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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Apoel Nikosia Athletischer Fußballklub mit Ailton und Kaka

 ·  Apoel Nikosia ist das Überraschungsteam der Champions-League-Saison: Die Zyprer zieht es am Mittwoch (20.45 Uhr) gegen Lyon ins Champions-League-Viertelfinale

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© AFP Jagdszenen: Drei Apoel-Spieler im Hinspiel gegen Lyons Lisandro Lopez

Das europäische Fußballwunder der Saison 2011/2012 heißt Apoel Nikosia. Der athletische Fußballklub der Griechen Nikosias, dafür steht die Abkürzung, hat an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker) die Chance, ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen. Die Hinspiel-Niederlage bei Olympique Lyon hielt sich mit 0:1 in engen Grenzen, bei der Heimstärke der Zyprer ist es nicht ausgeschlossen, dass es für ein Weiterkommen reicht.

In der Gruppenphase legten die beiden 2:1-Heimsiege der Mannschaft von Trainer Ivan Jovanovic gegen den FC Porto und Zenit St. Petersburg die Grundlage für das Erreichen des Achtelfinales - und das als Gruppenerster. Natürlich war dies zuvor noch keinem Klub von der kleinen geteilten Mittelmeerinsel gelungen. Das einzige Mal, dass Zypern im internationalen Vereinsfußball auf sich aufmerksam machte, war 1964. Damals verlor Apoel gegen Sporting Lissabon 1:16, die bis heute höchste Niederlage in einem Europapokalwettbewerb.

Nicht nur der mit 13 Millionen Euro vergleichsweise winzige Etat macht den sportlichen Erfolg zur Sensation, auch die anderen Daten: Kein Team in der Gruppenphase der Champions League ließ mehr Torchancen zu als Apoel (43), kein Team schoss seltener auf das gegnerische Tor (38 Mal), keines erhielt so viele Gelbe Karten (19). Aber wer wollte schon ein spielerisches Feuerwerk erwarten von einem Außenseiter? Apoel Nikosia wirft seinen fast schon fanatischen Kampfgeist in die Waagschale und ist damit weiter gekommen als Manchester United, Manchester City, Borussia Dortmund oder der FC Porto.

Der falsche Kaka und der falsche Ailton

Im Kader stehen bekannte Namen. Torjäger Ailton zum Beispiel und im Mittelfeld zieht Kaka seine Kreise. Doch wie schon der Fußball-Laie angesichts des geringen Marktwertes des gesamten Personalbestandes von Apoel ahnt, handelt es sich dabei nicht um die Originale. Kaka spielte nie für Real, aber für Hertha BSC, Ailton war nie in Bremen und nie im Dschungelcamp, dafür beim FC Kopenhagen. Stars gibt es nicht bei Apoel, der bosnische Nationalspieler Sanel Jahic (29) und Ivan Trickovski (24), der für Mazedonien 14 Mal spielte, sind noch die bekanntesten Profis.

Vor drei Jahren begann die zweite Amtszeit des Serben Jovanovic in Nikosia und sein großes Verdienst ist seine Umtriebigkeit auf dem Transfermarkt. Er lotste von größeren Klubs übersehene Brasilianer und Portugiesen nach Zypern. Nicht die ganz großen Einzelkönner, aber am Ball gut ausgebildet und vor allem vom Willen beseelt, sich dem engen taktischen Korsett des Trainers zu unterwerfen. Jovanovics System ist leicht zu beschreiben: Kompakt verteidigen, viel laufen, blitzartig umschalten und schnell kontern.

Damit hat Apoel in der Champions League prominente Gegner überrascht. Außer Porto, St. Petersburg und Schachtjor Doneszk in der Gruppenphase setzten sich die Zyprer in der Qualifikation auch noch über Wisla Krakau und Slovan Bratislava hinweg. In der zyprischen Meisterschaft belegt Apoel allerdings nur Rang drei.

Mehr als ein Fußballverein

Mit den Prämien, welche die Mannschaft in dieser Saison schon in der Königsklasse eingespielt hat, erwarten die zyprischen Fußballexperten auf die nächsten Jahre eine nationale Dominanz des 21-maligen Meisters, bei dem Profis aus acht Nationen unter Vertrag stehen. Aus Zypern stammen nur wenige Spieler, in die Startelf schafft es außer Mannschaftskapitän Constantinos Charalambidis kaum mal einer. Aus dem türkischen Teil der Insel oder gar vom türkischen Festland kommt kein Spieler.

Denn Apoel ist nicht nur ein Fußballverein, sondern auch eine politische Institution. Der 1926 gegründete Klub stellte sich im griechischen Bürgerkrieg auf die Seite der rechten Kräfte, strebte eine Wiedervereinigung mit Griechenland an. Daraufhin spalteten sich die Sympathisanten mit der Linken vom Verein ab und gründeten den Klub Omonia Nikosia, der immer noch der größte Rivale von Apoel ist. Wenn es zum Derby kommt, geht es zur Sache, links gegen rechts, und das läuft nicht immer friedlich ab.

Apoels Fans gelten bis heute als panhellenisch-nationalistisch, die griechische Flagge dominiert die Kurve - und immer wieder tauchen Hakenkreuze und andere Nazi-Symbole auf. Sport und Politik liegen stets eng beisammen, das war auch so, als türkische Truppen 1974 den Norden Zyperns besetzten. Viele der Apoel-Mitglieder sollen im Widerstand aktiv gewesen sein. Als die Auslosung 1986 Apoel im Europapokal auf Besiktas Istanbul treffen ließ, weigerten sich die Zyprer anzutreten, woraufhin die Uefa sie ausschloss.

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