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Ballacks WM-Aus Boatengs Tritt, volle Absicht?

18.05.2010 ·  Ein in Deutschland geborener Spieler eines WM-Gegners beendete Michael Ballacks Traum vom Titel in Südafrika. Der Tritt von Kevin-Prince Boateng löst Verschwörungstheorien aus. Dabei hätte es auch andere Diskussionen geben können.

Von Peter Penders
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Der Ausfall von Michael Ballack ist bitter, für ihn und für die gesamte Mannschaft. Genauso bitter ist, dass Bundestrainer Joachim Löw in der von vielen Seiten aufgeheizten Diskussion um das Foul von Kevin-Prince Boateng in London aus guten Gründen um Fairness bitten musste - für dessen Halbbruder Jérome Boateng. Der sei zwar ein Familienmitglied, aber unbeteiligt. „Ich bitte Sie, ihn nicht ins Visier zu nehmen“, sagte Löw am Montag. Er befürchtet, dass die Konzentration seines Verteidigers erheblich gestört werden könnte, wenn der nach seinem Halbbruder befragt wird. Dessen Tritt bietet schließlich Nährboden für Verschwörungstheorien.

Emotionslos betrachtet, handelte es sich um ein Foul, wie es häufiger im Fußball vorkommt - ein fraglos übles Vergehen, bei dem der Foulspielende ohne Rücksicht auf eine mögliche Verletzung des Gegners zur Sache geht. Eine objektive Bewertung über die tatsächliche Schwere eines Fouls ist generell schwierig, denn in der Regel sorgen für diese Einschätzung allein die Folgen des Vorfalls - neben den jeweiligen Sympathien für die direkt Beteiligten.

Das hatte zuletzt der Fall von Franck Ribéry, den der Internationale Sportgerichtshof (Cas) an diesem Montag endgültig sperrte, deutlich gemacht. Während dem FC Bayern nahestehende Personen im Extremfall selbst eine Verwarnung für überflüssig hielten, konnten andere sowohl den Platzverweis im Halbfinale der Champions League nachvollziehen als auch die Sperre von Ribéry für das Finale. Wohl einzig die Tatsache, dass sich Lyons Angreifer Lisandro Lopez bei der Attacke des Franzosen nicht verletzt hatte, ließ den Bayern den Spielraum, vor den Cas zu ziehen. Das nutzte zwar nichts, da seine Sperre bestätigt wurde. Hätte sich Lopez ähnlich schwer wie Ballack verletzt, hätten sich die Bayern gar nicht erst auf den Weg gemacht.

„Dieser Wesenszug gehört zu ihm“

Zwei Fouls, die ähnlich gelagert sind - und doch ganz unterschiedlich bewertet werden. Während Ribéry von den Bayern fast schon als Opfer und nicht als Täter dargestellt wurde, gilt es vielen als erwiesen, dass der zum vorläufigen WM-Aufgebot Ghanas gehörende Boateng in voller Absicht und möglicherweise sogar mit Blick auf die WM und den Gruppengegner Deutschland zutrat. Boateng entschuldigte sich am Montagabend. Es tue ihm leid, das Foul sei keine Absicht gewesen.

Für diesen schlechten Ruf hat Kevin-Prince Boateng mit einer Reihe hässlicher Fouls im Verlauf seiner Karriere zwar einiges getan, aber letztlich gehört auch er nur zu einer Reihe von Spielern, die immer wieder mal über die Stränge schlagen. „Dieser Wesenszug gehört zu ihm, da kann er sich nicht kontrollieren“, sagt Dieter Hoeneß, ehemals Manager von Hertha BSC, der Boateng aus gemeinsamen Zeiten in Berlin kennt. Auch der Heiligenschein, den die Bayern Ribéry verpasst haben, dürfte nicht allzu sehr leuchten: Im vergangenen Jahr holte er sich beispielsweise gegen Schalke eine Gelb-Rote Karte ab, als er mit gestrecktem Bein einen Gegner traf - niemand bezweifelte die Absicht dieser Aktion.

Solche Zwischenfälle werden in der Fußballwelt schnell abgehakt, solange sie eben keine schwerwiegenden Folgen für den Gefoulten haben. Auch über den Tritt, den Torsten Frings im Pokalfinale seinem ehemaligen Nationalmannschaftskollegen Bastian Schweinsteiger mit Anlauf verpasste, wird nicht mehr weiter geredet. Erst ein durchaus möglicher Ausfall Schweinsteigers für die WM hätte diesem Foul den bösartigen Vorsatz gegeben, die nun Boatengs Attacke unterstellt wird. Könnte Ballack spielen und Schweinsteiger nicht, hätte Deutschland ein ganz anderes Diskussionsthema.

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