09.05.2006 · „Aus Liebe zum Spiel“ will Bundesligasender Arena „Fußball für alle“ zeigen und auch seine Konferenz-Reporter in die Stadien schicken. „Die waren bei Premiere in einem Keller in Ismaning“, sagt Chefredakteur Schmitt-Fleckenstein.
Von Roland ZornStrahlender Sonnenschein, blauer Himmel über Köln. Ein Tag der Fernsicht, kein Tag zum Fernsehen. Entspannt steht Albrecht Schmitt-Fleckenstein am geöffneten Fenster eines Bürohauses im Kölner Stadtteil Braunsfeld und läßt es sich für den luftigen Augenblick gutgehen. Doch die Idylle in diesem Industrie- und Geschäftsviertel täuscht. Schmitt-Fleckenstein ist nicht zum Vergnügen in das Haus in der Josef-Lammerting-Allee 12 gekommen. Der Chefredakteur des kommenden Fußball-Bundesligasenders Arena hat keine Zeit zu verschenken.
In drei Monaten, am 11. August genau, geht die neue Saison los, und bis dahin ist für den früheren Sportchef von Sat.1 und seine Kollegen und Aufbauhelfer bei diesem neuen Unternehmen noch eine Menge zu tun. Deswegen mutet Schmitt-Fleckenstein noch lange nicht gestreßt oder gar genervt an. Dem 45 Jahre alten Fernsehprofi ist eher die Vorfreude auf ein neues Abenteuer anzusehen. "Wir wollen", sagt er, "mit einem tollen Programm am 11. August auf Sendung gehen."
Komplette Fußballsendung nicht aus dem Keller
An diesem Programm wird vor allem in Unterföhring bei München, von wo aus gesendet wird, und in Köln-Braunsfeld, wo Arena, eine hundertprozentige Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media, ihr strategisches Hauptquartier hat, fleißig gearbeitet. Daß in der Josef-Lammerting-Allee eine Firma daheim ist, deren Geldgeber für den Erwerb der Bundesliga-Bezahlfernsehrechte von 2006 bis 2009 pro Jahr rund zweihundert Millionen Euro lockermachen, merkt kein Mensch. Arena hat sich dort derart unauffällig eingenistet, daß der Gast sogar suchen muß, ehe er den Klingelknopf an einer Seitenwand des hellen Gebäudes findet.
Im Bürotrakt des ersten Stocks geht es unter den rund zwanzig Mitarbeitern, die vor ihren Computern hocken, ruhig und unaufgeregt zu, während Schmitt-Fleckenstein in groben Zügen seine Pläne aus der kommenden Bundesliga-Bilderbuchperspektive erläutert. Der Sender, der den jahrelang unangreifbar anmutenden Pay-TV-Monopolisten Premiere auf dem wichtigsten Spielfeld Bundesliga ablöst, strebt mit einer Redaktionsmannschaft von achtzig bis hundert Kollegen nach einer, wie der Chefredakteur hervorhebt, "kompletten Fußballsendung".
„Aus Liebe zum Spiel“
Das heißt: Anders als Premiere wird es vor jeder der 612 live übertragenen Bundesliga-Begegnungen einen redaktionellen Vorlauf geben; dazu werden nicht nur die Moderatoren und Kommentatoren der einzelnen Spiele in den Stadien sein, sondern auch die Reporter der schon bei Premiere besonders häufig genutzten Konferenz. "Die waren bei Premiere in einem Keller in Ismaning", sagt Schmitt-Fleckenstein, "wir sind sicher, daß Konferenzreportagen aus den Stadien wesentlich dynamischer und näher am Spiel sind."
"Wo man bei Premiere auch eine gewisse Distanz zum Zuschauer bemerken konnte, wollen wir das genau umdrehen", sagt der Geschäftsführer Dejan Jocic, "und das mit einer sehr hohen Produktionsqualität und deutlich mehr Kamerapositionen als bisher." Näher am Spiel - das ist eine der Absichten, die Arena in die Tat umzusetzen versucht. Schließlich wirbt der Sender mit der Losung "Aus Liebe zum Spiel" um seine Kundschaft.
Viele Leute, kleine Beträge, große Summe
Die soll möglichst schnell und zahlreich von den Angeboten des Pay-TV-Senders Gebrauch machen, auf daß eintrete, was Christoph Bellmer, der Geschäftsführer Technik/Vertrieb, verheißt: "Wir werden mit unserem Programm Geld verdienen und alles dafür tun, über die drei Vertragsjahre hinauszugehen." Im Moment aber installiert Arena erst einmal eine Infrastruktur, um einen eigenen Abonnentenstamm zu bilden. Outsourcing ist ein Stichwort - so ist der Kundenservice (Call-Center) an den Bertelsmann-Dienstleister Arvato ausgelagert worden, wird die Abrechnung und Informationstechnik vom Arvato-Konkurrenten Convergys übernommen.
3,5 Millionen Abonnenten hat Premiere mit seiner Programmpalette zwischen Spielfilmen, Dokumentationen und vor allem Sportübertragungen über die Jahre akquiriert. Arena hofft dagegen auf einen durchschlagenden Erfolg seiner Preispolitik, die auf der Basis einer monatlichen Zahlung von 14,90 Euro beruht. Wer in Nordrhein-Westfalen und Hessen zur Kabelklientel der Unity-Media-Firmen Ish und Iesy gehört, kann sogar bis Ende Mai zwei Jahre Arena per Internet für 9,90 Euro buchen. Für die Haushalte, die über Satellit Arena empfangen, werden, bei Vertragsabschluß über zwei Jahre bis zum 31. Mai die fälligen neuen Decoder kostenlos gestellt. "Wenn viele Leute kleine Beträge zahlen, kommt am Ende eine große Summe heraus", lautet Bellmers Hochrechnung. Außer auf seine Abonnenten setzt der Arena-Geschäftsführer auf Sponsoren und Werbeeinnahmen. Es ist für Arena gewiß kein ökonomisches Handicap, daß das Mutterhaus Unity Media mit seinen britisch-amerikanischen Private-Equity-Investoren für die nicht gerade geringen Anlaufkosten geradesteht.
„Fußball für alle“
Die finanzielle Sicherheit ist das eine, die sichere Erwartung, am Ende nicht doch noch von Premiere an den Bundesliga-Schauplätzen elementar herausgefordert zu werden, das andere substantielle Stück Zuversicht, das bei Arena die Vorbereitung auf den Tag X bestimmt. "Ich kann mir einen großen Konflikt nicht vorstellen", sagt Bellmer zu der schwelenden Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der Deutschen Telekom darüber, wie weit die Internetfernsehrechte (IPTV) des Bonner Telekommunikationskonzerns reichen. Wenn die Telekom, die fünfzig Millionen Euro per annum für ihre Bundesligarechte bezahlt hat, mit Premiere als Sendelizenzinhaber paktierte, so lautet die Erwartung, dann aber nicht, um mit Arena als verkappter zweiter Pay-TV-Anbieter per Satellit flächendeckend zu konkurrieren.
Schließlich sind sie bei Arena auch hoffnungsfroh, den größten deutschen Kabelbetreiber, Kabel Deutschland, mit ins Bundesligaboot holen zu können. "Wir sind im Gespräch, es gibt starke gemeinsame Interessen", sagt Bellmer, "wir brauchen die, und die brauchen uns." Insider wollen wissen, daß bei Kabel Deutschland schon Decoder für den Fall der Fälle geordert sind. Mag sein, daß Kabel Deutschland zunächst abwartet, wie und ob sich DFL und Telekom einigen können. Wäre Kabel Deutschland ein Dauergast in der Arena, käme sicher noch EQT, früher Kabel Baden-Württemberg, hinzu. Arena kann derzeit über Satellit dank der Verträge mit den Firmen Astra und ORS sechzehn Millionen und über Kabel 5,1 Millionen Haushalte erreichen - und erfüllt damit die Mindestanforderung der DFL, vierzig Prozent aller deutschen Fernsehhaushalte zu bedenken, locker.
Geschichte des Spieltags erzählen
Arena kann mit mehr Exklusivität als zuvor Premiere seine Dreijahresreise durch die Stadien der Ersten und Zweiten Bundesliga antreten. Vom wiedereingeführten Freitagabendtermin der Bundesliga um 20 Uhr gibt es frühestens in der ARD-"Sportschau" am Samstag von 18.30 Uhr an Bilder im Free-TV zu sehen; die zwei Sonntagsspiele um 17 Uhr werden erst von 22 Uhr an frei empfangbar beim Deutschen Sport-Fernsehen in Zusammenfassung ausgestrahlt.
"Wir wollen", lautet Schmitt-Fleckensteins programmatische Vorgabe, "den Fußball wieder erden, näher ran ans Spielfeld und an die Atmosphäre in den Arenen." Premiere habe sich, heißt es bei Arena, konzeptionell eher an "das gehobene Bürgertum" gewandt. "Fußball für alle" wollen sie bei Arena bieten und die Anhänger aller Erst- und Zweitligaklubs auf ihre Seite ziehen - auch in der Zusammenfassung aller Spiele, die samstags wie bei Premiere zwischen 17.30 und 18.30 Uhr den Live-Übertragungen folgt und anders als bisher aus dem Studio kommt. Die Vorgabe Schmitt-Fleckensteins lautet: "Jeder Spieltag hat seine eigene Geschichte. Die wollen wir erzählen."
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |