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Australien-Profi Broich „Das Mozart-Image hat meine Karriere versaut“

28.03.2011 ·  Thomas Broich galt als talentiert, konnte sich in der Bundesliga dennoch nicht durchsetzen. Jetzt spielt er als einziger Deutscher in der australischen A-League. Vor dem Testspiel gegen Australien spricht er im Interview über sein Scheitern und den Fußball in „Down Under“.

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In der vergangenen Woche feierte der Dokumentarfilm „Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen“ in Berlin Premiere. Er zeigt die Karriere des Fußballprofis Thomas Broich. Der galt einst als Riesentalent bei Borussia Mönchengladbach, spielt heute aber im besten Fußballalter in Australien. Dort wurde er kürzlich mit Brisbane Roar Meister.

Vor dem Länderspiel am Mittwoch zwischen Deutschland und Australien spricht der 30 Jahre alte Profi über den Fußball in Down Under, die harte Gangart in der Liga und die Erwartungen der Fans an seinen Landsmann Holger Osieck als Nationaltrainer.

Welche Erinnerungen haben die Australier an die 0:4-Niederlage zum Auftakt der Weltmeisterschaft 2010 gegen Deutschland?

Für den Fußball hier war das Ergebnis extrem schlecht. Als die Australier bei der WM 2006 beinahe die Italiener im Achtelfinale ausgeschaltet hätten, da gab's hier einen regelrechten Fußball-Boom. Das 0:4 gegen Deutschland hingegen war ein ganz herber Dämpfer, danach war die WM für die Australier eigentlich schon gelaufen. Und mit den Folgen hatten wir leider die Saison über zu kämpfen. Die hiesigen Experten sagen, dass die Qualität der Liga so hoch war, wie nie zuvor, aber die Zuschauer blieben aus.

Welches Standing hatten Sie nach der WM als Deutscher in Australien?

Kein Besonderes, man ist halt einer von vielen Ausländern hier im Land. Die Leute sind freundlich und offen, aber es spielt keine Rolle, dass ich aus Deutschland komme. Während der WM war's natürlich schon geil, da war ich für alle hier nur „the German“. Und unsere Jungs haben ja auch echt geil gekickt, die Engländer ganz schön vermöbelt, die Argentinier rausgehauen. Aber das war dann auch ganz schnell wieder vorbei, da kräht heute kein Hahn mehr nach.

Spielen Sie in Australien eigentlich Football oder Soccer?

Es heißt schon Football. Die meisten Australier, die nicht so fußballaffin sind, würden jedoch Soccer sagen. Aber diejenigen, die im Geschäft sind, die legen Wert drauf, es Football zu nennen.

Und wie hoch ist der Stellenwert?

Wir fristen schon ein Schattendasein. Die Sportseiten der Zeitungen sind voll mit Rugby, Cricket oder Pferderennen. Rugby ist selbst in der Saisonpause die klare Nummer eins, und beim „Melbourne Cup“, dem wichtigsten Pferderennen, hält die gesamte Nation den Atem an. Es ist schon erstaunlich, man denkt ja eigentlich, Australien sei so ein bisschen amerikanisch oder europäisch, aber irgendwie ist das doch noch eine andere Welt.

Kein Wunder also, dass Australien mit seiner Bewerbung um die Ausrichtung der Fußball-WM 2022 klar gescheitert ist?

Es war keinesfalls eine Bewerbung auf verlorenem Posten. Die Leute hier sind grundsätzlich total sportbegeistert, und es spielen auch mehr Jugendliche Fußball als Rugby oder Australian Football. Es ist also ein unheimliches Potential da. Aber die einheimische Liga muss halt noch wachsen, und man muss international noch konkurrenzfähiger werden. Gerade dafür wäre eine WM überragend gewesen.

Ist es ein Problem, dass die besten Australier wie Tim Cahill, Harry Kewell oder Mark Schwarzer in Europa spielen und somit weit weg?

Das wird immer so sein. Australien liegt nun einmal am anderen Ende der Welt und hat nicht diese riesige Fußball-Tradition. Das bringt sicherlich Probleme mit sich, allein der Flug nach Deutschland dauert 24 Stunden. Aber selbst die Südamerikaner wollen ja alle nach Europa, dort schlägt irgendwie das Fußballherz und das wird sich auch nicht ändern.

Welche Erwartungen haben die Fans der Socceroos an ihren aus Deutschland stammenden Nationaltrainer Holger Osieck?

Keine besonderen. Es wird von ihm erwartet, dass er die eigene Liga ein bisschen mehr berücksichtigt. Der alte Coach, der Niederländer Pim Verbeek, hatte sein Urteil über die A-League gefällt, das fiel verheerend aus und hat den Australiern nicht gefallen können. Wenn du einen Nationaltrainer hast, der im Grunde sagt, dass die eigene Liga überhaupt nichts taugt, dass es besser ist, die Spieler trainieren in Deutschland, als dass sie hier spielen, dann ist es doch klar, dass du als Verband reagieren musst. Jetzt haben sie mit Osieck einen Trainer, der auch hier leben will, das war auch eine Bedingung. Und der sich die Partien hier anschaut und auch Spieler aus der Liga berücksichtigt.

Wie hoch ist dann das Niveau der A-League?

Das liegt im Vergleich zu Deutschland zwischen zweiter und dritter Liga. Was hier vor allem auffällt: Australien ist ein Rugby-Land. Je härter gecheckt wird, desto größer ist der Jubel - leider zieht sich dies auch durch die Liga. Ich hatte mal einen Gegenspieler, der hat mich 90 Minuten lang nur umgehauen, anschließend bepöbelt und mir nach der Partie sogar den Handschlag verweigert, weil er meinte, ich hätte nur simuliert. Hier gibt's viele Talente, aber die werden nie den Sprung nach Europa schaffen, weil sie hier nicht von den Schiris geschützt und somit kaputtgetreten werden.

Sie hatten in Deutschland den Spitznamen "Mozart" und besaßen ein Klavier. Wie steht es mittlerweile um ihre Musikkünste?

Das Klavier habe ich nicht mit nach Australien genommen, aber meine Gitarre. Und als wir zum Auswärtsspiel in Sydney waren, stand da ein Flügel im Hotel. Da habe ich dann Klavier gespielt, während meine Teamkollegen Karten gezockt haben. Die waren dann auch ziemlich beeindruckt. Wenn man da ein paar Akkorde raushauen kann, ist das für die schon hohe Kunst. Aber jemanden mit Musikverstand hätte mein Klavierspiel nicht berührt. Dieses Mozart-Image hat mir übrigens meine Karriere so ein bisschen versaut. Anfangs hat es mir natürlich geschmeichelt, dass da alle mit dem Mozart und dem Feingeist um die Ecke kamen. Aber irgendwann war ich dann in dieser Schublade drin und habe mir damit selbst keinen Gefallen getan. Und deshalb will ich das auch hinter mir lassen.

Was entgegnen Sie denjenigen, die sagen, dass Sie mit Ihrem Wechsel nach Australien den leichten Weg gegangen sind, anstatt zu versuchen, sich in der Bundesliga durchzubeißen?

Das braucht mich ja nicht wirklich zu kümmern, oder? Ich hatte einfach die Wahl, so weiterzumachen in Deutschland und total frustriert zu sein oder was anderes zu probieren, meinen Auslandstraum zu verwirklichen, auch wenn es "nur" Australien ist. Mir geht es hier gut und das ist die Hauptsache. Es war eine goldrichtige Entscheidung, hierher zu kommen. Ich weiß nur, dass ich mich sauwohl fühle. Sagen wir es mal so, ich bin für den Moment angekommen.

Die Fragen stellte Jack Tarver.

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