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Ball verloren Wiese weint

08.03.2006 ·  Bis zur 87. Minute zeigte Tim Wiese gegen Juventus Turin eine perfekte Partie. Dann verlor der Torwart mit dem Hang zum Spektakulären bei einer unnötigen Rolle den Ball und Werder Bremen das Spiel.

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Nach dem teuersten Fehler der Vereinsgeschichte liefen die Tränen. Blankes Entsetzen breitete sich bei den Bremer Feldspielern aus, als Torwart Tim Wiese bei einer unnötigen Rolle den schon sicher gefangenen Ball verloren und mit dieser Einlage die Fußball-Sensation bei Juventus Turin verhindert hatte.

Und der bis dahin prächtig parierende Keeper, der innerhalb einer Sekunde vom Helden zum Trottel wurde, schlug fassungslos die Hände über dem Kopf zusammen und wischte sich sodann die Tränen aus dem Gesicht. Werders Ausscheiden im Champions-League-Achtelfinale durch das 1:2 am Dienstag abend bei Juventus Turin dürfte den 24jährigen lange verfolgen. Wahrscheinlich wird er sich in mancher schlaflosen Nacht noch einmal vorstellen, wie ihm der Ball zwei Minuten vor dem Ende der Partie aus den Armen kullert, wie Juves Abwehrchef Fabio Cannavaro „Puma, Puma“ schreit, wie der schon zurücklaufende Emerson sich daraufhin umdreht und wie er an den verdutzten Bremern vorbei das 2:1 erzielt.

„Ich wollte im Boden versinken“

An das Geschehen davor, an die Führung durch Johan Micoud (13. Minute) und an den Ausgleich von David Trezeguet (65.), wird er sich hingegen kaum mehr erinnern. Mit teilweise drastischen Ausdrücken versuchte Wiese später in Worte zu fassen, was er ebenso wenig fassen konnte wie zuvor den Ball. „Absolute Scheiße“, sagte der Unglücksrabe eine knappe halbe Stunde nach dem folgenschweren Fehler mit leerem Blick. „Ich wollte im Boden versinken. Das ist Wahnsinn. Daß man so ein Riesenspiel noch kaputtmachen kann.“ Unumwunden gab er zu: „Das war eine ganz dumme Aktion.“

Daß die Millionen-Rolle eine reine Aktion für die Galerie war, mochte er nicht bestätigen. „Ich wollte ein bisschen Zeit schinden“, lautete die Begründung des Keepers. Und auch Trainer Thomas Schaaf sagte: „Tim wollte in der Szene vor dem Gegentor keine Show-Einlage bieten, sondern der Mannschaft auch ein paar Sekunden Verschnaufpause geben.“ Mit versteinerter Mine meinte Schaaf: „Das ist für ihn bitter, aber das ist auch für uns bitter.“

„Das ist eben sein Stil“

Fast alle Spieler versuchten den unglücklichsten Menschen dieser Turiner Nacht zu trösten, als erster nach dem Abpfiff Christian Schulz, später auch der überragende Micoud. Vorwürfe waren nicht zu hören. „Das ist eben sein Stil, der macht ihn auch stark“, sagte Frank Baumann über den Tormann mit dem Hang zum Spektakulären. Und der Kapitän fügte an: „Ich denke nicht, daß er sich da umstellen muß.“

Genau an diesem Punkt aber gingen die Meinungen auseinander. „Daraus muß er lernen“, forderte Manager Klaus Allofs. Dennoch nahm Allofs den Tormann in Schutz. Er verwies auf die beeindruckende Leistung in den 87 Minuten davor. „Er hat vorher eine Weltklasse- Spiel gemacht“, sagte der Manager. „Daß er dann so einen Fehler macht, den man sich nicht erklären kann, das ist umso tragischer.“

„Wir hatten Juve am Rande des Ausscheidens“

„Juve sagt Dank für diesen Torwartfehler“, schrieb die „Corriere della Sera“ am Mittwoch. Und „La Republica“ meinte: „Juve mit Kampf, Glück und einer komischen Kapriole von Wiese weiter.“ Die Bremer haben durch Wieses Aussetzer weitere Einnahmen verspielt. „Die drei Millionen sind mir ziemlich egal“, sagte Allofs. „Das Schlimme ist nur, daß man auf so ungerechte Art und Weise hier rausfliegt. Wir hatten Juve am Rande des Ausscheidens.“

Probleme innerhalb der Mannschaft befürchten Manager und Trainer nicht. „Das wird uns eher noch enger zusammenschweißen“, meinte Schaaf. „Wir gehen da gemeinsam durch. Und wir gehen jetzt mit Vollgas in den Endspurt der Meisterschaft.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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