27.06.2010 · Neuer oder James - entscheiden die Torhüter das Duell? Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht der deutsche Torwarttrainer Andreas Köpke über Neuers Form, Lehmanns Spickzettel – und die Tricks im Elfmeterschießen.
Elfmeter, Elfmeter, Elfmeter - die Diskussionen vor dem Duell an diesem Sonntag (16.00 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) zwischen Deutschland und England im WM-Achtelfinale drehen sich fast nur um den Schuss vom Punkt. Hat die DFB-Elf dabei wie so oft in der Vergangenheit einen Vorteil? Oder zahlt sich das Training der Engländer aus? Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Köpke Neuers Form, Lehmanns Spickzettel - und die Tricks im Elfmeterschießen.
Erhält Manuel Neuer von Ihnen auch für den Fall der Fälle einen Zettel wie Jens Lehmann im Elfmeterschießen gegen Argentinien bei der WM 2006, auf dem dann die Lieblingsecken der englischen Schützen stehen werden?
Diesmal gibt es von mir keinen Zettel. Ich habe mir etwas anderes einfallen lassen. Auf jeden Fall bekommt Manuel die Informationen, die er braucht. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Manuel Neuer kann sich mit seinen 24 Jahren die Informationen vielleicht eher im Kopf behalten. Lehmann ging damals auf die 40 zu.
Ich hatte 2006 eigentlich auch gedacht, dass Jens den Zettel nicht mitnehmen müsste und sich drei, vier Schützen merken könnte. Aber das war nicht so. Nein, Spaß beiseite. Wir werden auch jetzt wieder etwas vorbereiten.
Die Sporthochschule in Köln sammelt für Sie alle Daten über die Elfmeterschützen von allen WM-Teilnehmern. Was lässt sich daraus bei den Engländern ableiten?
Es ist bei jedem der Spieler eine Tendenz erkennbar. Und das ist interessant: In der Drucksituation schießt doch jeder eher in sein Lieblingseck und orientiert sich nicht plötzlich um. Auf solche Dinge spekulieren wir. Am besten ist es natürlich, wenn der Ball dann auch noch schlecht geschossen wird – da hat der Torwart die größten Chancen. Da ist viel Glück im Spiel.
Es heißt, die Engländer trainieren schon das Elfmeterschießen. Wie finden Sie das?
Es zeigt, dass sie sich sehr mit der Vergangenheit und mit einer ihrer größten Schwächen beschäftigen. Das sollen sie nur machen. Sie haben beim Elfmeterschießen eine verheerende Bilanz. Ich bin der Meinung, diese besondere Situation ist nicht einzuüben. Der Druck, der auf einem Spieler in diesem Moment lastet, ist wahnsinnig. Er ist ausgepowert, hat eine Verlängerung gespielt, ist bis an die Grenzen gegangen, ist körperlich und geistig müde, geht dann von der Mittellinie zum Punkt und weiß genau, dass er als Schütze mehr zu verlieren hat als der Torwart. Durch Übung lässt sich eine gewisse Sicherheit aufbauen, aber simulieren kann man ein Elfmeterschießen nicht.
Wie war das damals bei Ihnen, als Sie im EM-Halbfinale den Ball von Gareth Southgate im Elfmeterschießen gegen England hielten? Ist dem Spieler die Angst anzusehen? Spürt man das bevorstehende Versagen?
Ich habe da nichts wahrgenommen. Man fokussiert sich, schaut nur noch auf den Ball und den Schützen, versucht zu erkennen, wohin der Schuss gehen könnte. Alles andere wird ausgeblendet: Zuschauer, Jubel, Pfiffe, Blicke, Gesichter. Du bist dann im Tunnel. Als ich den Ball hielt, konnte ich mich auch gar nicht richtig freuen. Wir mussten zum Sieg noch einen eigenen Elfmeter verwandeln. Die Befreiung kommt nach dem Spiel, dann ist nur noch Jubel.
Welchen Eindruck vermittelt Manuel Neuer derzeit?
Er zeigt sich sehr stabil, strahlt viel Ruhe aus. In entscheidenden Situationen war er immer da, aber man muss auch sagen: Er hat noch nicht so viel zu tun bekommen.
Ist das ein Problem für Torhüter, sich zu Beginn eines Turniers selten auszeichnen zu können, um damit Selbstsicherheit aufzubauen?
Bei Schalke hat Manuel auch nicht viel zu tun bekommen, weil die Mannschaft relativ defensiv gespielt hat. In der Nationalmannschaft musst du auch nicht zehn oder zwölf schwere Bälle abwehren, dafür sind wir einfach zu stark. Es geht um zwei, drei Situationen, in denen ein Torwart hellwach sein muss. Darauf muss er sich neunzig Minuten konzentrieren.
Sie haben schon mit einigen Torhütern zusammengearbeitet – wie mit Oliver Kahn oder bei den vergangenen Turnieren vor allem mit Jens Lehmann. Wie war da der Umgang im Unterschied zu Manuel Neuer?
Bei Manuel merkt man nur vor dem Spiel eine Anspannung, Fokussierung. Ansonsten ist er relativ locker. Er ist ein junger Torhüter, der am Anfang seiner Karriere steht.
Er hat also noch keine Macken.
Erfahrene Torhüter wissen selbst am besten, was sie im Training machen müssen. Man muss bei ihnen nicht so viel ändern, dafür geht es mehr um atmosphärische Dinge. Bei den Jüngeren ist noch genau hinzuschauen, wann sie voll belastbar sind und in welchem Moment sie nur locker trainieren können.
Was erwartet Manuel Neuer gegen die englische Mannschaft?
Er wird sich auf Weitschüsse einstellen müssen. Zudem werden oft Flanken über außen kommen und die englischen Spieler aggressiver als andere in den Torwart hineingehen. Das kennt man aus der Premier League. Und es werden sicherlich oft Bälle in die Tiefe gespielt werden. Da muss Manuel hellwach sein und antizipieren. Wir kennen doch die Kandidaten wie Rooney, das sind abgezockte Spieler, die dann gleich draufknallen. Außerdem müssen sich die Torhüter bei dieser WM im Vorfeld gut absprechen mit ihren Abwehrleuten. Durch die Lautstärke der Vuvuzela-Tröten kommen Sprachanweisungen kaum an. Da sind auch Blickkontakt und Handzeichen gefragt.
Wie erklären Sie sich Diskrepanz zwischen der Leistungsstärke deutscher und englischer Torleute?
Wenn ich die englische Nationalmannschaft nehme, ist es ja nicht so, als seien das alles Katastrophentorhüter. Aber wenn es hart auf hart kommt, bekommen sie ein nervliches Problem. Das haben wir doch schon oft gesehen. Den englischen Torhütern passieren Dinge, die sind nicht zu erklären. Unseren passieren dagegen auf dem Platz wirklich selten brutale Fehler.
Manuel Neuer gilt als guter Feldspieler mit einer ausgereiften Technik. Könnte er auch Elfmeter schießen?
Ich weiß nicht, ob er das nervlich schafft. Aus elf Metern trifft jeder das Tor, aber wenn der Druck dazukommt, sieht das schon anders aus. In der Beziehung hat Jörg Butt bei uns wohl die Nase vorne.
Dagegen verfügt Tim Wiese wohl über die beste Bilanz aller drei Torhüter im Abwehren von Elfmetern. Könnte man ihn nicht einwechseln, wenn es so weit ist?
Damit haben wir uns nicht befasst. Hans Meyer hat das in Nürnberg mal gemacht und den zweiten Torwart gebracht beim Elfmeterschießen im DFB-Pokal. Aber ich kann mir das bei uns nicht vorstellen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |