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Beckenbauer-Glosse Pssst, der Kaiser spricht

 ·  Der Kaiser wird 65 und kündigt eine Art Teilzeit-Ruhestand an. FAZ.NET lässt das Geburtstagskind selbst Revue passieren. Doch vorschreiben lassen will sich der „Kaiser“ auch im gehobenen Alter nichts.

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Ja mei, fünfundsechzig Jahre, ein runder Geburtstag war das für mich nicht am Samstag, aber egal, war auch so ganz schön, der Herrgott da oben hat es schließlich gut mit mir gemeint, es zwickt zwar hier und dort ein bisschen, vor allem in den Knien, ich bin ja auch keine zwanzig mehr, aber wenn ich Golf spiele, dann geht’s noch ganz gut, Handicap neun, da bin ich vorne dabei, wenn es darauf ankommt, außerdem halten kleine Kinder jung, und ich habe ja zwei davon, denen ist das Alter egal, ach, die Kleinen, haben’s schön bei uns daheim in Tirol, da ist die Luft sauber und die Welt noch in Ordnung, gut, mein München ist auch nicht gerade New York, wo man in manchen Ecken ja nicht mehr ohne Waffe herumlaufen kann, ich weiß das, ich habe da mal gespielt, bei Cosmos, mit dem Pelé damals, als Deutschland ein bisschen zu eng für mich wurde, aber die beste Waffe der Welt ist sowieso ein Lächeln, wer den Menschen offen begegnet, dem wird Offenheit gegeben, ich habe das immer so gehalten, beim FC Bayern, beim Hamburger SV, ja, die waren auch ganz nett zu mir da oben, oder bei der Nationalmannschaft, überall.

Und deshalb habe ich heute auch so viele Orden und Auszeichnungen zu Hause und jede Menge Bambis und solche Sachen, dafür musst du auch erst mal Platz finden, ist ja keine Riesenvilla, in der wir leben, sondern ein ganz einfaches Bauernhaus, und es ist auch nicht so, dass mir diese ganzen Ehrungen wichtig wären, hör auf, ich kann nur so schlecht nein sagen, aber es zeigt halt, dass man ein paar Sachen richtig gemacht hat im Leben, und damit sind nicht die ganzen Titel gemeint, die vielen Weltmeisterschaften und das alles, nein, was zählt, ist das Herz, am rechten Fleck muss es sein, das ist jetzt, im so genannten Rentenalter, nicht anders als früher.

Aber gut, was heißt hier Rente, ich werde mir doch von ein paar Zahlen nicht vorschreiben lassen, wie alt ich gerade bin, wäre ja noch schöner, Ehrenpräsident bei meinem FC Bayern bin ich eh schon, und da kann man so alt sein wie man will, und keinen stört’s, nein, ich werde mir jetzt einfach mal etwas mehr Zeit für mich nehmen und für die Familie, und da gehört der Fußball natürlich dazu, mein Gott, wenn man schon so lange dabei ist wie ich, es muss ja nicht gerade Obergiesing gegen Untergiesing sein, klar, aber die großen Spiele, da werde ich dabei sein in unserer schönen Arena und schauen, was sie so machen, die jungen Burschen, ist ja logisch, einmal Fußballer, immer Fußballer, wem sag ich’s denn, man kann nun mal nicht raus aus seiner Haut, das ist mit fünfundsechzig nicht anders als mit fünfundzwanzig, da kannst du heißen, wie du willst. Auch Franz Beckenbauer.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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