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Bayern München Ein Titel für die hundertprozentige Akzeptanz

29.04.2005 ·  Nach anfänglichen Irritationen ist Trainer Felix Magath auch bei den Bayern-Profis angekommen. Schafft er es irgendwann, die Sehnsucht nach einem europäischen Triumph zu stillen, sind sie bei Bayern alle felix mit Magath.

Von Elisabeth Schlammerl
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Als Felix Magath im Sommer des vergangenen Jahres beim FC Bayern München als Trainer begonnen hat, waren nicht alle glücklich. Genaugenommen, war es nur die Führungsspitze des deutschen Rekordmeisters. Die Fans hingen an Vorgänger Ottmar Hitzfeld, der ihnen in sechs Jahren reichlich Trophäen beschert hatte, und die Spieler mochten ihn, weil er so leicht auszurechnen war.

Hitzfeld kannte die Mannschaft aus dem Effeff und die Spieler Hitzfeld. In dieser Liaison gab es am Ende nichts Überraschendes mehr, was letztendlich auch der Grund für die Trennung war. Nun also Magath, dem gar schaurige Methoden nachgesagt wurden. Und tatsächlich lernten die Bayern nicht nur ganz neue Seiten einer Trainer-Spieler-Beziehung kennen, sondern vor allem die Umgebung. Im Trainingslager am Tegernsee ließ sie Magath die Berge des Voralpenlandes hinauflaufen, und daheim in München kannten sie bald jeden Baum im Perlacher Forst.

Für Bayern der 19., für Magath der erste Titel

Nein, gemütlich waren diese ersten Monate nicht. Nun, ein knappes Jahr später, hat wohl immer noch nicht jeder Profi den Trainer in sein Herz geschlossen, aber sie respektieren ihn, und vielleicht weicht demnächst der letzte Rest Skepsis. Er brauche einen Titel, um zu hundert Prozent akzeptiert zu sein beim FC Bayern, hat Magath in einem Interview mit dem "Spiegel" Ende März gesagt.

Nun hat das mit dem Titel so gut wie geklappt. Der Vorsprung in der Bundesliga ist so groß, daß niemand mehr daran zweifelt. Die Bayern werden Meister, entweder schon an diesem Samstag in Kaiserslautern oder dann eben eine Woche später. Für den erfolgverwöhnten Klub ist es der 19. Titel, für den Trainer Magath der erste. Natürlich hatte er noch nie so gute Voraussetzungen: eine Mannschaft von hoher Qualität, einen ausgeglichenen und gut bestückten Kader. Aber viele gute Solisten geben noch lange kein harmonisches Orchester.

Jedes Wort wiegt schwer

Magath hat die Mannschaft verändert, aber die Mannschaft auch den Trainer. "Ich mußte mich den Gegebenheiten unterordnen", gibt Magath zu. Er hat gelernt, daß beim FC Bayern vieles anders läuft als in Stuttgart, Nürnberg oder Bremen. Wenn er in einem Nebensatz einen Spieler leicht rügte, entstand daraus auf dem Boulevard ein Riesenkrach. Bayern steht mehr im Fokus der Öffentlichkeit als der Rest der Bundesliga zusammen, und deshalb wiegt jedes Wort schwer, das an der Säbener Straße gesprochen wird.

"Manche Äußerungen, die anderswo niemanden interessieren würden, werden hier eine Woche in allen Zeitungen diskutiert", hat Magath erstaunt festgestellt. Die Spieler und er hätten deshalb eine gemeinsame Ebene finden müssen. "Es ist normal, daß man erst einmal schaut, was toleriert der andere, was lehnt er vehement ab", gab der gebürtige Mainfranke im Herbst zu, als die ersten Stürme überstanden waren. Er hat eingesehen, daß Stars anders behandelt werden wollen und müssen als zum Beispiel die jungen Wilden beim VfB Stuttgart.

Nur national in der Spitze

Die Spieler brauchten ebenfalls Zeit, um zu erkennen, daß der Trainer ziemlich viel richtig gemacht hat. Daß sie jetzt am Ende der Saison noch immer in einer guten körperlichen Verfassung sind, daß sie in der Lage sind, auch in der Schlußphase einer Partie noch zuzulegen, hat wohl doch einiges mit den schweißtreibenden Trainingstagen vor der Saison und in der Winterpause zu tun.

Die Spielweise des FC Bayern hat sich geändert unter Magath, aber ganz ohne den ergebnisorientierten Stil der vergangenen Jahre ging es nicht. National sind die Bayern damit wieder an die Spitze zurückgekehrt, den höchsten Ansprüchen genügten sie aber nicht. Chelsea hat den Bayern die Grenzen aufgezeigt. In der Bundesliga war dazu keine Mannschaft in der Lage, auch nicht Schalke, das beide Spiele gewonnen hat.

Alle felix mit Magath?

Manchmal, vor allem in der Hinrunde, haben die Münchner attraktiv und begeisternd gespielt, aber damals fehlte die Kontinuität. In der Rückrunde wurden mitreißende Spiele seltener, dafür auch die Niederlagen. Erst zweimal hat der FC Bayern in der Bundesliga in diesem Jahr verloren. Bei den wichtigen Siegen auf dem Weg zur Meisterschaft in den vergangenen Wochen haben die Münchner weniger durch ihren Spielwitz überzeugt als durch ihre Abgebrühtheit, ihre Disziplin und die Fähigkeit, Tempo nach Bedarf zu variieren.

Keine Mannschaft der Welt würde jedes Spiel 90 Minuten lang auf höchstem Niveau bestreiten, entgegnete Magath den Kritikern. Den Verantwortlichen genügte erst einmal, daß er die richtigen Zeichen setzt. Zum Beispiel war er öfters mutig bei seinen Einwechslungen, während Hitzfeld dagegen am Ende meistens Vorsicht walten ließ. Der Trainer hat in der Bundesliga schnell sein Meisterstück abgeliefert. Schafft er es auch noch irgendwann, die Sehnsucht nach einem weiteren europäischen Triumph zu stillen, sind sie bei Bayern endgültig alle felix mit Magath.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. April 2005
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