Home
http://www.faz.net/-gtm-77m55
Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Arsenal-Profi Serge Gnabry „Wunderkind“ auf Bewährung

 ·  Der Aufstieg des jungen deutschen Arsenal-Profis Serge Gnabry schien kometenhaft. Doch er ist an Grenzen gestoßen. Gegen die Bayern gehörte er nicht mal zum Aufgebot von Arsène Wenger.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)
© picture alliance / empics Der Ball, sein Freund: Der deutsche Juniorennationalspieler Serge Gnabry trägt das Trikot von Arsenal

Als er 16 Jahre alt war, wollte ihn einer der berühmtesten Trainer der Welt; mit 17 Jahren spielte er das erste Mal in der englischen Premier League; und wenige Wochen später in der Königsklasse - für Arsenal London gegen Schalke 04. Die Geschichte von Serge Gnabry klingt wie der Traum eines fußballbegeisterten Jugendlichen - seiner ist in Erfüllung gegangen.

Auf der Insel taufte in der Boulevard kurzerhand in das „Next German Wunderkind“. Im Eiltempo in die Elite. Doch nun stößt er an Grenzen - vor dem Champions-League-Spiel der Londoner bei Bayern München (20.45 Uhr live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) steht er nicht mal im Kader.

Eine halbe Million Ausbildungsentschädigung

Arsenal-Coach Arsène Wenger hat ein besonderes Gespür für Ausnahmetalente. Keiner, so heißt es, sei in der Lage, schneller einen hochbegabten Burschen zu einem gestandenen Fußballprofi auszubilden. Für die „einmalige Chance“, mit Wenger zusammenarbeiten zu dürfen, verließ Gnabry im Sommer 2011 seine schwäbische Heimat bei Böblingen und die Nachwuchsabteilung des Bundesligaklubs VfB Stuttgart.

Die Schwaben kassierten fast eine halbe Million Euro Ausbildungsentschädigung. Eine stolze Summe für einen Jugendspieler, doch die Londoner waren sich sicher, es sei eine lohnende Investition. Sie hatten Gnabry beobachtet, seit er 14 war. Er kam in die Jugendakademie der „Gunners“. Vor der Saison 2012/2013 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag - über drei Jahre.

Früher hatte er vor dem Fernseher gesessen - viertel nach Zehn, Sportfernsehen, europäische Topligen im Schnelldurchlauf. Und plötzlich war er mittendrin,  einer, der mit seinen Finten Tausende in den Stadien und Millionen am Fernseher begeistern konnte? Gnabry, kurze schwarze Haare, Schmollmund, brauner Teint, deutsche Mutter, ivorischer Vater, fand das „sehr aufregend“.

Schmerzen im Rücken

Jochen Schneider, Sportdirektor des VfB Stuttgart,  erinnert sich an das große Talent: „In der Jugend war er seinen Gleichaltrigen stets voraus, pfeilschnell, der Ball schien ihm am Fuß zu kleben - ein Ausnahmekönner.“ Doch als er selbst den Eindruck gewann, seine Karriere würde linear nur in eine Richtung verlaufen - steil nach oben - verletzte sich Gnabry auf dem vorläufigen Höhepunkt.

24. Oktober 2012: Emirates Stadium. In der Königsklasse gegen Königsblau. Es lief die Schlussphase, Arsenal lag 0:2 hinten, da brachte Wenger Gnabry ins Spiel. Der junge Deutsche war mit seinen schnellen Antritten sofort einer der auffälligsten Londoner auf dem Platz.

Doch die Aufmerksamkeit sollte schnell nachlassen. Anfang November spürte er Schmerzen in seinem Rücken: Ein Nerv war eingeklemmt, kein Comeback vor Ende Januar - nur eine von vielen Verletzungen in seinem jungen Alter. Seither ist er nicht mehr in die erste Mannschaft der Londoner zurückgekehrt.

Kritiker werfen ihm vor, er würde nicht genug dafür tun, um sich den Status als „Supertalent“ zu verdienen. „Er ist noch lange keiner vom Kaliber eines Marco Reus oder Mario Götze“, sagt sein ehemaliger Trainer bei der deutschen U17-Juniorenauswahl, Stefan Böger. „Leon Goretzka wirbelt in Bochum, Julian Draxler glänzt bei Schalke, Amin Younes überzeugt bei Gladbach. Und wo ist Serge Gnabry?“

Podolski als Vorbild und Ansprechpartner

Er habe noch nie über längere Zeit herausragende Leistungen gezeigt. Gnabry stagniere, weil er in seiner Persönlichkeitsentwicklung zulegen müsse. Er wiege zu viel und müsse mehr auf seine Gesundheit achten, was konditionell nicht ungestraft bliebe. „Einzelne Glanzpunkte genügen nicht“, sagt Böger.

Gnabry weiß um die Kurzlebigkeit des Profigeschäfts, und will sich wieder heranarbeiten - Training für Training. Zwei deutsche Nationalspieler helfen ihm dabei: Lukas Podolski und Per Mertesacker seien seine ersten Ansprechpartner. Nicht nur wegen der Sprache. Podolski ist ein ähnlicher Spielertyp - einer, der explosiv mit Wucht zum Tor zieht.

Um sich voll und ganz auf den Verein konzentrierten zu können, hat Gnabry zuletzt Einladungen zu Lehrgängen der Junioren-Nationalmannschaften ausgeschlagen, sagt er. Böger sagt, wenn Gnabry nicht topfit sei, könne auf ihn verzichtet werden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Umfrage

Wie halten Sie es mit dem Confed-Cup?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Umfrage

Wer war Ihr Spieler der Rückrunde?

3171 Stimmen wurden abgegeben.

45%
Franck Ribéry
25%
Robert Lewandowski
25%
Bastian Schweinsteiger
5%
Mario Götze
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen
Umfrage

Wer war der beste Torwart der Rückrunde?

2338 Stimmen wurden abgegeben.

26%
Manuel Neuer (München)
12%
René Adler (Hamburg)
49%
Roman Weidenfeller (Dortmund)
10%
Kevin Trapp (Frankfurt)
3%
Marc-André ter Stegen (M’gladbach)
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen

Mit Tiger im Fischglas

Von Wolfgang Scheffler

Lindsey Vonn bringt Tiger Woods kein Glück - zumindest nicht auf den Greens. Als Twitter-Begleiterin unterhält sie immerhin ihre Follower - und wundert sich über die eigenen Verfolger mit Kamera. Mehr 1