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Nach 0:3 in Paris : Rummenigge kündigt Klartext und Konsequenzen an

  • -Aktualisiert am

Carlo Ancelotti muss seine gescheiterte Taktik gegen Paris erklären Bild: Reuters

Hummels und Ribéry nur auf der Bank, Robben erst spät auf dem Platz. Die Rotation der Bayern in Paris überraschte, das Resultat ging daneben. Rummenigges Bankettrede stellt Ancelottis Plan in Frage.

          Manchmal ist es einfacher, nichts zu sagen. Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß hatten das Stade des Princes längst verlassen, als der Bus kurz vor Mitternacht aufbrach Richtung Pariser Innenstadt, wo sich die Entourage des FC Bayern und Sponsoren in einem Hotel in der Nähe der Champs-Elysées noch zum obligatorischen aber dieses Mal sehr stimmungsarmen Bankett trafen. Vielleicht fehlten den Bossen erst einmal die Worte nach 90 ernüchternden Minuten gegen Paris St. Germain in der Champions League, vielleicht ahnten sie aber auch, dass alles, was sie nun in der Öffentlichkeit von sich geben, interpretiert werden würde.

          Später, bei seiner Rede vor den geladenen Bankett-Gästen, fand der Vorstandsvorsitzende Rummenigge deutliche Worte. Das 0:3 im zweiten Gruppenspiel sei „eine ganz bittere Niederlage, über die es zu reden gilt und die es zu analysieren gilt“, sagte er. „In Klartextform“ müsse man Konsequenzen ziehen. Welche, sagte der 62-jährige nicht. Sie könnten aber für Trainer Carlo Ancelotti ungemütlich werden.

          Dabei, den Anschluss zu verlieren

          Bei den Verantwortlichen ist wohl die Erkenntnis gereift, dass der deutsche Rekordmeister dabei ist, den Anschluss zu verlieren an die europäische Top-Elite, zu der nun auch Paris St. Germain zu zählen ist, oder ihn sogar schon verloren hat. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass sich die Franzosen in diesem Sommer neue Spieler für mehr als 400 Millionen Euro gegönnt haben, die Bayern dagegen gerade mal gut 100 Millionen Euro ausgegeben haben für frisches Personal. Von einem europäischen Emporkömmling so vorgeführt zu werden, gibt Arjen Robben zu, „das kommt bei uns hart an. Das sind wir nicht gewohnt.“

          Drei Tore kassiert : Bayern werden in Paris versenkt

          Dass es ein bitterer Abend werden würde für die sonst so vom Erfolg verwöhnten Bayern deutete sich bereits nach einer guten Minute an. Da überrumpelten die Franzosen zum ersten Mal die Münchner Defensive, und gingen durch Daniel Alves 1:0 in Führung. „Das hat ihnen in die Karten gespielt“, sagte Joshua Kimmich.

          Ribéry, Hummels und Robben auf der Bank

          Ancelotti fand, dass der frühe Treffer das Spiel verändert habe. Die Pariser, glaubt er, „hätten ihre Konterstrategie nicht so durchziehen können“, wäre dieser Treffer nicht gefallen. Bei seiner Mannschaft habe nach dem Rückstand dann das Gleichgewicht nicht mehr gestimmt, erkannte er – änderte daran aber auch nichts. Trotz mehr als 65 Prozent Ballbesitz wirkte das Spiel der Bayern uninspiriert, ohne Durchschlagskraft. „Vielleicht waren wir nicht mutig genug, die Räume zu nutzen“, sagte Thomas Müller. „Paris hat sich auf eine individuelle Klasse vorne verlassen und das hat gereicht“, um durch Edinson Cavani (32.) und Neymar (63.) zwei weitere Tore zu erzielen.  

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          Ancelottis Plan, das Zentrum zu stärken, um dem hochkarätigen Sturm-Trio Neymar, Kylian Mbappè und Edinson Cavani keinen Raum zu geben, ist nicht aufgegangen. Ausgerechnet in dem von Vereinsboss  Rummenigge ausgerufenen Prestigeduell hatte der Trainer bewährte Führungskräfte wie Franck Ribéry, Arjen Robben und Mats Hummels auf die Bank gesetzt. „Das war ausschließlich eine taktische Entscheidung“, rechtfertigte er sich. „Ich bin jemand, der sehr viel über die Aufstellung nachdenkt. Ich bedaure nichts.“

          Der Italiener verteidigte vielmehr die ausgerufene Rotation. „Es stimmt, dass mit Robben, Ribéry und Hummels viele gute Spieler auf der Bank waren. Aber ich habe in jedem Spiel gute Spieler auf der Bank. So ist es in Topclubs. Gute Spieler müssen auf die Bank, das ist mein Job“, sagte Ancelotti.

          Champions League

          Allerdings schwächte er damit die nach den Rücktritten der Wortführer Philipp Lahm und Xabi Alonso ohnehin ins Wanken geratene Hierarchie noch weiter, ebenso seine Autorität in der Mannschaft. Dass der von ihm protegierte James Rodriguez bei seinem zweiten Einsatz in der Anfangself die hohen Erwartungen im Stade des Princes nicht erfüllen konnte und kaum Akzente setzte, ehe ihn Ancelotti in der Halbzeit auswechselte, könnte ebenfalls für Grummeln in der Mannschaft sorgen.

          Öffentlich hielten die Spieler mit ihrer Meinung über die Personalpolitik ihres Trainers hinterm Berg. „Ich werde dazu nichts sagen“, ließ Robben wissen. Jedes Wort dazu sei zu viel, fand er. „Das Wichtigste ist, dass wir als Mannschaft zusammenhalten. Wenn sich unzufriedene Spieler äußern, hilft das der Mannschaft nicht.“

          An diesem Abend in Paris tat das keiner der betroffenen Profis. Hummels eilte schweigend durch die Interviewzone, Ribéry tauchte da erst gar nicht auf. Bei anderen ließen allerdings die Formulierungen erahnen, dass einiges im Argen liegt. „Der Trainer trifft die Entscheidungen“, sagte Müller, der dieses Mal von Anfang dabei war. „Und wir auf Platz müssen alles in die Waagschale werfen, um es positiv zu gestalten.“

          Darin sind die Münchner in Paris nicht zum ersten Mal in dieser Saison gescheitert. „Ich denke, das, was wir heute Abend gesehen haben, war nicht Bayern München“, sagte Rummenigge und forderte: „Es ist wichtig, dass wir schnell die Kurve kriegen und wieder zeigen, dass wir eine Mannschaft sind, die in den letzten Jahren europaweit und national für Furore gesorgt hat.“ Es ist nicht nur ein klarer Auftrag an die Mannschaft, sondern vor allem an Trainer Ancelotti.

          Quelle: FAZ.NET

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