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Belgische Fußball-Nationalelf Angriff der „Roten Teufel“ auf Brasilien

 ·  Jung, dynamisch, physisch stark: Belgiens Fußball-Nationalelf ist die Überraschung der WM-Qualifikation. Das hochtalentierte Team von Trainer Wilmots ist längst kein Außenseiter-Tipp mehr.

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© picture alliance / dpa Vergrößern Roter Aufschwung: Die Belgier um Eden Hazard (l.) bieten auch Teams wie Frankreich Paroli

Welche Teams bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 dabei sind, steht zwar noch nicht fest. Bei einem großen Wettanbieter kann man trotzdem schon jetzt seinen Tipp abgeben, wer in Brasilien den Titel holt. Aktuell gilt Brasilien vor Deutschland und Argentinien als Top-Favorit. Es folgen Titelverteidiger Spanien - und Belgien. Belgien? Wer auf die „Roten Teufel“ setzt, die vom ehemaligen Schalker Profi Marc Wilmots trainiert werden, bekommt bei einem Einsatz von einem Euro nur 13 Euro ausgezahlt, falls die Belgier tatsächlich Weltmeister werden sollten.

Also, kein Außenseiter-Tipp. Was zunächst überrascht, erscheint bei einem genaueren Blick jedoch nur konsequent. Denn die Belgier haben bisher nicht nur eine überragende WM-Qualifikation gespielt, sondern strotzen in allen Mannschaftsteilen nur so vor jungen und ehrgeizigen Talenten, die zudem bei einigen großen europäischen Klubs spielen.

Sieben von acht Qualifikationsspielen haben die Belgier gewonnen, nur eines unentschieden gespielt (1:1 gegen Kroatien). Ein Punkt im Rückspiel in Zagreb am kommenden Freitag würde schon reichen, um sich vor den zweitplazierten Kroaten den Gruppensieg zu sichern. „Wir spielen in jedem Spiel auf Sieg, auch in Kroatien“, sagt Trainer Wilmots. Erst im abschließenden Gruppenspiel gegen den Tabellenletzten Wales die erste Elf aufzubieten komme nicht in Frage. Wilmots verkörpert das neue belgische Selbstbewusstsein angesichts von fast einem Jahr ohne Niederlage. Er war als Spieler einer der sogenannten Euro-Fighter, die 1997 mit Schalke 04 den Uefa-Pokal gewannen. Zuletzt verloren die Belgier im November 2012 in einem Testspiel 1:2 gegen Rumänien. „Wir spüren den Respekt in Europa und der ganzen Welt“, sagt Wilmots, der die Belgier erst im Mai 2012 übernommen hatte.

Das kleine Land ist längst mehr als nur ein unbequemer Gegner für die Großen bei der WM in Brasilien. Jean-Marie Pfaff, der die Nation mit dem zweiten Platz bei der EM 1980 in Italien und dem vierten Platz bei der WM 1986 in Mexiko zu den bisher größten Erfolgen geführt hatte, äußerte in einem Interview gar, dass „wir mit einer solchen Mannschaft ins Halbfinale kommen müssen“. Solche Zielsetzungen sind aber selbst dem ambitionierten Wilmots zu forsch. „Wenn wir uns wirklich für die WM qualifizieren, fahren wir dort sicher nicht als Touristen hin“, sagt der Trainer. „Wir müssen aber auch beide Füße auf dem Boden lassen. Die letzten Ergebnisse waren der erste Schritt nach vorne nach zehn schwarzen Jahren.“

Bereitschaft für Gang ins Ausland

Letztmals waren die Belgier 2002 bei einem großen Turnier dabei - mit Kapitän Wilmots scheiterten sie im Achtelfinale am späteren Weltmeister Brasilien. „Wir waren damals wie eine große Familie, genauso wie auf Schalke auch immer“, sagt der Vierundvierzigjährige. Dass die Entwicklung danach so stagnierte, habe auch am fehlenden Zusammenhalt gelegen. „Früher war das Kollektiv oft nicht so gut“, sagt Wilmots. „Individuelle Klasse war da und ist auch wichtig, aber du musst als Team funktionieren.“ Die Kooperationen vieler belgischer Klubs mit europäischen Spitzenklubs sieht Wilmots nicht als Hauptgrund für den Aufschwung der „Roten Teufel“. „Die Ausbildung macht nicht den Unterschied“, betont er. „Wichtiger ist die Bereitschaft unserer Spieler, im richtigen Moment nach England oder Italien zu gehen und dort den nächsten Schritt zu machen.“

In der Tat ist es auffällig, dass Spieler wie Christian Benteke (Aston Villa), Jan Vertonghen (Tottenham Hotspur) oder Thomas Vermaelen (Arsenal London) zunächst viele Jahre in kleineren europäischen Ligen spielten, ehe sie den Sprung in eine Top-Liga wagten. Ebenfalls erstaunlich: Gleich elf Nationalspieler stehen in englischen Teams unter Vertrag. Das belgische Spiel ist deutlich geprägt vom laufintensiven, aber technisch anspruchsvollen und offensiven Stil der Premier League. Mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren gehört das belgische Team zu den jüngsten in Europa.

Jugend statt Erfahrung

„Wir haben kaum Erfahrung im Team und erst recht nicht bei großen Turnieren“, sagt Marc Wilmots. Umso wichtiger sind für ihn neben Kapitän Vincent Kompany auch die aus der Bundesliga bekannten Daniel van Buyten und Timmy Simons. „Beide sind höchst professionell und echte Vorbilder für meine jungen Spieler“, sagt Wilmots. Große Hoffnungen auf einen Stammplatz dürfen sie sich ebenso wie der Hoffenheimer Koen Casteels dennoch nicht machen. Casteels hat mit Simon Mignolet und vor allem Thibaut Courtois im Tor zwei große Talente vor sich.

Für van Buyten gibt es in der Innenverteidigung kein Vorbeikommen an Kompany und Vermaelen, die hauptverantwortlich sind für die starke Defensive der Belgier, die in acht Quali-Spielen erst zwei Gegentreffer kassierte. Und Simons? Den hat es besonders schwer getroffen, denn auf keiner Position sind die Belgier so stark besetzt wie im Mittelfeld. Mit Axel Witsel, Marouane Fellaini, Kevin de Bruyne oder Eden Hazard hat Wilmots in der Zentrale Spieler zur Verfügung, für die unter anderem Manchester United oder Chelsea London schon hohe zweistellige Millionenbeträge ausgegeben haben.

Kein Wunder, dass der Mannschaftswert der Belgier auf fast 360 Millionen Euro geschätzt wird. Das ist nur etwas weniger als Italien (428 Millionen) oder Deutschland (458 Millionen). Den ungeliebten Nachbarn der Niederlande haben die Belgier in dieser Hinsicht schon weit hinter sich gelassen - die Oranje-Elf ist laut Transfermarkt-Ranking mit 197 Millionen Euro nur etwas mehr als die Hälfte des belgischen Teams wert.

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