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All-Star-Spiel gegen Real : Wie Schweinsteiger die Amerikaner begeistert

  • -Aktualisiert am

Auch mit dem Ball in der Hand macht Bastian Schweinsteiger eine gute Figur. Bild: Picture-Alliance

Es dauerte nicht lange, bis Bastian Schweinsteiger mit Chicago aus dem Tabellenkeller an die Spitze kletterte. Nun wird ihm sogar eine besondere Ehre zuteil.

          Einem Fußballspieler der Erfolgskategorie Schweinsteiger darf man sicher vieles zutrauen. Aber die Frage, die ihm ein unerfahrener Reporter bei seiner ersten Pressekonferenz Ende März in den Vereinigten Staaten stellte, klang nach einer etwas zu großen Herausforderung. Ob er seinem neuen Team Chicago Fire dabei helfen könne „eine Weltmeisterschaft zu gewinnen“, lautete sie.

          Der Neuzugang wollte nichts Falsches sagen und nicht gleich zu Beginn einen diplomatischen Fauxpas begehen und die hohen Erwartungen dämpfen, die sich mit seiner Verpflichtung verknüpft hatten. Er wollte aber auch nicht wie ein Oberlehrer wirken, der naive, aber wohlmeinende Journalisten abkanzelt. Und so beließ er es im Nebulösen: „Ich denke, im Fußball ist alles realistisch. Und ich glaube immer, dass die Mannschaft, für die ich spiele, das Spiel gewinnen kann. Selbst gegen das beste Team der Welt.“

          Wenige Wochen später fand der Weltmeister von 2014 eine sehr viel griffigere und ganz konkrete Antwort. Er brachte, obwohl inzwischen 33 Jahre alt, seine neuen Nebenleute derart in Schwung, dass sie zwischendurch eine Serie mit elf Spielen ohne Niederlage in Folge hinlegten und in der Tabelle der Eastern Conference mit ihren elf Klubs bis auf Platz eins aufstiegen. Die wirklich nicht verwöhnten Fans von Chicago Fire wussten gar nicht, wie ihnen geschah.

          Dass ein einzelner, wenn auch herausragender Kicker mit Blick fürs Spiel und dem Gefühl für lange Pässe einen ganzen Kader auf Vordermann bringt, der vorher lustlos am Tabellenende herumdümpelte, kommt in der Mannschaftssportart Fußball gewöhnlich nicht vor. So etwas bewerkstelligen allenfalls nur neue Trainer. Kein Wunder, dass bei Heimspielen in der in einer schäbigen Industriegegend gelegenen Arena trotz des Erfolgs noch immer einige der 28.000 Sitzplätze leer bleiben.

          Wozu passt, dass man sich über die Gründe für einen derartigen plötzlichen Leistungsaufschwung im Fußball-Entwicklungsland Amerika nicht groß Gedanken macht. Die Statistiken werfen im Fall von Schweinsteiger keine Erklärungsmuster ab. Weshalb Julian Gressel von den Atlanta United auch nur eine Besonderheit entdeckte, ehe die Mannschaft sich in Chicago eine 0:2-Niederlage abholte: Der Mann mit der Nummer 31 kontrolliere einfach das Tempo: „Er kann offensiv sein, aber weiß auch, wie man sich zurückfallen lässt, um nicht den Ball zu verlieren.“ Von Magie war nicht die Rede. Klar war immerhin so viel: Der zu Beginn der Saison von Legia Warschau gekommene Ungar Nemanja Nikolics konnte ebenfalls nicht ganz schuldlos sein. Auf das Konto des 29 Jahre alten Stürmers gehen 16 der bisher erzielten 40 Fire-Tore. Nikolics ist hochmotiviert. Und mit seiner Ausbeute beileibe nicht zufrieden: „Ich war bei meinem letzten Klub besser.“

          Chicago : Schweinsteiger auf dem Catwalk

          Seine Tranche reichte allerdings, um als Top-Scorer der Liga neben Schweinsteiger bei einer Abstimmung der Anhänger in die All-Star-Elf von Major League Soccer gewählt zu werden. Das Aufgebot besteht aus insgesamt 24 Spielern, die an diesem Mittwoch gegen Real Madrid antreten (Donnerstag 3.30 Uhr MESZ). Auch ohne den in juristische Probleme verwickelten Ronaldo müsse man Real als „einen der größten Klubs der Welt“ einstufen, sagte Schweinsteiger vor ein paar Tagen, nachdem er zum Kapitän der Ligaauswahl ernannt wurde. Er hoffe jedoch, dass „die Menschen in Chicago uns unterstützen“, wo das Match in dem sehr viel größeren Football-Stadion namens Soldier Field ausgetragen wird.

          Der Oberbayer genießt in seiner neuen Heimat so etwas wie einen zweiten Frühling, nachdem der Abstecher zu Manchester United ziemlich freudlos verlief. Die Stadt, in der ihn und seine Frau, die einstige Tennisgröße Ana Ivanovic, auf der Straße nur die wenigsten Menschen erkennen, tut ihm gut. Neben seinen Verpflichtungen als Fußball-Werbebotschafter, der etwa beim Profi-Baseball auftaucht oder bei den Bulls-Basketballern oder dem Eishockey-Team der Blackhawks, hat er genügend Zeit, seinen eigenen Interessen nachzugehen. Wozu gehört, das reichhaltige kulinarische Angebot im Zentrum der Stadt durchzutesten.

          Nach Wechsel in die MLS : Begeisterter Empfang für Schweinsteiger in Chicago

          Schweinsteiger wirkt dabei wie der freundliche, bodenständige Junge von nebenan, der seinen Bekanntheitsgrad im Rest der Welt herunterspielt. Und der seine Rolle in Interviews gerne so erklärt: „Wo mein Job ist, da bin ich zu Hause. Ich bin hier, um der Mannschaft dabei zu helfen, dass sie in die Play-offs kommt.“ Schweinsteiger weiß, dass auch Kleinigkeiten eine Rolle spielen können. Dem Amerikaner Dax McCarty, der mit seinem neuen Nebenmann das Fire-Mittelfeld organisiert, fiel angenehm auf, dass der Weltmeister zusammen mit allen anderen zu Auswärtsspielen in der engen Economy-Klasse sitzt, obwohl er die Ressourcen hätte, sich einen bequemen Sitz vorne im Flieger zu leisten.

          Nachdem die Akklimatisierung so gut geklappt hat und die Leistungen stimmen, rechnet Fire-Chefmanager Nelson Rodriguez bereits damit, dass Schweinsteiger den ursprünglich nur für ein Jahr abgeschlossenen Vertrag verlängert. „Für mich ist Bastian auf vielerlei Weise Chicago“, sagte er in einem Interview. „Hier musst du Charakterstärke haben“, sagte er über die Stadt am Lake Michigan, die sich vom Selbstbild her gerne als hart arbeitende, zupackende Machermetropole definiert. „Aber es gibt hier auch Freundlichkeit und menschliche Wärme und echte Begeisterungsfähigkeit. Und genau so erlebe ich Bastian jeden Tag.“

          Fußball-Weltmeister : Schweinsteiger wechselt nach Chicago

          Quelle: F.A.Z.

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