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Bastian Schweinsteiger Mister überall

 ·  Bastian Schweinsteiger blockiert die Versorgungswege, bereitet Tore vor, besticht als Solist und Ruhepol - mit einem Wort: Weltklasse. Gegen Argentinien liefert er auf seiner Wunschposition im defensiven Mittelfeld sein bestes Spiel.

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Bastian Schweinsteiger geht sehr dosiert um mit Worten in der Öffentlichkeit. Seit der Vizekapitän in Südafrika mitverantwortlich ist für die WM-Mission, lässt er lieber die Kollegen das Leistungsphänomen dieses Teams erklären. Die Außenminister der Nationalelf sind andere – Kapitän Philipp Lahm, Arne Friedrich oder Per Mertesacker aus dem Mannschaftsrat.

Und so blieb es auch am Samstag nach dem brillanten 4:0-Sieg im Viertelfinale gegen Argentinien bei einem knappen Kommentar, obwohl Schweinsteiger im Dienste Deutschlands das wohl beste Fußballspiel seiner Karriere abgeliefert hatte. „Ich habe richtig Gänsehaut. Wenn ich sagen würde, ich wollte nicht ins Finale, würde das nicht stimmen. Wir haben zwei starke Mannschaften geschlagen und sind schon weit gekommen“, sagte der Mittelfeldspieler. Den nächsten Gegner im Halbfinale aus Spanien hält er für die stärkste Mannschaft der Welt. „Aber wir glauben an uns und haben genug Selbstvertrauen.“

Schweinsteiger weiß inzwischen mit bald 26 Jahren, wie wichtig es ist, sich auf die wesentlichen Aufgaben zu fokussieren. In weichen und harten Fakten ausgedrückt, war seine Leistung gegen die Argentinier Weltklasse. Kein anderer Spieler auf dem Platz spielte mehr erfolgreiche Pässe (84), kein anderer legte mit rund 11,3 Kilometern über zwei Halbzeiten ein solches Pensum zurück. Schweinsteiger hier, Schweinsteiger da, Schweinsteiger überall.

Die Parameter weisen allerdings nur zum Teil darauf hin, auf welche besondere Weise er am deutschen Erfolg gegen die hoch eingeschätzte Maradona-Mannschaft beteiligt war. Vom defensiven Mittelfeld aus lenkte Schweinsteiger die deutsche Offensive, war sichere Verteilerstation auf dem Weg nach vorne und mit seinem inzwischen kongenialen Partner Sami Khedira, der sich in der Partie eine Muskelverhärtung im Oberschenkel zuzog, vor allem in der ersten Halbzeit hauptsächlich daran beteiligt, dass die Blockade der Versorgungswege im argentinischen Kreativspiel funktionierte. Der kleine Superstar Lionel Messi fiel vor der Pause nur durch zwei schwach getretene Freistöße auf.

Löw: „Es war ein grandioses Länderspiel von ihm“

Was Schweinsteigers Leistung noch mehr hervorhebt an diesem deutschen Fußballfeiertag, war seine direkte Beteiligung am Zustandekommen zweier Treffer. Bei Thomas Müllers Blitztor nach drei Minuten zirkelte er den Freistoß links vor dem Strafraum gefühlvoll mit dem Innenspann auf den Kopf des heranstürmenden Bayern-Kollegen. Fünfzehn Minuten vor Schluss umkurvte er auf der linken Seite einige konsternierte argentinische Gegenspieler und legte den Ball in die Mitte perfekt auf für den mitgelaufenen Innenverteidiger Arne Friedrich. Dem gelang das erste Tor in seinem 77. Länderspiel.

Ein Tag der Sensationen und überraschenden Momente. Der Bundestrainer geriet später ins Schwärmen, als er nach seiner Meinung zur Leistung des aufblühenden Vizekapitäns gefragt wurde. „Es war ein grandioses Länderspiel von ihm. Was er gearbeitet hat, was er gelaufen ist im Mittelfeld, wie er die Mannschaft in der Organisation geführt hat, wie er bei fast jedem Angriff mit nach vorne gegangen ist und wie er das Tor von Arne Friedrich vorbereitet hat – besser kann man das nicht machen. Er war herausragend in jeder Beziehung“, sagte Joachim Löw.

Absolute Führungskraft von internationaler Klasse

Vor dem Turnier hatte es nur Mutmaßungen gegeben, ob sich Schweinsteiger an der Seite des jungen Khedira würde beweisen können. Während der starken Bayern-Saison hatte er schließlich den erfahrenen Mark van Bommel neben sich. Doch auf seiner Lieblingsposition ist Schweinsteiger nun mit dem WM-Turnier endgültig zu einer absoluten Führungskraft von internationaler Klasse herangereift. Aus dem lustigen Burschen aus den Chiemgauer Alpen ist ein ernsthafter, hoch professionell arbeitender Hochleistungssportler geworden.

Intern redet er viel und stimmt vor allem seine jüngeren Kollegen ein für die Aufgaben. „Alles ist anders“, sagt Schweinsteiger und bezieht sich auf seine frühen Jahre. An der Seite von Lukas Podolski bildete er beim Sommermärchen 2006 das ulkige Gute-Laune-Paar des deutschen Fußballs. Heute ist er erfahrener und erwachsener.

Schweinsteiger mit Ballsicherheit und Bärenruhe

Eine Mitverantwortung an dieser Entwicklung und vor allem für diesen Leistungssprung in den vergangenen Monaten hat mit dem Münchner Louis van Gaal auch ein anderer Trainer. Mit der Übernahme der Bayern-Mannschaft durch den Holländer wurde Schweinsteigers wahre Berufung endgültig erkannt. Im dichtbevölkerten zentralen Mittelfeld strahlt er eine solche Ballsicherheit und Bärenruhe aus, weshalb sich viele fragen, weshalb er fünf Jahre zuvor bei den Bayern nicht auf dieser Position gespielt hat.

Dass er auch im Nationalteam lange nur auf den Außenpositionen zu finden war, hatte immer damit zu tun, dass Platzhirsche wie Michael Ballack oder Torsten Frings diese Rolle ausfüllten. „Du kannst da als junger Spieler nicht gleich auf eine solch wichtige Position“, sagte Schweinsteiger dieser Tage im Rückblick, obwohl er in den Jugendjahren bei den Bayern genau für diese Aufgabe ausgebildet worden war.

„Er übernimmt viel Verantwortung auf dem Platz“

Jetzt ist er der Chef. Der öffentliche Provokationsvorwurf vor dem Viertelfinale an die Adresse der Argentinier betonte nur seine neue Funktion als Anführer. „Er übernimmt viel Verantwortung auf dem Platz, gerade in schwierigen Momenten. Der Bastian ist immer anspielbereit und hat keine Angst, den Ball zu bekommen“, sagt Khedira. Das souveräne Auftreten Schweinsteigers erinnert an den jungen Michael Ballack, der bei der WM 2002 zur bestimmenden Figur des deutschen Spiels wurde, nachdem er in der Saison ebenfalls mitbeteiligt war (Leverkusen) am Erreichen des Finals in der Champions League.

Nun fragen sich einige schon, ob sich Ballack in der neuen Personalkonstellation im defensiven Mittelfeld nach seiner langen Verletzungspause integrieren ließe. Der gereifte Schweinsteiger hat eine diplomatische Antwort parat. „Natürlich.“ Der alte Kapitän fehle der Mannschaft, man freue sich auf seine Rückkehr.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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