Home
http://www.faz.net/-gtm-761s0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Anonymes Meldesystem Fifa startet die Jagd auf Betrüger

Nach zähem Ringen wird die Fifa nach F.A.Z.-Informationen am 1. Februar ein anonymes Meldesystem im Internet freischalten. Es soll im Kampf gegen Bestechung, Korruption und Manipulation helfen. Eine deutsche Firma hilft dem Fußball-Weltverband.

© dpa Vergrößern Mit einem sogenannten Whistleblower-Programm kämpft die Fifa gegen Bestechung und Manipulation

Während sich derzeit in der Führungsetage des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) alte Funktionärsseilschaften gegen zentrale Reformvorhaben auflehnen, gibt es bei der weiterhin mehr als zwielichtigen Organisation auch Zeichen der Hoffnung. Nach Monaten des zähen Ringens in der Administration wird die Fifa am 1. Februar das schon länger geplante anonyme Meldesystem auf ihrer Internetseite freischalten.

Michael Ashelm Folgen:  

Der Weltverband bestätigte die Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In ihrem Umfang ist die neue elektronische Funktion einmalig im Weltsport. Sie soll Informanten ermöglichen, verdeckte Hinweise zu vermuteter Bestechlichkeit von Funktionären, dubiosen Machenschaften, Korruptionsfällen aller Art und auch betrügerischer Manipulation von Spielen abzugeben - und das in vier Sprachen.

Mehr zum Thema

Hinter dem sogenannten Whistleblower-Programm steht eine deutsche Firma - die Business Keeper AG aus Berlin. Das Unternehmen betreibt seit mehr als zehn Jahren solche Hinweisgeber-Systeme über speziell geschützte Computer-Server und gilt hierbei auch in Sachen Datensicherheit und Datenschutz weltweit als führend. Kunden sind bisher vor allem große Unternehmen, die von Korruptionsskandalen betroffen waren, wie die Telekom, Ferrostaal, MAN oder die Hypo Group Alpe Adria. Aber auch die öffentliche Hand, wie zum Beispiel das Bundeskartellamt, Organisationen aus dem Gesundheitswesen, Länder wie Kenia oder Indonesien und kirchliche oder karitative Einrichtungen nehmen die Leistungen des spezialisierten Dienstleisters aus Berlin in Anspruch.

Bei Mordfällen und Ermittlungen gegen rechte Kriminalität wurden Meldesysteme zusammen mit Landeskriminalämtern eingerichtet. Dabei geht es nicht nur um eine Meldung. Vor allem ist eine Kommunikation mit dem Informanten möglich, ohne dessen Anonymität zu gefährden. Konkreter zur Fifa-Zusammenarbeit wollte sich Firmenvorstand Kai Leisering auf Anfrage nicht äußern. Er sagte: „Unser System hat sich in den letzten Jahren zu einem anerkannten Instrument zur Aufdeckung und Bekämpfung von Fehlverhalten entwickelt. So konnten wir Organisationen und Unternehmen vielfach beim Ausbau zeitgemäßer Compliance-Maßnahmen unterstützen.“

Die organisierte Kriminalität verändert sich

Wenn die Fifa aufklären will, braucht sie Insiderwissen. Die externen Antikorruptionsexperten, die derzeit die Reformen beim Verband gegen viele Widerstände voranbringen wollen, haben immer auf die Einführung eines solchen Meldesystems gedrungen. Auch der Spruchkammer-Vorsitzende der neuen Ethikkommission, der deutsche Richter Joachim Eckert, hatte schon auf die Bedeutung hingewiesen. Die Erkenntnisse sollen ihm und vor allem dem neuen Fifa-Chefermittler Michael Garcia dienen.

Dass das Whistleblower-Programm nun startet, ist auch ein Erfolg für den Sicherheitschef der Fifa, Ralf Mutschke. Der Deutsche kam im Sommer vom Bundeskriminalamt und trieb diese Idee voran. Er verspricht sich gerade auf dem Gebiet der bedrohlich steigenden Spielmanipulationen neue Erkenntnisse. Mutschke, derzeit in Mittelamerika unterwegs, wies unlängst nochmals auf die Gefahr durch global aktive Betrügerbanden hin und sagte: „Ich habe mich mit einem verurteilten Manipulator informell hier in Zürich getroffen. Er sagte mir gerade ins Gesicht: ,Die organisierte Kriminalität geht raus aus den ursprünglichen kriminellen Tätigkeiten hin zur Spielmanipulation, denn hier besteht ein geringes Risiko, aber sie verspricht hohe Gewinne.’“

Ein weltweites Netzwerk mit Integritätsbeauftragten

Mutschkes Abteilung wird personell schon aufgerüstet. Hinzukommen wird eine ehemalige BKA-Kriminalkommissarin sowie ein Polizeikollege aus den Vereinigten Staaten. Zudem wird ein weiterer Mitarbeiter in London stationiert. Mutschke baut an einem weltweiten Netzwerk mit Integritätsbeauftragten. Doch wie auch fürs neue Meldesystem der Fifa gilt: Es kann nur zum Erfolg führen, wenn den Hinweisen auch nachgegangen wird. Daran fehlte es über Jahrzehnte völlig.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach WM in Brasilien Fifa muss neue Sponsoren suchen

Mittlerweile sind es fünf Sponsoren, die der Fifa in den vergangenen Monaten den Rücken gekehrt haben. Ganz normal, sagt der Weltverband. Fest steht: Ein deutscher Dax-Konzern bekommt anderswo für weniger Geld die gleiche Werbewirkung. Mehr Von Michael Ashelm

23.01.2015, 17:32 Uhr | Sport
Präsidentenwahl Schwieriger Kampf gegen Korruption in Rumänien

Rumäniens Justiz kämpft verstärkt gegen die grassierende Korruption im Land. Viele Staatsanwälte beklagen dabei politischen Druck. Kritiker sagen, dass das Justizsystem trotz Reformen immer noch fragil sei. Die Korruption ist auch ein wichtiges Thema im Vorfeld der Präsidentenwahl am Sonntag. Mehr

31.10.2014, 15:24 Uhr | Politik
Whistleblowing in Unternehmen Raus aus der Schmuddelecke

Für Unternehmen werden interne Hinweisgeber immer wichtiger. Doch Mitarbeiter, die Missstände aufdecken, haben in Deutschland immer noch ein schlechtes Image. Das muss sich ändern. Mehr Von Helene Bubrowski

19.01.2015, 06:00 Uhr | Beruf-Chance
Smartphone-App gegen Korruption

Eine neue Smartphone-App in Uganda soll für mehr Transparenz an Schulen und in Gesundheitszentren sorgen. Oft fehlt es in diesen Einrichtungen an den notwendigsten Dingen, schuld daran ist die weit verbreitete Korruption. Mit der App können Bürger einsehen, welche staatlichen Gelder für welche Zwecke vorgesehen sind - und ob sie auch wirklich ankommen. Mehr

30.09.2014, 13:02 Uhr | Gesellschaft
Kampf um Fifa-Präsidentschaft Niederländer fordert Blatter heraus

Im Kampf um die Fifa-Präsidentschaft bekommt der Amtsinhaber Joseph Blatter einen weiteren Gegenkandidaten. Der Niederländer Michael van Praag tritt bei der Wahl an. Der 67-Jährige gilt als ausgesprochener Kritiker Blatters. Mehr

26.01.2015, 18:40 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.01.2013, 17:24 Uhr

Umfrage

Wo landet der BVB am Saisonende?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Dortmund macht’s spannend

Von Peter Penders

Die Bundesliga ist durch die Dominanz der Bayern langweilig? Ganz und gar nicht. Spannend ist es von Platz zwei bis achtzehn. In dieser Hinsicht ist der Absturz von Borussia Dortmund ein Segen. Mehr 3