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Bayern München Nur Kahn macht der Ausgleich wild

06.12.2006 ·  Als Oliver Kahn kurz vor Ende seines 100. Champions-League-Spiels aus dem Tor stürmte, mußte man sich Sorgen machen. Um ihn und um Sebastian Deisler, der einen Fehlpaß gespielt hatte. Selbst nach dem Schlußpfiff wollte Kahn sich nicht beruhigen.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Es war nicht schwer, sich in diesem Moment in Oliver Kahn hineinzuversetzen und zu erkennen, was ihn zu einem Sprint übers halbe Fußball-Feld trieb. Der Torhüter des FC Bayern München hatte schon einmal miterleben müssen, wie seiner Mannschaft ein sicher geglaubter Sieg innerhalb von ein paar Minuten in der Champions League noch entrissen wurde. Damals, 1999 in Barcelona.

Am Dienstag abend hatte Inter Mailand in der Nachspielzeit durch Patrick Vieira den Ausgleich erzielt und kurz darauf spielte Sebastian Deisler den Ball nach einem Freistoß direkt vor die Füße eines Italieners. Die Bayern hatten Glück, daß Hernan Crespo im Abseits stand. Da war es mit der Beherrschung des Münchner Kapitäns vorbei, schließlich hätte ein zweiter Treffer für Inter den Verlust der Tabellenführung in der Gruppe B bedeutet. Das 1:1 hingegen reichte den Bayern, um die Vorrunde der Champions League als Gruppensieger zu beenden und im Achtelfinale nun den kleinen Vorteil zu genießen, das Rückspiel im eigenen Stadion bestreiten zu können.

„Er hat gelacht“

Als Kahn kurz vor Ende seines 100. Champions-League-Spiels aus dem Tor stürmte, mußte man sich ernsthafte Sorgen sowohl um das Seelenheil des sensiblen Sebastian Deisler als auch um dessen körperliches Wohlbefinden machen. Der Mittelfeldspieler scheint den Vulkanausbruch aber schadlos überstanden zu haben.

Der Torhüter jedoch wollte sich nicht so schnell beruhigen. Ganz alleine schritt er nach Schlußpfiff zu den Fans, suchte nicht die Kollegen, sondern die Einsamkeit. Angeblich hat sich die Wut bei Kahn dann in den Katakomben der Allianz Arena gelegt. „Er hat gelacht“, berichtete Trainer Felix Magath aus der Kabine. Die grimmige Miene, mit der der Bayern-Kapitän eine knappe Stunde nach Spielschluß Richtung Ausgang schritt, ließ jedoch anderes vermuten.

Auf Augenhöhe mit den Besten

Manager Uli Hoeneß hatte Verständnis für den Kahnschen Ausraster. „Olli wirft der Mannschaft vor, daß sie die letzte Konzentration vermissen läßt. Er sagt, wenn man Ziele auf höchstem Niveau erreichen will, darf man einfach 95 Minuten keine Fehler machen.“ Die Bayern sahen am Dienstag schon wie der sichere Sieger aus nach dem klasse herausgespielten Treffer von Roy Makaay in der 62. Minute. Deshalb, findet der Torschütze, „hat sich Olli zu Recht aufgeregt, der Ausgleich war unnötig.“

Der Ärger hielt sich - außer bei Kahn - dennoch in Grenzen. Hoeneß, der die Leistung der Seinen gegen typisch italienisch agierende Mailänder höchst wohlwollend kommentierte, hatte gar „ein Spiel für Feinschmecker“ gesehen. Es war aber wohl eher eine Partie für Taktik-Liebhaber. Die Münchner waren zu zurückhaltend, spielten viel zu selten schnell, um sich Bestnoten zu verdienen. Die Schlußphase hat den Bayern gezeigt, was ihnen noch fehlt, um dauerhaft auf Augenhöhe mit den Besten Europas zu spielen.

Van Bommel setzt Zeichen

Aber immerhin wähnt sich der deutsche Rekordmeister ein Stück vorangekommen. Im vergangenen Jahr hatte die Mannschaft ebenfalls gute Chancen auf den Gruppensieg, verspielte diese jedoch gegen den damaligen Tabellenführer der Serie A, Juventus Turin. Dieses Mal hat sich Bayern gegen den Ersten in Italien behauptet, „insofern haben wir Fortschritte gemacht“, findet Magath.

Die sind vielleicht in erster Linie an Mark van Bommel festzumachen. Der Holländer hatte sich um den Mailänder Mittelfeldorganisator Vieira gekümmert, ihm arg zugesetzt und dabei sogar eine Rote Karte riskiert, weshalb ihn Magath eine Viertelstunde vor Schluß auswechseln mußte. „Ich habe selten erlebt, daß ein Spieler in so kurzer Zeit in der Hierarchie die Führungsaufgaben übernimmt“, sagt Hoeneß. Van Bommel setzt Zeichen, für den Gegner und die eigene Mannschaft, ohne selbst glänzend zu spielen. „Er fürchtet sich vor keinem“, weiß Makaay. Vermutlich nicht einmal vor einem wildgewordenen Oliver Kahn.

Quelle: F.A.Z. vom 7. Dezember 2007
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