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Ante Rebic : Der Unzähmbare

Zuweilen uneinsichtig: Ante Rebic versteht manche Schiedsrichterentscheidung nicht, die Unparteiischen verstehen ihn nicht. Bild: Jan Huebner

Ante Rebic leistet sich die zehnte Gelbe Karte und wird zum zweiten Mal in dieser Saison gesperrt. Der Sinkflug in der Tabelle macht der Eintracht auch wirtschaftlich zu schaffen.

          Wenn es nur so einfach wäre umzusetzen, wozu Fredi Bobic rät. Der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht hatte vor einer Woche ein Erfolgsgeheimnis preisgegeben. Man dürfe sich nicht nach den Resultaten des vergangenen Wochenendes richten, wenn es gelte, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Aber manchmal ist der letzte Eindruck schon ziemlich nachhaltig. Im Fall von Ante Rebic ganz bestimmt. Der kroatische Nationalspieler schaffte es nach seiner Einwechslung in der 79. Minute, innerhalb weniger Minuten drei Fouls zu begehen und bei der 2:4-Niederlage in Mainz die Gelbe Karte vom Schiedsrichter vorgehalten zu bekommen. Jubiläum. Es war die zehnte! Damit ist der Kroate zum zweiten Mal in dieser Saison gesperrt. Für das letzte Bundesligaspiel fällt er aus, ob er im Pokalfinale gegen Dortmund in der Startelf stehen wird, ist offen. Sportdirektor Bruno Hübner sagte in Mainz: „Rebic hat sich nicht empfohlen.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Trainer Niko Kovac äußerte sich noch nicht eindeutig zu diesem Fall, tendenziell ist er aber auf der Seite seines Spielers. „Ich höre immer zu aggressives Spiel, zu aggressives Angreifen. Was ist das? Will man, dass zum Gegner nur noch hin getrabt oder hin gegangen wird?“ Rebic beschwert sich gerne über die Schiedsrichter, die ihn nicht verstehen. „Sie pfeifen viel zu viel ab.“ Tatsache aber ist, dass Rebic Schwierigkeiten hat, das rechte Maß zwischen Temperament und Leidenschaft und Übereifer und Aggression zu finden. Das macht den Umgang mit ihm schwierig. Genau genommen haben bis jetzt nur sein Jugendtrainer, sein Trainer in Split und Kovac einen so guten Draht zu ihm gefunden, dass sie seine Spiel- und Kampfweise einigermaßen in Bahnen lenken konnten. Vor ein paar Wochen galt es als ausgemacht, dass die Eintracht für etwa 3,2 Millionen Euro die Kaufoption für den von Florenz ausgeliehenen Angreifer ziehen wird. In der allgemeinen Frankfurter Rückrunden-Sturmflaute war Rebic der einzige, der ab und zu für einen Windstoß sorgte.

          Die Ablöse für Hradecky könnte die Eintracht gut gebrauchen

          Zuletzt sind wieder Zweifel aufgekommen, der Kroate wirkt überspielt und seit Mainz auch unbezähmbar. Perspektivisch stellt sich zudem die Frage: Wer soll Rebic in den Griff kriegen, wenn Kovac nicht mehr Trainer der Eintracht sein sollte? 3,2 Millionen Euro bedeuteten zudem eine große Investition für die Eintracht, es würde die weiteren Möglichkeiten auf dem Transfermarkt beschränken. Denn durch den Sinkflug in der Tabelle von Rang drei auf elf schnurrt das Volumen des nächsten Etats wieder zusammen. Jeder Platz in der Fünfjahresvertrag ist gut zwei Millionen Euro bei der Verteilung der Fernsehgelder wert. Seit Februar verschlechterte sich die Eintracht in der virtuellen Tabelle um vier Plätze oder achteinhalb Millionen Euro. Sollte das kleine Fußballwunder Pokalsieg ausbleiben, würden sich die Hoffnungen auf den Einzug in die Europa League zerschlagen, der mindestens zehn Millionen Euro wert wäre.

          Nähme Torwart Hradecky das deutlich verbesserte Vertragsangebot der Eintracht doch noch an, bliebe kaum noch finanzieller Spielraum, um Bewegung und vor allem Qualität in den Kader zu bringen. Die Lehre aus dieser Saison ist, dass mit Engagement und Einsatz Defizite ausgeglichen werden können, aber nicht über die gesamte Saison hinweg. So gesehen könnte es sich als Segen für den Traditionsklub erweisen, dass der Finne im Tor seine Vertragsunterschrift hinauszögert. Der Publikumsliebling wirkt nicht mehr so rückhaltlos überzeugt von seinem Arbeitgeber wie in der Vergangenheit. An guten Torhütern besteht ein Überangebot, Ersatz wäre relativ leicht und kostengünstig zu besorgen. Die acht bis zehn Millionen Ablöse für Hradecky könnte die Eintracht an anderen Stellen im Kader besser einsetzen: im defensiven Mittelfeld und im Sturm. Es könnte sein, dass das DFB-Pokalfinale in Berlin zum Endspiel in der Beziehung zwischen Hradecky und der Eintracht wird. Bei einem Triumph hätte die Eintracht genug Kapital, um gestandene Feldspieler zu verpflichten. Und Hradecky hätte das Vergnügen, europäisch zu spielen. Wechseln könnte er ja dann ein Jahr später. Bei einer Niederlage werden sich wohl die Wege trennen. In der Berlin steht noch mehr auf dem Spiel, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

          Quelle: F.A.Z.

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