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Anonymes Meldesystem Fifa startet die Jagd auf Betrüger

 ·  Nach zähem Ringen wird die Fifa nach F.A.Z.-Informationen am 1. Februar ein anonymes Meldesystem im Internet freischalten. Es soll im Kampf gegen Bestechung, Korruption und Manipulation helfen. Eine deutsche Firma hilft dem Fußball-Weltverband.

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© dpa Vergrößern Mit einem sogenannten Whistleblower-Programm kämpft die Fifa gegen Bestechung und Manipulation

Während sich derzeit in der Führungsetage des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) alte Funktionärsseilschaften gegen zentrale Reformvorhaben auflehnen, gibt es bei der weiterhin mehr als zwielichtigen Organisation auch Zeichen der Hoffnung. Nach Monaten des zähen Ringens in der Administration wird die Fifa am 1. Februar das schon länger geplante anonyme Meldesystem auf ihrer Internetseite freischalten.

Der Weltverband bestätigte die Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In ihrem Umfang ist die neue elektronische Funktion einmalig im Weltsport. Sie soll Informanten ermöglichen, verdeckte Hinweise zu vermuteter Bestechlichkeit von Funktionären, dubiosen Machenschaften, Korruptionsfällen aller Art und auch betrügerischer Manipulation von Spielen abzugeben - und das in vier Sprachen.

Hinter dem sogenannten Whistleblower-Programm steht eine deutsche Firma - die Business Keeper AG aus Berlin. Das Unternehmen betreibt seit mehr als zehn Jahren solche Hinweisgeber-Systeme über speziell geschützte Computer-Server und gilt hierbei auch in Sachen Datensicherheit und Datenschutz weltweit als führend. Kunden sind bisher vor allem große Unternehmen, die von Korruptionsskandalen betroffen waren, wie die Telekom, Ferrostaal, MAN oder die Hypo Group Alpe Adria. Aber auch die öffentliche Hand, wie zum Beispiel das Bundeskartellamt, Organisationen aus dem Gesundheitswesen, Länder wie Kenia oder Indonesien und kirchliche oder karitative Einrichtungen nehmen die Leistungen des spezialisierten Dienstleisters aus Berlin in Anspruch.

Bei Mordfällen und Ermittlungen gegen rechte Kriminalität wurden Meldesysteme zusammen mit Landeskriminalämtern eingerichtet. Dabei geht es nicht nur um eine Meldung. Vor allem ist eine Kommunikation mit dem Informanten möglich, ohne dessen Anonymität zu gefährden. Konkreter zur Fifa-Zusammenarbeit wollte sich Firmenvorstand Kai Leisering auf Anfrage nicht äußern. Er sagte: „Unser System hat sich in den letzten Jahren zu einem anerkannten Instrument zur Aufdeckung und Bekämpfung von Fehlverhalten entwickelt. So konnten wir Organisationen und Unternehmen vielfach beim Ausbau zeitgemäßer Compliance-Maßnahmen unterstützen.“

Die organisierte Kriminalität verändert sich

Wenn die Fifa aufklären will, braucht sie Insiderwissen. Die externen Antikorruptionsexperten, die derzeit die Reformen beim Verband gegen viele Widerstände voranbringen wollen, haben immer auf die Einführung eines solchen Meldesystems gedrungen. Auch der Spruchkammer-Vorsitzende der neuen Ethikkommission, der deutsche Richter Joachim Eckert, hatte schon auf die Bedeutung hingewiesen. Die Erkenntnisse sollen ihm und vor allem dem neuen Fifa-Chefermittler Michael Garcia dienen.

Dass das Whistleblower-Programm nun startet, ist auch ein Erfolg für den Sicherheitschef der Fifa, Ralf Mutschke. Der Deutsche kam im Sommer vom Bundeskriminalamt und trieb diese Idee voran. Er verspricht sich gerade auf dem Gebiet der bedrohlich steigenden Spielmanipulationen neue Erkenntnisse. Mutschke, derzeit in Mittelamerika unterwegs, wies unlängst nochmals auf die Gefahr durch global aktive Betrügerbanden hin und sagte: „Ich habe mich mit einem verurteilten Manipulator informell hier in Zürich getroffen. Er sagte mir gerade ins Gesicht: ,Die organisierte Kriminalität geht raus aus den ursprünglichen kriminellen Tätigkeiten hin zur Spielmanipulation, denn hier besteht ein geringes Risiko, aber sie verspricht hohe Gewinne.’“

Ein weltweites Netzwerk mit Integritätsbeauftragten

Mutschkes Abteilung wird personell schon aufgerüstet. Hinzukommen wird eine ehemalige BKA-Kriminalkommissarin sowie ein Polizeikollege aus den Vereinigten Staaten. Zudem wird ein weiterer Mitarbeiter in London stationiert. Mutschke baut an einem weltweiten Netzwerk mit Integritätsbeauftragten. Doch wie auch fürs neue Meldesystem der Fifa gilt: Es kann nur zum Erfolg führen, wenn den Hinweisen auch nachgegangen wird. Daran fehlte es über Jahrzehnte völlig.

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25.01.2013, 17:24 Uhr

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