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Ballack im Interview „Ich störe mich am Wort ,schön' spielen“

12.09.2006 ·  Michael Ballack im F.A.Z.-Interview vor dem Champions-League-Spiel gegen Bremen über seine neue Heimat, den Konkurrenzkampf beim FC Chelsea und seinen Nachfolger bei Bayern München.

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Michael Ballack im F.A.Z.-Interview vor dem Champions-League-Spiel gegen Bremen über seine neue Heimat, den Konkurrenzkampf beim FC Chelsea und seinen Nachfolger bei Bayern München.

Ist der Gewinn der Champions League mit dem FC Chelsea für Sie das wichtigste Ziel in dieser Saison?

Das wäre ein Traum, diesen Titel zu gewinnen. Aber alle kennen natürlich die große Konkurrenz in der Champions League.

Wo wird Ihre Position beim FC Chelsea sein?

Ich habe aufgrund meiner Verletzung erst zwei Spiele in der Premier League gemacht, und das war hinter den Spitzen im Mittelfeld in einer Raute. Aber José Mourinho ändert oft die Formation, in den ersten drei Spielen hat er immer umgestellt. Wir hatten ja auch ein paar verletzte Spieler. Mourinho läßt neben dem 4-4-2 auch das 4-3-3-System spielen, bei dem zwei Mittelfeldspieler auf den Halbpositionen agieren. Lampard kann wie ich sowohl zurückgezogen, aber auch offensiver eingesetzt werden. Wir sind sehr flexibel.

Können Sie nach ein paar Wochen schon einen Vergleich zwischen der Trainingsarbeit beim FC Chelsea und dem FC Bayern ziehen?

Es wird anders trainiert. Ich kann aber jetzt nicht behaupten, daß intensiver trainiert würde. Wir haben zu Saisonbeginn keine Ausdauerläufe wie in München gemacht und nicht soviel Krafttraining.

Das gefällt Ihnen?

Das hat mit gefallen, nichts zu tun. Als Spieler will man fit werden. Ich weiß natürlich über die Jahre, auf welche Weise die verschiedenen Klubs im Fitnessbereich arbeiten. Das Training bei Chelsea ist ballspezifischer und mit kürzeren Intervallen. Man achtet mehr auf die Schnelligkeit. Das Training ist gut. Wir trainieren eineinhalb Stunden pro Trainingseinheit. Es macht mir Spaß, genauso wie beim FC Bayern.

Chelsea ist einer der Favoriten auf den Titel in der Champions League. Ist der Unterschied in der Qualität des Kaders für Sie täglich spürbar?

Ich bin schon ziemlich beeindruckt von der Qualität. Zu Beginn der Saison hatten wir 24 Spieler, dazu zählten aber vier junge Profis. Die sind nun nicht mehr dabei. Wir haben also jetzt einen relativ kleinen Kader, aber der hat es in sich. Fast alle 20 Spieler sind Nationalspieler. Aber wir müssen uns als Mannschaft auch erst noch finden.

Werder Bremen hat also eine gute Chance beim Spiel in Chelsea?

Es wird ein harter Kampf. Die Bremer haben eine gute Mannschaft, das haben sie in der vergangenen Saison in der Champions League gezeigt. Ich hoffe natürlich, daß wir zu Hause mit einem Sieg starten.

Der FC Bayern hat Marc van Bommel verpflichtet, nachdem Hoeneß, Rummenigge und Magath festgestellt haben, daß das Loch, das Sie im Mittelfeld hinterlassen haben, größer ist als vorher gedacht. Überrascht Sie die Erkenntnis der Bayern?

Es ist auf jeden Fall besser, als wenn die Verantwortlichen bei Bayern genau das Gegenteil sagen würden. Ich war zuvor schon überrascht, daß sie gesagt haben, daß sie nach meinem Weggang und dem von Zé Roberto nun besser Fußball spielen werden. Das ist nicht so einfach. Mit dem "schön" spielen ist das ohnehin so eine Sache. Der FC Bayern und auch der FC Chelsea definieren sich über den Erfolg. Der Erwartungsdruck ist hoch und wird immer dasein. Es ist natürlich super, wenn eine Mannschaft "schön" spielt. Aber in erster Linie zählt der Erfolg, das ist auch bei der Nationalmannschaft so. Wenn man erfolgreich spielt, spielt man automatisch gut. Ich störe mich an dem Wort "schön" spielen.

Wer "gut" spielt, gewinnt, wer "schön" spielt, verliert?

Real Madrid zum Beispiel stand jahrelang für offensiven und attraktiven Fußball. Sie haben jetzt Fabio Capello geholt und Spieler wie Cannavaro und Emerson, die alle bei Juventus Turin den italienischen Fußball verinnerlicht haben. Sie werden diese Philosophie wahrscheinlich zu Real Madrid tragen. Die Art, wie Real Madrid in dieser Saison Fußball spielen wird, ändert sich dadurch sicherlich. Denn es geht darum, erfolgreich zu spielen.

Die Fragen stellte Michael Horeni.

Quelle: F.A.Z., 12.09.2006, Nr. 212 / Seite 30
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