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Auslandsfußball Die eigentliche Aufgabe kommt noch

 ·  Meister Partisan Belgrad will an alte europäische Höhenfluge anknüpfen

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Die Kunst des Tiefstapelns, die ihm als Spieler bisweilen abging, beherrscht der Fußball-Lehrer Lothar Matthäus mittlerweile souverän. Während die Profis von Partisan Belgrad nach dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft von Serbien und Montenegro am Mittwoch schon Flaschen für eine standesgemäße Schaumweindusche entkorkten, hielt ihr deutscher Vorgesetzter sie bereits indirekt zur Mäßigung an: Zwar sei der 4:0-Erfolg gegen den FK Vojvodina über 90 Minuten das beste Spiel unter seiner Leitung gewesen, auch habe es sich die Mannschaft jetzt verdient, den Titel etwas zu feiern, sagte der deutsche Rekordnationalspieler. Aber dann fügte er einschränkend hinzu: "Das war erst die Pflicht, jetzt kommt die Kür. Wir wollen uns als erste serbische Mannschaft für die Champions League qualifizieren."

Die Pflicht immerhin hat der Franke in Belgrad fast ohne Punktverlust überstanden. Der Sieg vom Mittwoch brachte ihm als Trainer seinen ersten, dem von ihm in der laufenden Saison übernommenen Klub bereits den 18. Meistertitel ein. Mit 13 Punkten Vorsprung bei vier ausstehenden Spielen ist den Partisanen der Meistertitel auch vom Tabellenzweiten Roter Stern nicht mehr zu nehmen. Einziger Minuspunkt in der Bilanz von Matthäus, der die Mannschaft bereits an der Tabellenspitze übernahm, den Vorsprung nach Dienstantritt durch eine Siegesserie aber noch vergrößern konnte, ist die Niederlage im Rückrundenspiel gegen den direkten Verfolger. Die Begegnungen der beiden einzigen Spitzenmannschaften der Liga, deren Rivalität mit Mailänder oder Münchner Maßstäben gemessen werden kann, sind traditionell Höhepunkte der einheimischen Fußballsaison.

Vor dem Rückrundenderby hatte Matthäus von einem Test für die Champions League gesprochen und einen Erfolg gefordert, weil selbst die Meisterschaft ohne einen solchen Sieg nur die Hälfte wert sei. Doch der Test ging 0:2 verloren, und die Niederlage deutete schon an, wie schwierig der internationale Wettbewerb trotz des nationalen Durchmarsches werden dürfte. Die eigentliche Aufgabe wird die Qualifikation zur Champions League bleiben, denn die Hoffnung der Verantwortlichen bei Partisan ist es, mit dem "Weltfußballer" Matthäus an alte europäische Höhenflüge anzuknüpfen. Der größte internationale Vereinserfolg war eine Niederlage. Doch selbst die wird in absehbarer Zeit kaum zu wiederholen sein: Im europäischen Landesmeisterwettbewerb 1966 verlor Partisan Belgrad erst im Finale gegen Real Madrid. In der vergangenen Saison scheiterte die Mannschaft schon bei der Qualifikation zur Champions League - an Bayern München.

Der ungefährdete Gewinn der Meisterschaft relativiert sich auch angesichts der Durchschnittlichkeit der anderen Klubs in Serbien und Montenegro. Das Rennen um den Landesmeistertitel war in der Saison 2002/03 wieder einmal reduziert auf einen unter interessierter Beteiligung von sechzehn chancenlosen Mitbewerbern ausgespielten Zweikampf zwischen Partisan und Roter Stern. OFK Belgrad, der drittplazierte Klub der Liga, die zur Hälfte aus Mannschaften der serbischen Hauptstadt oder ihren Vororten besteht, liegt vier Spieltage vor Saisonschluß schon mehr als 20 Punkte hinter dem Meister und acht Punkte hinter dessen Verfolger zurück.

Immerhin dürfte die Saison dem fußballerfahrenen Matthäus trotz der sportlichen Eintönigkeit einige neue Erfahrungen gebracht haben - außerhalb des Ligabetriebs. Als nach der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic am 12. März der Ausnahmezustand in Serbien verhängt wurde, betraf das auch die Arbeit des Trainerstars aus Deutschland. Auf Anordnung des Innenministeriums mußten einige Begegnungen in den Tagen unmittelbar nach dem Attentat wegen des angeblich erhöhten Sicherheitsrisikos unter Ausschluß der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Die Geisterspiele konfrontierten Matthäus mit der politischen Unbeständigkeit im Umfeld seines neuen Arbeitsplatzes.

Doch selbst an normalen Spieltagen erinnerten die Kulissen der Liga an die Verhältnismäßigkeit aller innerserbischen Trainererfolge. Nur bei dem Duell gegen den direkten Verfolger bildeten 30 000 Zuschauer wenigstens annähernd einen Rahmen, wie ihn Matthäus aus seinen aktiven Zeiten gewohnt war. Ansonsten war das Zuschaueraufkommen zweit- bis drittklassig. Selbst der vorzeitigen Meisterschaftsfeier in Belgrad sahen gerade einmal 5000 Fans zu. Matthäus beteuert zwar, daß es für ihn nicht entscheidend sei, ob er vor 5000 oder 100 000 Zuschauern arbeite - aber dabei wirkt seine ansonsten geschickte Tiefstapelei wenig überzeugend.

MICHAEL MARTENS

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2003, Nr. 107 / Seite 32
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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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