14.09.2011 · Keine Arbeit für Neuer, Lob für die Abwehr: Die Bayern schwärmen von ihrer neuen Defensive. Gegen Villarreal treffen sie am Mittwoch (20.45 Uhr) in der Champions League erstmals auf einen Gegner mit offensiver Durchschlagskraft.
Von Elisabeth Schlammerl, MünchenManuel Neuer erging es zuletzt nicht anders als den Zuschauern im Stadion: er sah das Spiel seiner Mannschaft nur aus der Distanz. Denn in seine Nähe, sprich in die Hälfte des FC Bayern München verlagerte sich das Geschehen bisher höchst selten, noch seltener kamen Schüsse auf das von ihm gehütete Tor. Und hätten die Kollegen Neuer nicht ab und zu als Anspielstation eingebaut, hätte er getrost zwischendurch eine kleine Kaffeepause einlegen können. Torhüter beim FC Bayern zu sein, kann im Moment ganz schön langweilig sein. Neuer ist deshalb froh um jedes Übungsspiel, weil ihn da wenigstens die Bayern-Stürmer richtig fordern. „Im Training bekomme ich den Ball schon öfters mal aufs Tor“, sagte er. Und auch öfters rein. In Pflichtspielen hat Neuer das seit fünf Wochen nicht mehr erlebt. Den einzigen Gegentreffer in dieser Saison musste er zum Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach hinnehmen, und den verschuldete er auch noch selbst.
Besser ergeht es seinen Kollegen in der Abwehr, denn sie heimsen im Gegensatz zu Neuer regelmäßig viel Lob ein dafür, dass der Gegner dem Bayern-Tor fern bleibt. Die Münchner Hintermannschaft profitiert aber davon, dass die Münchner Offensivabteilung beim Gegner für Vollbeschäftigung sorgt, jeder bei Ballverlusten nachsetzt und die Räume eng macht. Der deutsche Rekordmeister flößt der Konkurrenz wieder mächtig Respekt ein, nicht nur wegen eines teilweise spektakulären Angriffsspiels. Es hat sich langsam herumgesprochen hat, dass der FC Bayern hinten wieder dicht macht.
„Alle sind heiß und wollen gewinnen“
An diesem Mittwoch, wenn für die Münchner mit der Partie beim FC Villarreal (20.45 Uhr / Live im FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) die Gruppenphase der Champions League beginnt, wird es sich zeigen, was die neue Bayern-Defensive wirklich wert ist, heißt es aus den Reihen des Bundesliga-Spitzenreiters. „Für die Abwehr kommt jetzt die Nagelprobe“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Vielleicht hoffen die Bayern sogar ein bisschen darauf, denn notorische Unterbeschäftigung kann die Konzentration auf Dauer beeinträchtigen.
Allerdings verbreiteten die Spanier in den bisherigen zwei Spielen der Primera Division nicht unbedingt Angst und Schrecken, im Gegenteil, der Saisonstart ging ziemlich daneben. Dem 0:5 gegen den FC Barcelona folgte am Wochenende ein 2:2 daheim gegen den FC Sevilla. Dennoch bezeichnet Kapitän Philipp Lahm den FC Villarreal als „eine gefährliche Mannschaft“. In Giuseppe Rossi beschäftigt der Vierte der vergangenen Meisterschaftssaison einen umtriebigen Stürmer, den die Münchner anders als zuletzt Freiburgs Cissé kaum kennen.
Trainer Jupp Heynckes hingegen weiß genau, was der 24 Jahre alte italienische Nationalspieler kann. Rossi hatte in der vergangenen Europa-League-Saison gegen Bayer Leverkusen zwei Tore erzielt und damit großen Anteil am Ausscheiden der damals von Heynckes betreuten Mannschaft im Achtelfinale gehabt. „Sicher werde ich nicht so arbeitslos sein wie in den letzten Spielen“, weiß Manuel Neuer „Es wird anders gegen ein solch hochklassiges Team, aber alle sind heiß und wollen gewinnen.“
Der Terminplan hätte nicht besser für den FC Bayern gestaltet sein können. Die Gegner in der ersten Saisonphase waren allesamt keine Schwergewichte. Die von Heynckes im Training einstudierte Grundordnung ließ sich festigen, die Neuverpflichtungen für die Abwehrreihe, Rafinha und Jerome Boateng, hatten Zeit zum Akklimatisieren, und Kapitän Philipp Lahm konnte sich nach seinem Seitenwechsel mit etwas Ruhe wieder an die linke Außenbahn gewöhnen.
Am deutlichsten zeigt sich die Veränderung auf jener Position, die als einzige unverändert blieb. Der linke Innenverteidiger Holger Badstuber wirkte in der vergangenen Saison oft unsicher, auch ohne unter Druck zu geraten, unterliefen ihm Fehler. Jetzt spielt er sehr zuverlässig, und das liegt womöglich nicht nur daran, dass bisher meist Boateng an seiner Seite verteidigt hat.
Auch Daniel van Buyten, der mit Badstuber vor einem Jahr noch ein Pannen-Duo gebildet hatte, spielte bei seinen drei Einsätzen abgeklärt und fehlerlos. „Es gibt wenige Verteidiger wie Badstuber, weil er neben großer Zweikampfstärke überragende technische Fähigkeiten hat“, sagte Christian Nerlinger in einem Interview mit dem „Münchner Merkur.“ Mit der nun beginnenden Phase zwei mit offensivstärkeren Klubs als Gegner steigen die Anforderungen an die Defensive. Nur wenn es die Bayern schaffen, auch unter Druck Fehler zu vermeiden und die Grundordnung beizubehalten, ist die unter Heynckes angestrebte Konsolidierung gelungen. „Wir sind gefestigt“, sagte Thomas Müller vor der Reise nach Spanien. „Ich bin guter Dinge.“
@Henning Staats
Christoph Amend (ctadna)
- 14.09.2011, 21:13 Uhr
Bayern / Villareal
Henning Staats (tinahen)
- 14.09.2011, 17:47 Uhr