Home
http://www.faz.net/-gtm-ol36
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Amerikanischer Fußball Wunderkind Freddy soll schaffen, was Pele nicht gelang

12.01.2004 ·  Freddy Adu heißt der 14 Jahre alte Wunderknabe, der in Amerika bereits als neuer Pele gefeiert wird. Daß die Lobeshymnen oft von selbsternannten Experten stammen, von denen die wenigsten den großen Pele mit eigenen Augen haben spielen sehen, stört niemanden,

Von Matthias Erne
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Es besteht kein Zweifel daran, daß Landon Donovan der zur Zeit beste Spieler in der "Major League Soccer" (MLS) ist, und dennoch spricht in Amerika kaum jemand vom 21 Jahre alten Nationalspieler in Diensten des Landesmeisters San Jose Earthquakes. Die Schlagzeilen gehören fast ausschließlich einem Fußballspieler, der noch keine einzige Minute in der MLS absolviert hat - und dennoch als große Hoffnung einer Branche gilt, die in den Vereinigten Staaten immer noch ums Überleben kämpft. Dabei darf Adu mit seinen 14 Jahren noch nicht einmal die millionenschweren Verträge selbst unterschreiben, die ihm in den letzten Monaten offeriert worden sind.

Freddy Adu heißt der Wunderknabe, der in Amerika bereits als neuer Pele gefeiert wird. Daß die Lobeshymnen oft von selbsternannten Experten stammen, von denen die wenigsten den großen Pele mit eigenen Augen haben spielen sehen, stört niemanden, schon gar nicht die Führungsriege der MLS. Angesichts der beinahe übermächtigen Konkurrenz von Football, Baseball und Basketball ist selbst ein junges Talent als Zeichen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft hoch willkommen. Ob Adu jemals die Wundertaten vollbringen wird, die man sich von ihm verspricht, weiß heute natürlich noch niemand - wobei man auch festhalten muß, daß der junge Mann tatsächlich über Anlagen verfügt, wie man sie selten sieht. Adu, der als Achtjähriger mit seiner Mutter aus Ghana nach Amerika kam, verblüfft durch eine faszinierende Kombination aus Schnelligkeit, Schußkraft und Dribbelstärke. Außerdem ist Adu ausgesprochen frühreif. Im zarten Alter von elf Jahren spielte er mit einem Team von vierzehnjährigen amerikanischen Auswahlspielern bei einem Turnier in Italien, und er verblüffte mit seinem Talent dermaßen, daß ihn begeisterte Talentspäher von Inter Mailand am liebsten gleich dabehalten hätten. Im vergangenen Jahr machte Adu gleich durch zwei Einsätze auf sich aufmerksam. Zuerst reiste er mit der amerikanischen U-17-Nationalmannschaft zur WM nach Finnland. Dann spielte er sogar mit dem U-20-Team der Vereinigten Staaten bei der Junioren-WM in den Vereinigten Arabischen Emiraten so frech mit, daß auf dem Feld kaum ein Altersunterschied festzustellen war.

Angesichts solcher Großtaten war der Weg frei zum ersten Vertrag als Berufsfußballspieler. Daß Adu den Lockrufen aus England und Italien widerstand und bei der MLS unterschrieb, feierten die MLS-Verantwortlichen als historisches Ereignis. Die Verpflichtung Adus, der im Frühjahr sein Debüt bei Washington D.C. United geben wird, sorgte für ein Medienspektakel, von dem das Mauerblümchen MLS zuvor nur hatte träumen können. Zur ersten Pressekonferenz Adus in New York kamen auch Journalisten, die bisher Soccer konsequent die kalte Schulter gezeigt hatten. Adus Tore und Dribblings waren auf Großleinwand als Endlos-Video zu sehen, CNN bat zum Interview - und er trat beim Chef-Talker David Letterman auf, der Einladungen nur an Personen mit Star-Appeal vergibt.

Daß sich Adu sowohl bei Letterman wie auch bei allen anderen Medien-Terminen mit Bravour schlug, schrieben die stolzen MLS-Bosse der Frühreife ihres neuen Stars zu und dem Medientraining, das sie ihm verpaßt hatten. Zyniker allerdings sahen darin ein weiteres Zeichen dafür, daß im Paß des jungen Mannes aus Ghana vielleicht doch ein paar Zahlen vertauscht worden sein könnten und Adu zwar ein Wunderkind sei, aber halt doch keine vierzehn mehr. Solche Gerüchte hat es in der Vergangenheit um Jungstars aus Afrika immer wieder gegeben, zumal die Afrikaner im Jugendbereich immer wieder überraschende Erfolge feiern konnten, die sie im Erwachsenenalter nicht wiederholen konnten.

Im Lager von Adu weist man selbstverständlich solche Spekulationen entrüstet zurück. Freddy sei ganz einfach glücklich und zufrieden, daß er in Zukunft für Washington spielen könne, weil er so weiterhin mit seiner Mutter im nahe gelegenen Virginia wohnen könne. Der Vergleich mit Pele, fügt Adu selbst hinzu, sei zwar schmeichelhaft, doch möge man ihn doch bitte nicht ständig mit dem Größten aller Zeiten vergleichen - er sei Freddy Adu, und nicht Pele. Die MLS-Verantwortlichen müßten eigentlich hoffen, daß Adu recht behält. Pele war es schließlich in den siebziger Jahren nicht gelungen, Soccer in Amerika zu etablieren. Adu soll jetzt das schaffen, was Pele damals versagt geblieben war.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Live-Ticker Bundesliga
Um diesen Sportticker sehen zu können müssen Sie mindestens Flash 8 verwenden. Die aktuelle Flash Version finden Sie hier
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   21  32   46 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   21  35   44 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   21  22   43 Verbesserung zur Vorwoche
4.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   21  18   41 Verschlechterung zur Vorwoche
5.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   21  -1   33 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   21  0   31 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   21  -2   31 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   21  -11   27 Verbesserung zur Vorwoche
9.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   21  3   26 Verbesserung zur Vorwoche
10.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   21  -8   26 Verbesserung zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   21  -2   25 Verschlechterung zur Vorwoche
12.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   21  -12   24 Verschlechterung zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   21  -6   23 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   21  -12   22 Gleichheit zur Vorwoche
15.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   21  -11   20 Gleichheit zur Vorwoche
16.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   21  -11   18 Gleichheit zur Vorwoche
17.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   21  -14   18 Gleichheit zur Vorwoche
18.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   21  -20   17 Gleichheit zur Vorwoche

Meister der Abwehr

Von Peter Penders

Borussia Mönchengladbach hat nach 21 Spieltagen erst zwölf Gegentreffer hinnehmen müssen. Die gleiche Quote hatte in der vergangenen Saison Borussia Dortmund. Mehr