05.05.2006 · Franz Beckenbauer im F.A.Z.-Interview über die Bayern vor der 20. deutschen Fußball-Meisterschaft, den entscheidenden Unterschied zum FC Barcelona und die Stärken und Schwächen des scheidenden Michael Ballack.
Franz Beckenbauer im F.A.Z.-Interview über die Bayern vor der 20. deutschen Fußball-Meisterschaft, den entscheidenden Unterschied zum FC Barcelona und die Stärken und Schwächen des scheidenden Michael Ballack.
An diesem Samstag könnte es mal wieder soweit sein: Der FC Bayern wird Meister, verteidigt seinen Titel und dazu als erster deutscher Klub das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg. Wäre das die Abrundung einer großen Saison?
Die Mannschaft hätte mit diesen beiden nationalen Titeln sicher eine großartige Saison gespielt - wenn auch ohne den absoluten Höhepunkt. Das frühe Ausscheiden in der Champions League hat die Spieler schon sehr getroffen und ziemlich lange beschäftigt. Damit einher ging die Leistung, etwas übertrieben gesagt, von hundert auf zwanzig zurück. Deshalb haben wir die Meisterschaft noch einmal spannend gemacht und dem HSV Chancen gelassen.
Dennoch bleibt der Eindruck haften, daß dieser besten deutschen Mannschaft irgend etwas fehle, um so etwas wie internationalen Glanz zu verbreiten.
In der Vorrunde haben wir noch super gespielt. Auch im Oktober, wo wir sonst schon oft viele Punkte hergegeben haben. In der Rückrunde aber, in der wir vergangenes Jahr so stark waren, haben wir nachgelassen. Die Begeisterung und Spielfreude waren nicht mehr so vorhanden. Warum? Ich weiß es nicht.
Wo würden Sie denn den FC Bayern München in der europäischen Rangliste einstufen?
Den großen Unterschied zum FC Barcelona, der viele sehr gute Spieler hat, macht natürlich Ronaldinho aus. So einen haben nicht nur wir nicht. Milan hat Schewtschenko und Kaka - wunderbare Spieler, um die man den AC Mailand nur beneiden kann. Aber nach diesen beiden Klubs kommt Bayern in einer Reihe mit Chelsea, Arsenal oder Juventus Turin. Chelsea könnte uns auf Dauer bei dem Geld, das dort ausgegeben wird, auch voraus sein. Zumal sie jetzt ja auch noch unseren Michael Ballack gekauft haben.
Sie haben sich ja einmal mehr Risikobereitschaft beim FC Bayern in puncto Neuverpflichtungen gewünscht, während Manager Uli Hoeneß keinen Schritt vom Pfad der guten deutschen Kaufmannstugenden abweichen möchte. Stehen Sie für eine andere wirtschaftliche Strategie des Meisters?
Ich unterstütze die ökonomische Linie, die der Vorstand der AG verfolgt, ohne jeden Vorbehalt. Bei uns wird es keine Harakiri-Einkäufe geben. Selbst wenn wir anders agieren wollten, soll sich doch niemand vorstellen, daß ein Ronaldinho oder Kaka nach Deutschland kämen. Die gehen nicht hierher. Dafür ist einerseits die Bundesliga derzeit nicht attraktiv genug. Es ist halt Deutschland, es ist das Wetter, es sind atmosphärische Umstände.
Der FC Bayern steht so oder so vor einem Jahr des Umbruchs. Ballack geht, Lizarazu hört auf - neue Spieler sollen kommen, auch um das Spiel der Münchner strukturell zu verbessern.
Du mußt statt Ergänzungen schon versuchen, Verstärkungen zu bekommen. Wo kriegst du die her? Einfach ist das nicht.
Sie haben am vergangenen Wochenende die Leistung Ballacks beim Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt heftig kritisiert. Wie schätzen Sie seine Bedeutung für das Spiel der Bayern während der vergangenen vier Jahre ein?
Ich mag ihn als Mensch und als Spieler. Seine Spielweise gefällt mir; sie hat etwas Tragendes. Er hält stets den Kopf hoch, weshalb ihm einige anfangs Arroganz vorwarfen, wie mir früher. Er war ein ganz wichtiger Einkauf. Mit ihm hatten wir eine erfolgreiche Zeit. Wir werden noch an ihn denken, denn er hat viele wichtige, entscheidende Tore für uns gemacht. Wir werden Momente erleben, in denen wir froh wären, wenn er noch für uns spielte. Für mich herrscht kein Zweifel daran, daß er ein Weltklassespieler ist.
Warum sind Sie dann in Berlin so hart mit ihm ins Gericht gegangen?
Ich habe das Gefühl, daß bei ihm das Interesse am FC Bayern nachgelassen hat. Er spielt seit längerem mit einem verminderten Aufwand. Wenn man den Hargreaves heute sieht, der läuft fünf Mal soviel wie Ballack. Er muß ja nicht genausoviel rennen, aber er muß sich anstrengen, und das sieht man nicht. Er bleibt zu oft stehen oder trabt hinterher. Das sind Dinge, die sehe ich natürlich. Wenn er darüber mal kritisch nachdenkt, wird Ballack mir recht geben. Er hat so eine Art Abschiedshaltung eingenommen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |