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Bayern München Schweizer Kraftwürfel

08.02.2012 ·  Xherdan Shaqiri soll im Sommer zum FC Bayern kommen - mit der Empfehlung von Ottmar Hitzfeld. Er könnte weit mehr sein als ein Ersatz für Robben oder Ribéry.

Von Christian Eichler, München
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© dpa Neuzugang aus Basel: Shaqiri

Ist sie das endlich, die "spektakuläre Neuverpflichtung", die der FC Bayern schon vor zwei Wochen auf seiner "Facebook"-Seite verkündete? Damals stellte sich das als misslungener PR-Gag heraus, zum Ärger der Fans, die als "zwölfter Mann" selber diese Verstärkung sein sollten. Nun aber tut sich tatsächlich etwas am Spielermarkt, und der Rekordmeister ist von fragwürdiger Öffentlichkeitsarbeit zur bewährten geschäftlichen Diskretion zurückgekehrt.

Keine offizielle Bestätigung gab es deshalb vorerst für die erste Personalie des Jahres. Sie wird bereits von zahlreichen Medien als vollzogen gemeldet, nur noch nicht von den Beteiligten: dem FC Bayern, dem FC Basel - und von Xherdan Shaqiri, der im Sommer nach München kommen soll.

Medizinische Untersuchung am Dienstag

Am Dienstag war der 20-jährige Schweizer schon da, zur medizinischen Untersuchung beim Bayern-Arzt, die gemeinhin als letzte Formalie eines Transfers gilt. Dass der Kauf "Sinn macht", glaubt jedenfalls Ottmar Hitzfeld, der frühere Trainer der Bayern und jetzige der Schweizer. Er hat den Mittelfeldspieler schon 17 Mal im Nationalteam aufgeboten. Uli Hoeneß, dem Bayern-Präsidenten, empfahl er Shaqiri als "außergewöhnlichen Spieler und anpassungsfähigen Menschen", der "jederzeit in einer Top-Mannschaft spielen könne".

Auf den ersten Blick sieht Shaqiri wie ein Ersatz für die Flügelstars Robben und Ribéry aus - und als Ersatzlösung, nachdem der Gladbacher Marco Reus statt in München in Dortmund unterschrieb. Doch er ist weit mehr als zweite Wahl. Der kleine Schweizer gilt als einer der besten Spieler seines Alters in Europa. Auch auf Alex Ferguson, den Trainer von Manchester United, machte er großen Eindruck, als er beide Tore vorbereitete, mit denen Basel den englischen Meister aus der Vorrunde der Champions League warf. Damit bescherte sich Shaqiri zwei Rendezvous mit dem vermutlichen neuen Arbeitgeber. Am 22. Februar und 13. März trifft er mit Basel im Achtelfinale auf die Bayern.

Ganz frecher Hund

Als Kleinkind kam Shaqiri mit seinen Eltern aus den Kriegswirren des Kosovo nach Basel, wo er aufwuchs und "die Schweizer Mentalität übernahm", wie er sagt. In der Schweiz nennen sie den so wendigen wie wuchtigen Kerl "Kraftwürfel". Aus bulligen Oberschenkeln kommt die Energie für harte Weitschüsse wie bei seinem Debüt-Treffer für die Schweiz, einem Traumtor gegen England in der EM-Qualifikation. Einen "ganz frechen Hund" nennt ihn sein früherer Trainer, der ehemalige Bayern-Profi und jetzige Hamburger Trainer Thorsten Fink. Es ist die Ausstrahlung eines Straßenfußballers, die bei Fans gut ankommt. Hitzfeld glaubt: "Die Zuschauer werden ihn lieben."

Die Trainer wohl auch. Shaqiri ist vielseitig einsetzbar - bevorzugt im rechten Mittelfeld, aber auch als Außenverteidiger und sogar als zweiter Stürmer. Der Schweizer "Fußballer des Jahres" hatte auch lukrative Angebote von Galatasaray Istanbul und Zenit St. Petersburg, erklärte aber: "Ich will dahin, wo ich mich auch verständigen kann." In München soll er sich schon erfolgreich verständigt haben - auf einen Vierjahresvertrag, gegen eine Ablöse von bis zu zwölf Millionen Euro, Schweizer Rekord.

Shaqiri bringt Gewicht ein

Beim zuletzt zagenden Bayern-Team könnte sich der Transfer in dieser Saison und auch im Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart (20.30 Uhr) sportlich zwar noch nicht auswirken, aber vielleicht atmosphärisch. Denn die Zurückhaltung auf dem winterlichen Transfermarkt hatte Ribéry laut murren lassen: "Wir haben keine richtig gute Bank, keine richtig gute zweite Mannschaft." Der Großteil der Bayern-Reserve besteht aus Altlasten wie Pranjic oder Breno und aus Talenten wie Alaba, Petersen oder Usami, die für die erste Elf spielerisch noch zu leichtgewichtig sind.

Shaqiri dürfte deutlich mehr in die Waagschale bringen. Offiziell zeigt sie bei ihm 72 Kilo an. Bei einer Körpergröße von 1,69 Metern gilt man damit in diesem Alter als übergewichtig. Fink hat ihm empfohlen, "drei bis vier Kilo abzunehmen". Hitzfeld sieht es anders: "Je höher die Belastung, desto mehr zehrt das am Körper. Von daher ist ein bisschen mehr Gewicht gar nicht so schlecht."

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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