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Bayer Leverkusen : Calmund belastet Holzhäuser

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Reiner Calmund weist Vorwürfe zurück Bild: AP

Der ehemalige Bundesliga-Manager Reiner Calmund hat den gegen ihn erhobenen Verdacht der Untreue zurückgewiesen. Gleichzeitig bezichtigte er seinen früheren Kollegen bei Bayer Leverkusen, Wolfgang Holzhäuser, der Mitwisserschaft in der Finanzaffäre.

          Die Finanzaffäre um den ehemaligen Bundesliga-Manager Reiner Calmund und seinen früheren Verein Bayer 04 Leverkusen weitet sich aus. Bei einem Pressegespräch in Köln am Freitag wies Calmund in Beisein seines Anwalts Stefan Seitz den gegen ihn erhobenen Verdacht der Untreue zurück. Zudem bezichtigte der frühere Geschäftsführer der Bayer Leverkusen Fußball GmbH seinen früheren Kollegen Wolfgang Holzhäuser, der die alleinige Geschäftsführung des Erstliga-Fußballklubs übernommen hat, der Mitwisserschaft bei den Vorgängen um die dubiosen Bargeldzahlungen von 580.000 Euro an den Spielervermittler Volker Graul.

          Calmund, der im Zuge der damals öffentlich noch unbekannten Affäre am 8. Juni 2004 nach 27 Jahren seine verantwortliche Position in Leverkusen verlassen hatte, deutete an, daß wichtige Unterlagen im Verein, die den Vorgang aufhellen könnten, verschwunden seien. "Die Papiere kommen alle weg", sagte der 57jährige Rheinländer. Zudem legte der frühere Manager dar, daß er nach seinem Rückzug aus der Geschäftsführung 350 000 Euro auf Geheiß des Vereins an Graul habe zahlen müssen, damit dieser hohe steuerliche, aus den fragwürdigen Deals entstandene Steuerforderungen begleichen konnte.

          Anwalt: Untreuevorwurf paradox

          Der Untreuevorwurf gegen Calmund, gegen den die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt, sei unter Berücksichtigung dieser Zahlung paradox, sagte Seitz. Für die gezahlte Summe von 350.000 Euro nahm Calmund einen Kredit bei einem Schweizer Vermögensberater auf. Die Ablösung des Kredits habe aber nicht die Bayer AG oder die Fußball-Tochter des Konzerns übernommen. "Der Betrag wurde mir von der Abfindung abgezogen", sagte Calmund. Da die Regelung zur Begleichung der Forderungen von Graul, der sogar mehr als 350.000 Euro verlangt hatte, nur mündlich vereinbart wurde, sei es aus juristischer Sicht wenig erfolgversprechend gewesen, den Betrag über eine Klage vom Verein zurückzuholen, sagte Seitz.

          Abweichend zu Erklärungen des Vereins waren auch Calmunds Erläuterungen zu den Rechnungen, die Graul für die nicht erfolgten Optionsvereinbarungen stellen sollte. Während Bayer 04 hervorgehoben hatte, es seien keine Belege für die Zahlungen an Graul aufzufinden gewesen, sagte Calmund, der Verein habe sich geweigert, die angebotenen Rechnungen des Spielerberaters anzunehmen. Calmund bestätigte den am Wochenende bekannt gewordenen Rahmen der Affäre, erweiterte diese aber um wesentliche Details.

          Danach hatte er den früheren Bundesligastürmer Graul beauftragt, mit fünf neuen Spielern Optionen für einen Vertragsabschluß bei Bayer zu vereinbaren. Bayer 04 hatte lediglich zwei Spieler aufgeführt. Diese Akteure sollten als Ersatz für den Brasilianer Lucio, dessen Wechsel nach Italien im Sommer 2003 erwartet worden war, geholt werden. Nachdem Lucio aber bei Bayer 04 blieb, sollte Graul nach dem Scheitern der anderen fünf Optionsversprechen bei drei weiteren Spielern eine Option einholen. Auch in diesen Fällen kam kein Vertragsabschluß zustande.

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