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Allofs zu Wolfsburg Doppelte Verlockung

 ·  Erfahrene Spitzenkraft bindet sich an potenten Klub mit Ambitionen. Klaus Allofs erhält beim VfL Wolfsburg Gestaltungsmacht. Und muss sich gleich beweisen - bei der Trainersuche.

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© dpa Vergrößern Klaus Allofs: Neue Herausforderung

In Bremen ist man es gewohnt, seine Besten zu verlieren. Die Liste der Spieler ist lang, die anderswo ihr Glück suchten. Dass nun der Manager diesen Weg geht, ist neu. Und weil es zugleich ein Novum in der Bundesliga-Historie ist - zum ersten Mal überhaupt wird ein sportlicher Leiter aus einem laufenden Vertrag herausgekauft und wechselt zu einem direkten Konkurrenten -, kann man ahnen, wie groß die Versuchung Wolfsburg für Klaus Allofs war. Er machte sich auch nicht gerade die Mühe, das zu verbergen im merkwürdigen medialen Schattenboxen der vergangenen Tage. Dass am Mittwoch nun Vollzug gemeldet wurde, war nach Allofs’ Äußerungen jedenfalls keine Überraschung mehr - trotz aller Dementis von Werder.

Wie immer, wenn Wolfsburg lockt, dürfte auch in diesem Fall das Geld eine gewichtige Rolle gespielt haben. Anders jedoch als bei Profis, die in erster Linie ihr eigenes Konto im Blick haben, wird die Verlockung für Allofs noch eine andere gewesen sein. Die finanzielle Potenz des Volkswagen-Konzerns verleiht ihm eine Gestaltungsmacht, wie er sie in Bremen wohl auch zu besten Zeiten nicht hatte. Das ist zunächst einmal eine komfortable Situation, die Allofs’ Schritt verständlich macht. Aber auch eine Aufgabe, die erst einmal bewältigt sein will. Manchmal erweist es sich, das lehrt auch der Fußball, als viel schwieriger, viel Geld sinnvoll anzulegen, als mit kleinem Geldbeutel vernünftig zu wirtschaften.

In Bremen war Allofs der, der aus relativ wenig sehr, sehr viel machte. Mehr, als es die strukturellen Voraussetzungen der norddeutschen Randlage eigentlich zuließen. Die erfolgreichste Phase der jüngeren Vereinsgeschichte mit dem Double 2004, einem weiteren Pokalsieg und sechs Champions-League-Teilnahmen wird immer mit seinem Namen verbunden sein. Dass sein Image in der Hansestadt gegen Ende Kratzer erhielt, hat nicht nur mit der nun vielzitierten „Spürnase“ zu tun, die ihn zuletzt öfter mal auf eine falsche Fährte gelockt hatte.

Auch die Gesamtkalkulation schien etwas riskant geraten zu sein. So ist auch die aktuelle Situation, in der sich Werder gehörig strecken muss, um sich wirtschaftlich zu konsolidieren, ohne sportlich den Anschluss zu verlieren, ein Resultat von Allofs’ Arbeit. Besonders der Zeitpunkt seines Abgangs stürzt Werder in eine unbequeme Lage. Zugleich sei daran erinnert, dass im Bremer Umfeld jüngst immer wieder mal auch an die Chancen gedacht worden war, die eine Veränderung auf der Führungsebene womöglich bietet.

Davon unbenommen hat sich Wolfsburg ohne Frage einen der profiliertesten Manager auf dem Markt geangelt, der über beste Kontakte verfügt. Nach dem völlig aus dem Ruder gelaufenen Magath-Regime mitsamt der emotionalen Verheerung dürfte es für den Verein zudem eine Wohltat sein, einen Menschen in leitender Funktion zu sehen, der bei aller Härte des Geschäfts zu Empathie fähig ist. Zu einem früheren Zeitpunkt hätte man womöglich sogar von einer Traumbeziehung sprechen können: Erfahrene Spitzenkraft bindet sich an potenten Klub mit Ambitionen. Die Gegenwart sieht jedoch ein gutes Stück nüchterner aus. Der tief gefallene Verein sucht einen Trainer. Und der neue Manager muss gleich beweisen, dass er das richtige Händchen hat. Es gibt leichtere Einstiege.

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14.11.2012, 20:15 Uhr

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