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Bayer Leverkusen : Das 20-Millionen-Euro-Spiel

  • Aktualisiert am

In Dortmund startete Leverkusen furios in die Saison, nun soll es gegen Kopenhagen so weitergehen Bild: AFP

Der Bundesliga-Start mit dem Neun-Sekunden-Rekordtor war furios, nun steht Leverkusen vor dem „wichtigsten Spiel der Vorrunde“. In den Playoffs zur Champions League geht es gegen Kopenhagen (20.45 Uhr) auch um viel Geld.

          Auf dem Spiel stehen mindestens 15 bis 20 Millionen Euro. Schon deshalb ist es für die Fußballprofis von Bayer Leverkusen Pflicht, zum neunten Mal die Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Für Sportdirektor Rudi Völler gibt es vor der entscheidenden Playoff-Begegnung mit dem FC Kopenhagen am Mittwoch (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) keine Zweifel über die extrem hohe Bedeutung: „Wir wissen, dass wir das wichtigste Spiel der Vorrunde vor der Brust haben.“

          Für den neuen Bayer-Trainer Roger Schmidt ist der pekuniäre Aspekt nicht vordergründig. „Das müssen wir für den Moment ausblenden“, sagte er am Dienstag. Sein Ziel und das der Mannschaft sei es, „unbedingt Champions League zu spielen. Das ist das, was uns antreibt.“

          Die Pflichtspielbilanz der Werkself unter Schmidt ist makellos. 6:0 im DFB-Pokal bei den Amateuren aus Waldalgesheim, 3:2 vor einer Woche in Kopenhagen, 2:0 beim furiosen Bundesligaauftakt in Dortmund mit dem schnellsten Treffer der Erstliga-Historie durch Karim Bellarabi - da ist es klar, dass die Zuversicht groß ist, nach den Bayern, dem BVB und Schalke als vierter deutscher Verein zum Königsklassen-Establishment zu gehören.

          Schmidt ist sicher, dass die Elf seines Widerparts Stale Solbakken, einst Trainer des 1. FC Köln, in der BayArena die Offensive suchen wird. „Kopenhagen braucht mindestens zwei Tore. Von daher stellen wir uns darauf ein, dass die Mannschaft mehr riskieren wird.“ Der Bayer-Mann fordert eine klare Linie seines Teams: „Wir müssen das sauber und reif herunterspielen.“

          „Unbedingt Champions League zu spielen – das ist das, was uns antreibt“: Leverkusen-Trainer Roger Schmidt
          „Unbedingt Champions League zu spielen – das ist das, was uns antreibt“: Leverkusen-Trainer Roger Schmidt : Bild: dpa

          Die Zuversicht ist groß: „Wir haben sehr viel Selbstvertrauen“, meinte Bayer-Torhüter Bernd Leno nach dem Traumstart in allen drei Wettbewerben. Schmidt warnt indes vor Nachlässigkeiten oder einem Unterschätzen der Dänen, die in der „Superligaen“ als zehnmaliger Meister aktuell nur Zehnter sind. Schmidt: „Wir müssen hochkonzentriert bleiben. Und wir glauben überhaupt noch nicht, dass wir durch sind.“

          Es ist schon zu Saisonbeginn ein gewaltiger Kraftakt mit vier Auftritten binnen zwei Wochen. „Wir müssen abwarten, ob wir das konstant auf den Platz bringen können“, ergänzte Schmidt nach dem bemerkenswerten Erfolg beim BVB. Der Vollgas-Fußball, den der Neue seinen Profis abfordert, könnte zu einem Kräfteverschleiß führen. „Ich musste ganz schön auf die Zähne beißen“, meinte Torjäger Stefan Kießling noch in Dortmund.

          „Jetzt wollen wir das Ding nach Hause fahren“

          Kießling könnte einer der Garanten sein, dass Bayer in die Gruppenphase einzieht. Auf ihn ist ohne jede Einschränkung Verlass: Sieben Tore in den drei Pflichtpartien sagen alles über die aktuellen Qualitäten des Franken, der mit seinen Kollegen nur eines im Sinn hat: „Jetzt wollen wir das Ding nach Hause fahren.“ Auch Schmidt gibt sich gelassen: „Wenn man auswärts gewonnen hat, ist das natürlich immer eine gute Ausgangsposition.“

          Und die muss genutzt werden. Denn die finanzielle Gesamtbilanz der Champions-League-Spielzeit 2013/2014 weist einen erheblichen Zugewinn unterm Bayer-Kreuz aus: 26,335 Millionen Euro waren es, die der im Achtelfinale (0:4 und 1:2 gegen Paris St. Germain) ausgeschiedene Werksklub insgesamt einspielte. Eine mehr als hübsche Summe - das weiß auch Geschäftsführer Michael Schade: „Natürlich verdient man Geld, das will ich nicht wegdiskutieren.“

          Dem Nachfolger von Wolfgang Holzhäuser geht es indes um mehr: um das Image, um die Weiterentwicklung, darum, dass Bayer dauerhaft eine der festen Größen des Fußballs im Land des Weltmeisters bleibt. „Vizekusen darf nicht der Deckel alles Denkens sein“, sagte Schade noch bei der offiziellen Saisoneröffnung. Das darf zweifelsfrei als Kampfansage an die Branchengrößen aus München und Dortmund verstanden werden: Bayer will irgendwann einen „großen“ Titel!

          Quelle: FAZ.NET/dpa

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