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Arsenal FC Edelhelfer Thierry Henry

03.01.2012 ·  Leihkraft Thierry Henry will bei Arsenal noch einmal seinen guten Ruf aufleben lassen. Trainer Arsene Wenger hofft auf Inspiration durch den Edelhelfer. Das haben die Londoner bitter nötig.

Von Christian Eichler, London
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© AFP Am Samstag noch Fan, bald Edelhelfer: Thierry Henry ist wieder bei Arsenal

An Silvester suchte Thierry Henry den Verein auf, mit dem er seine besten Tage erlebt hat. Vor dem Stadion des FC Arsenal ist ihm vor kurzem eine Statue errichtet worden. Ob es eine gute Idee ist, vom Denkmal wieder hinabzusteigen auf den Rasen? Das wird Henry Ende Februar wissen, wenn er nach New York zurückkehren wird.

Bis dahin bestreitet der beste Torschütze in der Geschichte des FC Arsenal und beste Ausländer in der Historie der Premier League ein Comeback, das höchstens acht Wochen dauern wird, von Fans aber schon jetzt mit großer Vorfreude erwartet wird. Kann Henry diese Erwartungen erfüllen, mit 34 Jahren, fast fünf Jahre nach seinem Weggang? Und: Braucht Arsenal ihn wirklich?

Als Zuschauer beim Spiel gegen die Queens Park Rangers am Samstag konnte Henry sehen, dass er zumindest als Torlieferant einen würdigen Nachfolger erhalten hat. Robin van Persie nahm ihm mit dem 1:0-Siegtor einen Vereinsrekord ab. Es war das 35. Liga-Tor des Niederländers im Jahr 2011, eins mehr als die Bestmarke des Franzosen. Diese stammte aus 2004. Eine schillernde Zahl für Arsenal-Fans - das Jahr des letzten Meistertitels, gewonnen durch die legendären „Invincibles“; das Jahr, in dem Henry der beste Spieler der Welt war.

Das ist er lang nicht mehr. Kann er noch eine Hilfe sein? Die hätte Arsenal bitter nötig, wie die 1:2-Niederlage am Montag in letzter Minute beim FC Fulham bewies. Trainer Arsène Wenger bittet Fans und Medien, nicht zu erwarten, dass Henry noch der alte sei. Aber dass er noch gut in Schuss ist, sah Wenger schon am 17. November, als der Altstar bei Arsenal eintraf, um sich während der Pause der amerikanischen Liga im Kreise alter Freunde fit zu halten.

Henry soll Lücken stopfen

„Man findet sonst auf diesem Planeten nicht Fußballer von dieser Qualität, die kurzfristig verfügbar sind“, fand Wenger - und einigte sich mit Red Bull New York auf ein Leihgeschäft. Mit der Kurzzeit-Verpflichtung will er die Lücke schließen, die sich durch die Abstellung der Angreifer Gervinho und Chamakh zum Afrika-Cup von nächster Woche an auftut. Bis dahin soll Henry fit sein, am Montagabend bei der Niederlage in Fulham kam er noch nicht zum Einsatz, weil noch nicht alle Formalitäten erledigt waren.

Für Wenger ist es „kein emotionaler Schritt, sondern ein rein pragmatischer". Henry ist als Einwechselspieler vorgesehen, der in engen Spielen in der zweiten Halbzeit den Gegner beschäftigt und Mitspieler beflügelt. Dabei dürfte von Henry, seinem Namen, seiner Präsenz, seinem Charisma, aber mindestens ebenso sehr eine spirituelle wie eine sportliche Wirkung ausgehen - was den gleichen Nutzwert haben kann.

Der Deal berge „null Risiko“, beteuert Wenger, der Henry als 17-Jährigen bei AS Monaco entdeckt und später bei Arsenal zu einem der elegantesten Mittelstürmer der Fußballgeschichte gemacht hatte. Doch auch ein technisch so brillanter Angreifer wie Henry ist abhängig von der Spritzigkeit seiner Muskulatur. Es gab nur wenige Stürmer, die in der Premier League noch jenseits der 30 glänzen konnten. Und wenn, dann eher wuchtige Typen wie Didier Drogba oder kleine Schleicher wie Henrik Larsson, der mit 35 Jahren ein erfolgreiches sechswöchiges Intermezzo bei Manchester United erlebte.

Beste Tage sind Vergangenheit

Henrys beste Tage liegen lang zurück - und alle hatte er bei Arsenal, bei Wenger, mit dem ihn gegenseitige Bewunderung verbindet. Nach dem Wechsel zum FC Barcelona 2007 blieb er unter Frank Rijkaard zumeist eine Randfigur am linken Flügel. Unter dessen Nachfolger Pep Guardiola fand er sich immer öfter auf der Ersatzbank wieder. Auch nachdem er 2010 in die amerikanische Liga wechselte, deren Qualität nicht annähernd vergleichbar ist mit Spanien oder England, fand er nie zur alten Wirkung zurück.

Zugleich musste er sehen, wie sein Ruf als tadelloser Sportsmann, den er über viele Jahre genossen hatte, durch zwei Darbietungen mit Frankreichs Nationalteam abstürzte - sein Handspiel gegen Irland 2009, das die WM-Teilnahme sicherte, und dann der blamable und schäbige WM-Auftritt einer „Equipe Tricolore“, deren Kapitän Henry hieß.

Henry, der Edelhelfer

Um Titel kann es Henry nicht mehr gehen, er ist in dieser Hinsicht, trotz aller Erfolge von Xavi, Iniesta und deren Kollegen in Barcelona, der erfolgreichste aktive Fußballer der Welt: Weltmeister, WM-Zweiter, Europameister, Meister in drei Ländern, Champions-League-Sieger, viermal Torschützenkönig in England, dreimal Fußballer des Jahres in England, fünfmal in Frankreich. Es geht nun um anderes: darum, das alte, gute Image wiederauferstehen zu lassen; und um das gute alte Gefühl, am richtigen Ort zu sein.

Und wo ginge das besser als dort, wo er immer noch bedingungslos verehrt wird? „Er ist hier, um zu helfen“, sagt Wenger, „nicht, um die Hauptrolle zu spielen.“ Doch wird es sich kaum vermeiden lassen, dass der Altstar von den Fans für acht Wochen ebendiese Hauptrolle erhalten wird - erst recht, wenn er im letzten Spiel, am 26. Februar, ihre Hoffnungen erfüllen sollte. Dann trifft Arsenal auf Tottenham. Es ist das Derby von Nord-London, das hitzigste in ganz England - das Spiel des Jahres für alle Anhänger der „Gunners“ und der „Spurs“. Es könnte das letzte große Spiel des großen Henry werden.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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