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Nach Debüt in der MLS : Schweinsteiger ist „einfach nur glücklich“

  • -Aktualisiert am

Schweinsteiger der Strahlemann: Der Neue ist bei Chicago Fire sofort mittendrin – wünscht sich aber selbst noch mehr Power. Bild: Imago

Nach seinem ersten Spiel und ersten Tor für Chicago Fire bestaunen die Fans in Amerika die Übersicht von Bastian Schweinsteiger. Doch noch längst nicht alles läuft optimal beim möglichen Retter des schwachen MLS-Teams.

          Chicago hat einen neuen Fußball-Star. Nur bekommen das die wenigsten in der Stadt mit. Soccer? Schweinsteiger? American Football, Basketball und Baseball machen den europäischen Lieblingssport in Amerika weiter zur Randerscheinung. Das soll sich mit Bastian Schweinsteiger nun ändern, besser: Das soll Schweinsteiger ändern. Er soll das neue Gesicht der Major League Soccer (MLS) werden. Indem er aus dem Chicago Fire Soccer Club, dem schlechtesten MLS-Klub der vergangenen zwei Jahre, wenigstens einen Play-off-Teilnehmer macht, mindestens.

          Den ersten Ballkontakt hat Schweinsteiger am Samstag nach fünf Sekunden, nach anderthalb Minuten wird er das erstmal gefoult, und nach 17 Minuten erzielt er gegen Montreal Impact mit einem Kopfball seinen ersten Treffer in Übersee. Er schnappt sich den Ball, klopft sich auf das neue Wappen auf der Brust und strahlt. Die Fans jubeln, es ist sehr laut im Stadion.

          „Basti, Basti“-Rufe im kleinen Stadion

          Der deutsche Weltmeister von 2014 hat einen ersten, kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht. „Basti, Basti“-Rufe hallen durch das kleine Stadion am südwestlichen Rand der Stadt. Dort, zwischen Güterbahnhof und Friedhof, wird im „Toyota Park“ Soccer gespielt. 20.000 Menschen passen in die Arena, in der auch die Frauen von Chicago Bliss in der Legends Football League spielen. Die hieß früher mal Lingerie Football League und ist eine „Unterwäsche-Football-Liga“.

          Auch Rammstein spielt hier, die deutsche Rock-Band, beim Chicago Open-Air-Festival. Rammsteins metallischer Rocksound von „Du hast“ wurde durch die Stadionlautsprecher gepresst, als Schweinsteiger das Feld zum Aufwärmen betrat. Rammstein ist „huge“ – unglaublich erfolgreich – in den Vereinigten Staaten. Nun soll Schweinsteiger die MLS „huge“ machen. Da gibt es Luft nach oben. 15103 Zuschauer waren gekommen, um ihn spielen zu sehen. Nur? Immerhin, wenn man bedenkt, dass auch die Basketball-Stars der Chicago Bulls ein Heimspiel hatten.

          In den Vereinigten Staaten heißt es nach so einem Debüt: „The script writers had this one right“, Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Und der Amerikaner liebt seine Storys, Geschichten, die gefunden und erzählt werden wollen – wie die von diesem 32 Jahre alten Deutschen, der seinen Verein zur „Weltmeisterschaft“ schießen soll. Dass das nicht möglich ist, musste Schweinsteiger den Journalisten aus der Windy City bei seiner Vorstellung am Mittwoch erst einmal erklären: Aufklärungsarbeit. „Ich wusste im ersten Moment gar nicht, was der Reporter meinte“, sagte Schweinsteiger bei seinem Antrittsbesuch bei den Bulls einen Tag später. Er weiß, dass er eine andere Welt betritt.

          Schweinsteiger lacht sehr viel in diesen ersten Tagen in Chicago. Seiner Frau Ana Ivanovic und sein Vater Alfred helfen ihm bei der Eingewöhnung in der Stadt am Lake Michigan. Paul Zipser, Basketballprofi und ein alter Bekannter aus München, will ihm bei der Suche nach einer neuen Bleibe helfen. „Ich bin einfach nur glücklich, wieder Fußball spielen zu können“, sagte Schweinsteiger anschließend. 90 Minuten hielt er durch, auch wenn er „zwischenzeitlich ganz schön müde“ war.

          Dabei erwies sich Schweinsteiger nicht gerade als Laufwunder bei seiner Premiere. Dafür zeigte er andere Stärken. Er dirigierte seine Mannschaftskameraden, war der Regisseur. Seine messerscharfen und zielgenauen Pässen wurden von den Fans bestaunt. Er soll der Denker, der Stratege, der Chef des Teams werden – auch wenn der Klub mit Dax McCarty und Juninho zwei Spieler auf ähnlicher Position im zentralen Mittelfeld hat, die in der Vergangenheit ins All-Star-Team der MLS gewählt wurden.

          Schweinsteiger amüsiert : Mit Chicago zum Titel? „Alles ist möglich“

          Ein Überangebot? Wenn es nach Schweinsteigers neuem Trainer Veljko Paunovic geht, passen alle drei gut ins taktische Konzept. Der Trainer, der 2005 sechs Spiele für Hannover 96 absolvierte, das damals von Ewald Lienen trainiert wurde. Schweinsteiger erinnert sein neuer Coach an Pep Guardiola, unter dem er einst beim FC Bayern kickte. Beide vereint wohl „eine ähnliche Spielidee“, so der 32-Jährige. Die Idee des Klubs ist es, mit Schweinsteiger Titel zu gewinnen. Das gelang Chicago bislang genau einmal, in der ersten Saison des Klubs, 1998. Die Play-offs erreichte Schweinsteigers Arbeitgeber zuletzt 2012.

          „Man of the match“? Natürlich Schweinsteiger!

          Der Weltmeister soll das nun ändern. Der aber möchte erst einmal an seiner Fitness arbeiten, um „mehr Power“ zu haben, sagt er nach dem 2:2-Unentschieden gegen Montreal. „Schade, dass wir heute nicht gewonnen haben“, gibt er zu Protokoll und bedankt sich höflich bei den Supportern. Eine tolle Atmosphäre im eigenen Stadion sei wichtig für das Team. Natürlich – wie solle es bei dieser Geschichte auch anders sein – wird Schweinsteiger zum „Man oft the Match“ gewählt. Das ist selbstverständlich. Andererseits hatte Chicago, zwischenzeitlich in Rückstand geraten, gegen Montreal erst in der 93. Minute ausgeglichen. Es war eine Partie, in der ein Punkt gerettet wurde, mehr nicht.

          Paunovic ist nach der Partie äußerst zufrieden mit seinem neuen Star, der an vielen guten Aktionen beteiligt war. „Letzte Saison hätten wir so ein Spiel noch verloren“, erklärt der Coach, der jetzt schon die besondere „Siegermentalität“ des Deutschen spüre. Dass Chicago in der letzten Sekunde der Nachspielzeit einen Punkt holte, sei der „Wille, den Basti ins Team gebracht hat“. Der sagt: „Der Fußball hier ist anders, aber ich werde mich schon daran gewöhnen.“ Er und sein Team könnten sich noch in allen Bereich verbessern, so Schweinsteiger. „Ich hoffe, wir werden Punkte einfahren, denn ich mag es nicht, zu verlieren.“ Die Fußballsprache ist überall auf der Welt gleich.

          Quelle: F.A.Z.

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