das schon nicht mehr voneinander trennen?

          Viele Spiele, damit hohe Umfänge, hohe Intensität und hohe Handlungsdichte im Spiel sind der entscheidende Ausgangspunkt. Als Trainer muss man immer in Lösungen denken und sein Training entsprechend darauf abstimmen.

          Wo liegen Ansatzpunkte?

          Wir sind im Spitzenfußball an einem Punkt angekommen, wo man die Anzahl von Spielen der Spitzenspieler nicht mehr erhöhen kann und darf. Wir befinden uns in einem Zirkus. Die Topleute spielen jetzt schon fast alle drei Tage über neunzig Minuten unter dieser intensiven Belastung. Wir sind an eine Grenze gekommen. Bisher ist der einzige Weg aus diesem Dilemma, dass es sich manche Vereine leisten können, ihre Kader sehr tief und breit in Quantität und Qualität aufzustellen. Wir müssen aber schon beim systematischen Aufbau von Toptalenten damit anfangen, eine hohe Belastungsverträglichkeit über Jahre zu trainieren. Das geschieht in vielen Fällen nicht ausreichend. Es gibt aktuell eine Überbetonung von zu viel Krafttraining und zu starken leichtathletischen Komponenten. Dazu kommt ein unsymmetrisches Stabilisationstraining. Das schafft Ungleichgewichte bei der Ausprägung von Agonisten und Antagonisten. Mit anderen Worten: Die Muskulatur der Spieler ist nicht richtig symmetrisch austrainiert und koordiniert. Das ist ein ganz entscheidender Punkt. Es müsste viel mehr Funktionalität, Dehnen, Aufrichten trainiert werden. Wir haben auch in der Bundesliga oftmals noch zu viele leichtathletische Elemente im Training, zu wenig fußballspezifische Bewegungsentwicklung.

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