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Beckham goes to Hollywood 250 Millionen Dollar

13.01.2007 ·  David Beckham bekommt in Los Angeles 250 Millionen Dollar in fünf Jahren. Weil er neben Tiger Woods, Wayne Gretzky und Michael Jordan einer der wenigen Superstars im Sport ist. Nur ist Beckham keineswegs der beste Fußballspieler der Welt, sondern nur der berühmteste.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Das Erste, was vielen ins Auge sprang, war diese Summe: 250 Millionen Dollar in fünf Jahren. Der Betrag schien nicht nur den Rahmen einer kleinen Fußballliga zu sprengen, sondern alles, was man aus dem Milliardengeschäft des amerikanischen Profisports gewohnt ist. Aber nicht alle waren so entsetzt wie das Fußvolk der „Major League Soccer“, das seit Jahren um eine bessere Entlohnung kämpft.

„Das ist unglaublich“, meinte Alecko Eskandrian, der vor einem Monat von DC United in Washington an den neuen Klub in der kanadischen Wirtschaftsmetropole Toronto abgegeben wurde. Der Stürmer dachte an all die jüngeren Spieler, die pro Saison das Minimum von 11.700 Dollar bekommen. „Dass einer an einem Tag Training mehr verdient als andere im ganzen Jahr, das ist schockierend.“

Woods, Gretzky, Jordan und Beckham

Das ist wohl eine Frage der Perspektive. Denn kaum war die Nachricht von David Beckhams Wechsel nach Kalifornien in den Vereinigten Staaten angekommen, registrierten die Geschäftsstellen der amerikanischen Fußballliga die ersten Ausschläge der Erschütterung. Nicht nur Fußballanhänger seines neuen Klubs Los Angeles Galaxy wollten Tickets erwerben.

Selbst an Eskandrians neuer Wirkungsstätte am fernen Ontario-See spürte man das Beben: „Wir hatten heute morgen über 500 Anrufe und haben hundert Jahreskarten verkauft. Es gibt nur wenige Superstars im Sport: Tiger Woods, Wayne Gretzky, Michael Jordan. Und David Beckham ist in dieser Kategorie. Es ist großartig für die Liga“, sagte ein Sprecher des Toronto FC.

Zehn Millionen Dollar Grundgehalt pro Jahr

Das gilt sicher für jenen Teil des als Eigentümerkollektiv geführten Unternehmens namens Major League Soccer, der keinen unmittelbaren Beitrag leisten muss, um die exorbitanten Garantiebeträge aufzubringen, die am Donnerstag undementiert kursierten. Wer oder was wirklich zu dem finanziellen Paket beisteuert, dessen Details Beckhams Manager Simon Fuller durchsickern ließ, ist allerdings schwer auszumachen.

Da war von Tantiemen aus bestehenden Sponsorenverträgen mit Firmen wie Motorola und Pepsi die Rede, für die niemand aufkommen muss, auch nicht die Anschutz Entertainment Group, die als Eigentümer der Los Angeles Galaxy den Vertrag ausgehandelt hatte. Lizenzanteile aus dem Verkauf von Trikots wurden ebenfalls drauf geschlagen, und angeblich soll der 31 Jahre Engländer demnächst auch noch an den Erlösen seines neuen Arbeitgebers aus dem Fußballgeschäft beteiligt sein. Da kam rasch weit mehr zusammen als die zehn Millionen Dollar pro Jahr an Grundgehalt, die den Berichten zufolge als Gegenleistung für fußballerische Tätigkeiten auf dem grünen Rasen ausgelobt wurden.

Nicht der beste, nur der berühmteste Spieler

In der Konfusion um das viele Geld ging rasch unter, dass man sich in den Vereinigten Staaten keineswegs einen der besten Spieler der Welt geangelt hatte, sondern nur den mutmaßlich berühmtesten. Einen Kicker, dessen Name unter anderem auch deshalb so viele der Millionen amerikanischer Freizeitfußballspieler kennen, weil der ohne sein Zutun im Titel eines Kinofilms auftauchte: „Bend It Like Beckham“ - die Geschichte eines Mädchens in England, das sich als Einwandererkind gegen die sozialen Reglements zweier Kulturen behaupten muss.

Dass dem medienversierten David Beckham ähnliche Spannungen drohen, wenn er im August nach dem Saisonende in Spanien und ein paar Wochen Ferien erstmals im Galaxy-Trikot antritt, steht nicht zu befürchten. Der Mann mit dem besonderen Ballgefühl und einer Ehefrau, die unter dem Aliasnamen Posh bei der Gruppe Spice Girls Erfahrung als Popstar hat, passt sicher weitaus besser in die Glamour-Landschaft von Südkalifornien als etwa der Franke Lothar Matthäus in den ruppigen Hochhauskaktus New York.

An der Popkultur von Los Angeles messen

In der Prominentenlandschaft von Los Angeles, einer Stadt, in der Einwanderer wie der Bodybuilder Arnold Schwarzenegger oder der Filmregisseur Wolfgang Petersen ihre Chance erhielten und nutzten, reagierte man erst einmal gelassen auf die Neuigkeit. Man fühlt sich nun mal als Nabel der Entertainment-Welt und betrachtet es wie der Filmproduzent Peter Guber (“Batman“) als „Bestimmung von berühmten Leuten“, dass sie Hollywood irgendwann in ihrer Karriere „als unvermeidlichen Zwischenstopp“ betrachten, um sich „an der ultimativen Popkultur von Los Angeles“ zu messen.

Die Freundschaft des Paares zu Filmgrößen wie Tom Cruise und Brad Pitt und der Flirt mit Klatschreportern wirken deshalb auch eher kalkuliert. „Wenn man so bekannt ist wie die beiden, kommt man nicht nach Hollywood, um sich zu verstecken und ein ganz privates Leben zu führen“, sagt Brandy Navarre von der Bildagentur X17, die fünf Paparazzi-Fotografen auf Mrs. Beckham ansetzen will, die zur Zeit nach einem Haus für die Familie sucht.

Ronaldo zu Red Bull New York?

Zum Beckham-Spektakel wäre es jedoch gar nicht erst gekommen, wenn nicht die Major League Soccer vor ein paar Monaten erstmals die sehr strengen Richtlinien gelockert und Klubs das Anheuern von teuren internationalen Spielern gestattet hätte. Die Liga befindet sich in einer Zwickmühle: Was ursprünglich vor allem als professionelle Plattform für den amerikanischen Nachwuchs gedacht war und nicht als Fußballzirkus nach Art der North American Soccer League, die auf ihrem Höhepunkt Spieler wie Pele, Frank Beckenbauer, Gerd Müller und Johan Cruyff verpflichtete, dümpelt seit der Gründung im Jahr 1995 eher still dahin. Einer der Gründe: Die besseren amerikanischen Kicker gehen überwiegend in Europa ihrem Beruf nach, wo sie mehr Geld verdienen und ihr Talent gegen stärkere Konkurrenz testen können.

Um das Vakuum auf dem Spielfeld und auf den Rängen neuer Stadien zu füllen, setzte sich hinter den Kulissen die Idee durch, es abermals mit Weltstars zu probieren. Doch nur Klubs wie Los Angeles Galaxy oder die unlängst von dem Österreicher Dietrich Mateschitz erworbenen Red Bull New York scheinen die Ressourcen zu haben. Die Auswahl ist allerdings nicht groß: New York wird derzeit das Interesse am Brasilianer Ronaldo nachgesagt.

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