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Bayern München Historischer Sieg statt Krisengerede

26.02.2009 ·  Höher als beim 5:0 in Lissabon haben die Bayern noch nie in der Champions League gewonnen. Am Sonntag müssen die Münchner in Bremen beweisen, dass sie aus Erfahrung klug geworden sind. Trainer Klinsmann gibt sich zuversichtlich.

Von Roland Zorn, Lissabon
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Es lag was in der Luft in Lissabon. Karl-Heinz Rummenigge hat es schon am Mittwochmorgen gespürt: „an einem dieser wunderbaren Tage, die schon perfekt begonnen haben mit Temperaturen von 22 Grad“. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München genoss diesen Ausflug nach Lissabon, fuhr heraus nach Cascais an die Atlantikküste und sah als Mann, der aus der deutschen Kälte kam, Menschen, die im Februar im Meer badeten.

Abends traute der oft so spröde Westfale seinen Augen noch viel weniger. „Wir haben ein unglaubliches Spiel mit einem perfekten Ergebnis hingelegt“, schwärmte er beim festlichen Bankett nach dem triumphalen 5:0-Erfolg im Achtelfinalhinspiel der Champions League über Sporting Lissabon. Und das nach drei Niederlagen in der Bundesliga mit dem Tiefpunkt des 1:2 gegen den 1. FC Köln am vorigen Samstag (siehe auch: Fußball-Kommentar: Bayrische Wundertüte).

Rückkehr zu alter Effektivität und Entschlossenheit

Wunderbarer, wundersamer Fußball: Als alle Welt den Bayern, voran ihrem Trainer Jürgen Klinsmann, die Krise einredete, schaffte der deutsche Fußballmeister in seinem 125. Champions-League-Spiel den höchsten Sieg, den er jemals in dieser europäischen Spitzenkonkurrenz gefeiert hat. „Sie haben heute ein historisches Ereignis erlebt“, rief Rummenigge den mitgereisten Edelfans des größten deutschen Klubs stolz zu und erntete für seine warmen Worte Applaus, Applaus.

Am Ende dieses erstaunlichen Tages der Rückkehr zu alter Effektivität und Entschlossenheit blieb Rummenigge der einzige Münchner, der sich eine schwärmerische Note erlaubt hatte. Aber auch der einstige Weltklassestürmer erweckte nicht eine Sekunde den Verdacht, in Überheblichkeit und Prahlerei zu verfallen. Auch wenn die Münchner schon nach dem Hinspiel so gut wie sicher im Viertelfinale des begehrtesten Klubwettbewerbs sind, sagte Rummenigge in realistischer Einschätzung der Lage: „Wir haben uns für die Champions League viel vorgenommen, wissen aber auch, dass wir nicht der große Favorit sind. Heute war es wichtig, zu zeigen, dass der FC Bayern eine Mannschaft hat, die über große Qualität verfügt.“

Klinsmann: „Jetzt ist Bescheidenheit und Konzentration angesagt“

An der wurden nicht einmal Zweifel laut, als die Münchner zuletzt in der Bundesliga schwächelten und patzten. Vielmehr gab das personell am besten besetzte Team Rätsel auf, warum es in Hamburg, in Berlin und gegen Köln trotzdem verlor und damit die fest eingeplante Eroberung der Tabellenspitze von Woche zu Woche verschieben musste. Rückschläge, die vor allem Klinsmann zur Last gelegt wurden.

Am Mittwoch schaffte auch der Spezialist für unverhoffte Wendungen einen vorläufigen Befreiungsschlag, der ihm, der Mannschaft und dem Vorstand fürs Erste Luft verschafft. „Ich bin zuversichtlich“, sagte der ein wenig erschöpft anmutende Schwabe nach dem 5:0 durch Treffer von Ribéry (42./63. Minute per Foulelfmeter), Toni (63./90.) und Klose (57.), „dass wir auf dem Boden bleiben und das Resultat nicht überbewerten. Jetzt ist Bescheidenheit und Konzentration angesagt, die Bundesliga richtig anzupacken.“

Lahm: „Spaß am Fußball wiedergefunden“

Möglichst schon am Sonntag beim schweren Auswärtsspiel in Bremen. Schließlich weiß der Trainer des Liga-Vierten nur zu genau, was der 5:1-Sieg der Bayern im DFB-Pokalachtelfinale vor dem Beginn der Bundesliga-Rückrunde beim VfB Stuttgart angerichtet hat. „Danach“, erinnerte er sich in Lissabon, „haben wir Kratzer abbekommen, nun erwarte ich von der Mannschaft, dass sie sich zielbewusst und sachlich auf Bremen vorbereitet.“

Die Münchner waren in Lissabon nur froh, Lehren aus ihren jüngsten Fehlschlägen und Enttäuschungen gezogen zu haben. Weil sie bei Sporting zielbewusst und sachlich auftraten, die lange vermisste Balance aus Defensive und Offensive wiederfanden und dazu einen innerbetrieblichen Ordnungssinn für das zum richtigen Zeitpunkt Wünschbare und Machbare bewiesen, gelang ihnen vor 35.000 Zuschauern ein imponierender Steigerungslauf. „Wenn wir so konzentriert und geordnet Fußball spielen“, lobte Verteidiger Philipp Lahm, neben Zé Roberto und Franck Ribéry der Beste seiner Mannschaft, „können wir mit den besten europäischen Teams mithalten.“

Rummenigge: „Wunderbare Antwort auf das Krisengerede“

Lahm war in den letzten Wochen einer der internen Chefkritiker an Klinsmanns zu offensiver Spielausrichtung. Seine Worte und die von Angreifer Miroslav Klose („es muss nicht nach zwanzig Minuten schon 2:0 stehen“) mögen dazu beigetragen haben, dass Klinsmann umdachte und eine verträglichere Mischung fand. Offensiv sind die Bayern sowieso erstklassig besetzt mit Ribéry vorneweg, der in Lissabon gestand, „zuletzt ein wenig müde“ gewesen zu sein und gegen Sporting den „Spaß am Fußball wiedergefunden“ zu haben. Nun sei, sagte der geniale Franzose, in der Champions League „alles möglich“.

Die Bundesliga aber ist anders. „Der Sieg in Lissabon“, hob Manager Uli Hoeneß hervor, „war nur dann eine tolle Geschichte, wenn wir gegen die Bremer nachlegen, denn eine Niederlage können wir uns nicht leisten.“ Hoeneß genoss den schönen europäischen Abend, an dem „die Mannschaft die ganze Belastung der letzten Wochen abgestreift hat“. Sich mit dem Erreichen des Viertelfinales in der Champions League zu bescheiden reicht ihm aber nicht. „Das ist nur ein erstes Ziel, wir wollen natürlich mehr“, sagte er am Mittwoch. Und zum Stichwort Klinsmann-Krise sagte er auch noch etwas. „Wir im Vorstand haben die Diskussion um Klinsmann ja nie geführt.“ Die Krise sei vielmehr in den Medien geschürt worden (siehe: Uli Hoeneß: „Diskussionen um Klinsmann gab es nie“). „Heute“, ergänzte Rummenigge später, „hat es eine wunderbare Antwort auf das Krisengerede gegeben.“ Da der Fußball ein Ergebnissport ist, haben sich weitere Diskussionen fürs Erste erübrigt – mindestens bis zum Spiel der Bayern in Bremen am Sonntag.

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