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Arjen Robben Der Giftige auf dem Flügel

 ·  Bayerns Stürmerstar Arjen Robben hat mit Borussia Dortmund noch eine Rechnung offen: Beim Ligaspiel patzte er gleich drei mal und erleichterte dem BVB den Weg zur Meistersschaft.

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© AFP Oft unzufrieden: der giftige Arjen

Wenn Arjen Robben auftritt, kommt gern ein wenig Gift ins Spiel. Manchmal auch bei den eigenen Kollegen. Das trug dem Niederländer vor kurzem aus der Hand des ruppigen Rosenkavaliers Franck Ribéry ein buntes Veilchen ein. Drei Wochen später geht es nun um andere Blumen, wie schon der frühere Chef-Florist Louis van Gaal wusste: um „Tod oder Gladiolen“. Es sind jene Spiele, die über Wohl und Wehe der Saison entscheiden. Im ersten davon treffen die Bayern und ihr Flügelstar auf ein Team, das keine Blumen im Gepäck haben wird. Sondern etwas ganz anderes: ein Gegengift zu Robben.

Gegen Borussia Dortmund, an diesem Samstag Gegner im großen Endspiel um den DFB-Pokal, haben die Bayern ihre letzten vier Spiele verloren. Und Robben war der größte Verlierer. Der Weltstar, der die Bundesliga von seinem ersten Auftritt im September 2009 an, einem 3:0 gegen Wolfsburg, im Sturm zu nehmen schien mit seinen Soli und Schüssen, der mit den Bayern gleich das Double gewann, sie ins Finale der Champions League schoss und „Fußballer des Jahres“ in Deutschland wurde - dieser Robben hat seit Ende der furiosen Debüt-Spielzeit mit den Bayern keinen Titel mehr gewonnen. Und das vor allem, weil er in den Duellen mit dem neuen Rivalen kaum ein Bein auf die Erde bekam.

Bei ihren beiden Siegen in München im Jahr 2011, dem 3:1 im Februar und dem 1:0 im November, schafften die Dortmunder, was keinem zuvor in der Liga gelungen war: Robben davon abzuhalten, auch nur ein einziges Mal aufs Tor zu schießen. Als sie es dann, vor einem Monat beim 1:0-Sieg in Dortmund, in der 90. Minute nicht mehr verhindern konnten, weil man laut Regelwerk Elfmeterschützen nicht decken darf, löste Torwart Roman Weidenfeller das Problem.

Es war ein Spiel wie ein Albtraum für ein großes Ego. Zuvor hatte Robben Lewandowskis Abseitsstellung beim Siegtor durch zu zögerliches Vorrücken von der Torlinie aufgehoben. In der Nachspielzeit setzte er einen Abpraller aus kurzer Entfernung über die Latte. All das sei abgehakt, behauptet Robben: „Wir müssen immer weitergehen.“ Er werde sich auch nicht davor drücken, wieder einen Elfmeter zu schießen, wie er es zwei Wochen später beim Triumph in Madrid tat: „Dort habe ich schon gezeigt, dass ich wieder Verantwortung übernehme.“

Mental wie muskulär sensibel

Trotz des Veilchens und anderer Stimmungsschwankungen im Binnenverhältnis des Teams hat sich Robben entschieden, in München seinen Vertrag bis 2015 zu verlängern. Die Bayern bleiben damit ihrer Linie treu, Spieler, von denen sie überzeugt sind, auch gegen Widerstände zu halten. Sie gehen aber ein Risiko ein. Robben ist in ihrem Kader der störanfälligste Spieler - mental wie muskulär äußerst sensibel, so beleidigungs- wie verletzungsanfällig. Wirklich weitergeholfen hat er den Bayern bisher nur in einer von drei Spielzeiten.

Noch bleiben zwei Chancen, das zumindest für diese Saison noch ein wenig zu ändern. Die erste hieße, den Dortmund-Komplex abzulegen. Während der trickreichere Ribéry sich auch einer Doppeldeckung oft zu entziehen vermag, wirkte Robben gegen die bissigen Borussen zuletzt meist hilflos. Diese verstehen es nicht nur, seine Vorstöße zum Tor zu verhindern, sondern auch die Durchbrüche am Flügel. In den letzten drei Partien gegen den BVB schlug Robben keine einzige Flanke, und beim 0:1 im April spielte er zwölf Fehlpässe, die meisten aller Akteure. Der „Kicker“ wertete ihn in jedem der letzten drei Spiele gegen den Meister mit der Schulnote fünf.

Borussia kennt das Gegengift zu Robben

Gegenüber dem Fachmagazin erklärte BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer den Plan gegen Robben, den er gemeinsam mit seinem Vordermann Kevin Großkreutz und den beiden „Sechsern“, den defensiven Mittelfeldspielern, ausgestaltet: „Wir wissen, was wir zu tun haben, wenn der Ball auf unsere Seite kommt. Wenn Robben nach außen zieht, versuche ich das zu regeln. Geht er nach innen, sind Kevin und der ballnahe Sechser da.“

Schmelzer gehört zum vorläufigen deutschen EM-Aufgebot, aus dem noch vier Spieler gestrichen werden. Das Finale in Berlin bietet ihm die Chance, sich bei Bundestrainer Joachim Löw für den endgültigen 23er-Kader mit der abermaligen Neutralisierung Robbens zu empfehlen - denn genau diese Aufgabe muss am 13. Juni im EM-Spiel gegen die Niederlande schon wieder erledigt werden. Schmelzer kennt die Robben-Routine: „Sobald er den Ball hat, wird er von zwei, drei Spielern attackiert. Wichtig ist, nicht nur den Laufweg, sondern auch die Passwege zuzustellen.“ Löw wird gespannt sein, ob es noch wirkt, das Gegengift für Arjen Robben.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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