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Barça führt Real vor Der „Außerirdische“ holt die „Galaktischen“ vom Himmel

20.11.2005 ·  Ausgepfiffen und vorgeführt: Seit Jahrzehnten ist Real Madrid vor eigenem Publikum nicht mehr so an die Wand gespielt worden wie beim 0:3-Debakel gegen den FC Barcelona. Ronaldinho war der Mann des Tages.

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Ausgepfiffen und vorgeführt: Seit Jahrzehnten ist Real Madrid vor eigenem Publikum nicht mehr so an die Wand gespielt worden wie beim 0:3-Debakel gegen den FC Barcelona.

„Die Ära der Galaktischen ist zu Ende“, zog das Sportblatt „Marca“ am Sonntag ein bitteres Fazit aus dem denkwürdigen Klassiker des spanischen Fußballs. Und was für die „Königlichen“ das Schlimmste war: Die eigenen Anhänger waren vom entfesselten Spiel der Katalanen so angetan, daß sie sich nach dem Abpfiff von den Sitzen erhoben und den Erzrivalen mit Beifall verabschiedeten.

Einbahnstraßenfußball

So etwas hatte es zuletzt vor 22 Jahren gegeben, als dem Weltstar Maradona ein Traumtor für Barcelona gelang. Wenn Werder Bremen geglaubt hat, mit seinem 6:1-Erfolg über den VfL Wolfsburg die Katalanen vor dem Champions-League-Spiel am Dienstag im Camp-Nou-Stadion beeindrucken zu können, dürften die Norddeutschen sich getäuscht haben. Die Antwort der Blau-Roten ließ keine vier Stunden auf sich warten.

Barça führt Real vor: Der „Außerirdische“ holt die „Galaktischen“ vom Himmel

Die Katalanen nahmen vor 80.000 Zuschauern im Bernabéu-Stadion von Anpfiff an das Heft in die Hand. Statt eines dramatischen Derbys der ewigen Rivalen gab es Einbahnstraßenfußball in Richtung Real-Tor. Torjäger Samuel Eto'o wurde - wie erwartet - ausgepfiffen, weil er im Sommer in abfälliger Weise über die Madrilenen hergezogen war. Aber ausgerechnet der Kameruner, dessen Talent von Real dereinst verkannt worden war, schoß nach 15 Minuten das 1:0 für den Meister. Daß die Madrilenen bis zur Pause nicht weitere Treffer kassierten, hatten sie allein ihrem Torwart Iker Casillas zu verdanken, der beste Torchancen von Eto'o und Lionel Messi vereitelte.

„Fall von Florentinopolis“

In der zweiten Halbzeit schnappte Ronaldinho (58.) sich an der Mittellinie den Ball, ließ Reals Jungstar Sergio Ramos, für den die „Königlichen“ eine Ablöse von 27 Millionen gezahlt hatten, wie einen Statisten stehen, lief an Abwehrchef Iván Helguera wie an einer Slalomstange vorbei und schoß zum 2:0 ein. 18 Minuten später wiederholte er das Kunststück in fast identischer Weise und erzielte das 3:0.

„Ronaldinho ist ein übermenschliches Wesen“, glaubte das Sportblatt „As“ erkannt zu haben. Die Zeitung „El Mundo“ brachte die Überlegenheit des Meisters auf den Nenner: „Dies war kein Spiel, sondern ein Wettlauf zwischen einem Hasen und einer Schildkröte.“ Ältere Zuschauer fühlten sich an den legendären 5:0-Sieg des „Barça“-Teams mit Johan Cruyff im Jahr 1974 erinnert. Barcelonas Trainer Frank Rijkaard gelang nun etwas, was nicht einmal der große Cruyff geschafft hatte. Er ging in die Fußball-Geschichte ein als erster Coach, der mit den Katalanen zwei Mal im Bernabéu-Stadion gewann.

„Zidane bittet um den Vorruhestand“

Bei Real machte sich Ratlosigkeit breit. Klubchef Florentino Pérez hatte zu Saisonbeginn 90 Millionen Euro in Verstärkungen investiert, um den Rekordmeister nach zwei Jahren ohne Titel auf den Weg des Erfolgs zurückzuführen. Aber nun tat sich zwischen den Katalanen, die keinen Cent für neue Spieler ausgaben, und Real plötzlich ein Klassenunterschied auf. Das Fachblatt „Sport“ konstatierte den „Fall von Florentinopolis“.
Stars wie David Beckham oder der wochenlang verletzte Ronaldo griffen kaum in die Partie ein. „Zinedine Zidane spielte so, als bitte er inständig um eine Vorruhestandsregelung“, spottete „El Mundo“. Nach Ansicht des Blattes stehen die „Königlichen“ so nackt da, wie der Kaiser im berühmten Andersen-Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. „Marca“ lästerte: „Der Flitzer, der vor dem Wiederanpfiff nackt über den Rasen gerannt war, ist mehr gelaufen, als mancher Real-Spieler.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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