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Antikorruption Die Fifa auf Kurs bringen

30.11.2011 ·  Antikorruptionsexperte Mark Pieth formuliert als Vorsitzender einer neuen unabhängigen Fifa-Kommission seine Ziele. Aber es gibt nicht nur optimistisch stimmende Signale. Denn Pieth ist ein Mann für die Zukunft.

Von Peter Heß, Zürich
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© dpa „Es muss daran gedacht werden, dass es weniger Überlappungen in den verschiedenen Fifa-Kommissionen gibt“: Mark Pieth

Vielleicht hat Mark Pieth schon eine Kleinigkeit bewirkt. Als der Basler Strafrechtsprofessor und Antikorruptionsexperte am Mittwoch als Vorsitzender der neuen unabhängigen Kommission des internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) für eine gute Verwaltung (Good Governance) in der Verbandszentrale vorgestellt wurde, da überließ ihm doch tatsächlich Fifa-Präsident Joseph Blatter den Platz in der Mitte. Und nicht nur das, der Schweizer vertauschte auch noch eigenhändig die Namensschilder.

Aber es gab an diesem Tag nicht nur optimistisch stimmende Signale, dass es der Fifa ernst damit ist, ein transparenter Verband zu werden, in dem Korruption und Vetternwirtschaft bekämpft und Strukturen geschaffen werden, die Misswirtschaft und Mauscheleien erschweren.

Denn der renommierte Professor Pieth, der unter anderem seit 21 Jahren eine Arbeitsgruppe der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Bekämpfung von internationaler Korruption leitet, ist von der Fifa nicht als der große Aufräumer verpflichtet worden.

Der Strafrechtsprofessor ermittelt nicht, ob es zum Beispiel bei der WM-Vergabe für 2018 und 2022 zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, ob Fifa-Funktionäre angeklagt werden sollten oder die WM-Bewerbungsverfahren wiederholt werden müssten. Pieth ist für die Zukunft da. „Man kann mich mit einem Coach vergleichen, der einen Sportler wieder fit macht, oder mit einem Wirtschaftprüfer, der ein Unternehmen wieder auf Kurs bringt.“

„Die Fifa ist wie ein kleiner Staat“

Seit dem Sommer hat sich der Basler die Fifa genau angeschaut, Fehlentwicklungen festgehalten und mögliche Verbesserungen festgeschrieben. Schwerpunkte sind: Klare Kontrolle der Finanzen, Kontrolle der Vergabe von Sportereignissen und Fernseh- sowie Marketingrechten.

Der Konflikt für Funktionäre zwischen ihren persönlichen Interessen, denen ihres Nationalverbandes, denen ihres Erdteilverbandes und denen der Fifa. Dies mache es nötig, Richtlinien für integres Verhalten zu erstellen. „Die Fifa ist wie ein kleiner Staat mit internationalen Beziehungen. Die Strukturen sind zum Teil aber noch die eines Gentleman-Klubs vor 30 Jahren“, formuliert es Pieth.

Konkrete Vorschläge veröffentlichte er noch nicht, aber die Ziele: „Es muss daran gedacht werden, dass es weniger Überlappungen in den verschiedenen Fifa-Kommissionen gibt. Auch eine zeitliche Begrenzung der Mandate wäre wünschenswert. Und es muss möglich sein, Funktionäre, gegen die Strafverfahren laufen, aus Gremien fernzuhalten.“

Pieth steht der neuen unabhängigen Kommission für Good Governance vor, die Besetzung des Gremiums wird am 17. Dezember bei der Außerordentlichen Sitzung des Exekutivkomitees in Tokio bekannt gegeben. Was die Kommission erarbeiten wird, muss noch lange nicht umgesetzt werden. Entscheidungsgewalt hat der Fifa-Kongress und das Exekutivkomitee.

Pieth sagt deshalb: „Wenn ich unglücklich bin, dann höre ich auf.“ Er sei unabhängig. Das sehen andere anders. Denn Pieth wird für seine Tätigkeit von der Fifa bezahlt. Der Schweizer sieht darin nichts, was beanstandet werden könnte: „Von keinem externen Wirtschaftsprüfer würde man verlangen, kostenlos zu arbeiten, um seine Unabhängigkeit vom Unternehmen zu beweisen.“

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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