15.09.2011 · Auch Villarreal macht es beim 2:0-Sieg in der Champions League den Bayern leicht. Dennoch: Alles, was Heynckes als Lernziele vorgegeben hatte, scheint schon jetzt vom Team verstanden worden zu sein.
Von Christian Eichler, MünchenWo der FC Bayern derzeit hinkommt, findet er Fest-Wiesen vor, und dabei ist noch gar nicht Oktoberfest. Beim 7:0 gegen Freiburg auf eigenem Rasen ebenso wie nun beim 2:0 auf dem Geläuf des FC Villarreal. Der Champions-League-Auftakt in Spanien galt nach mehreren leichten Bundesliga-Siegen als erste echte Hürde der Saison. Die Bayern schienen danach selbst überrascht, mit welch imponierender Leichtigkeit sie diese Hürde genommen hatten.
„Wir alle können sehr zufrieden sein“, sagte Trainer Jupp Heynckes. Nur nicht mit der Chancenauswertung: „Da hätten wir früher den Sack zumachen können.“ Nach zahllosen schönen Spielzügen, bei denen nach dem frühen 1:0 durch Toni Kroos aber meist ein Pass zu viel gespielt wurde, fand erst der kleine Verteidiger Rafinha in der 76. Minute den direkten Weg zum Ziel: durch die Beine des Gegenspielers, dann humorlos ins kurze Eck.
Die überflüssig lange Wartezeit von fast siebzig Minuten zwischen dem 1:0 und dem 2:0 blieb der einzige, winzige Makel an einem starken Auftritt. Die gelegentlich übertriebene Verspieltheit ist erklärbar. Zuletzt haben die Bayern sich darauf verlassen können, ganz spielerisch zu leicht erzielbaren Toren zu kommen. So wie alle zehn Treffer in den letzten Ligapartien gegen Kaiserslautern und Freiburg: siebenmal Gomez (ein Elfmeter, ein Elfmeternachschuss, einmal angeschossen, viermal ins leere Tor), zweimal Ribery nach Kombinationen bis in den Fünfmeterraum, einmal Petersen aus zwei Metern.
Wie Borussia Dortmund in der vergangenen Saison muss man sich schlechte Chancenverwertung aber auch mal leisten können – durch eine solide Abwehr. Sie kam gegen Villarreal, wie schon zuletzt in der Bundesliga, kaum in Schwierigkeiten, auch nicht nach der frühen Verletzung von Daniel van Buyten. Aus dem großen Problem der Bayern der letzten Saison, mit vierzig Gegentoren in der Liga, ist das große Problem der Bayern-Gegner geworden – wer schafft es, diese Verteidigung zu knacken?
Dabei hat Torwart Manuel Neuer noch gar nicht groß Gelegenheit bekommen, Spiele für seinen Klub zu gewinnen. Immerhin durfte er gegen Villarreal zweimal etwas zeigen und war vor der Pause bei Schüssen von Rossi und Gaspar auf der Hut. „Dass auch Manuel zweimal einen Schuss aufs Tor bekommt, ist ja auch gut. Da kann er sich auch mal beweisen“, sagte Bastian Schweinsteiger. „Die Null steht trotzdem, auch wenn der Gegner Torchancen hatte“, fand Neuer. „Das ist ein gutes Gefühl für mich. Ich war zweimal zur Stelle, das beruhigt mich auch.“
Längere Unterbeschäftigung, die nicht zu einem Mangel an Konzentration oder zu Hyperaktivität aus Langeweile führen darf, ist das Los von Torhütern bei Top-Klubs. Nach seinem voreiligen Ausflug, der zur 0:1-Niederlage beim Liga-Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach führte, hat Neuer sich erkennbar an diese neuen Anforderungen gewöhnt. Es blieb bisher der einzige Gegentreffer der Bayern in neun Saisonspielen (in allen drei Wettbewerben). Seitdem ist Neuer in 658 Minuten ohne Gegentor – eine Serie, die am Sonntag bei seinem ersten Gastspiel im alten Revier in Schalke auf die Probe gestellt wird.
Solide Abwehr, Ausgewogenheit von Offensive und Defensive, Rhythmuswechsel, größere Bandbreite der taktischen Mittel, Umschalten zwischen Verschleppen und Beschleunigen, zwischen Kontrolle und Aggressivität – all das, was Heynckes als Lernziele für seine dritte Bayern-Amtszeit vorgegeben hatte, scheint schon jetzt von der Mannschaft verstanden worden zu sein. Der Fußballlehrer ist seinem Lehrplan offenbar voraus.
Das aktuelle Prüfungsergebnis fand er „beflügelnd“. Ein Sonderlob gab es für die bisherigen Musterschüler der Saison, die beide unter dem alten Oberlehrer van Gaal eher schwach und verzagt aufgetreten waren: für Toni Kroos, der acht Tage nach seinem ersten Tor im Nationalteam auch sein erstes in der Champions League schoss; und für den vor Lauf- und Spielfreude sprühenden Franck Ribéry, der den Treffer glänzend vorbereitet hatte.
„Wenn wir so auftreten wie heute, haben wir in der Champions League gute Chancen“, sagte Mario Gomez, der in der Pause wegen Leistenbeschwerden ausschied. Kapitän Philipp Lahm glaubt: „Wir haben eine rosige Zukunft vor uns“. Allerdings unter einer Voraussetzung: „Wenn wir jetzt weiter konzentriert bleiben.“ Was in München in dieser Jahreszeit nicht immer einfach ist. Samstag beginnt das Oktoberfest.