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Alemannia Aachen Traditionsklub vor dem Aus

 ·  Alemannia Aachen hat ein Insolvenzverfahren angekündigt. Noch gibt es Hoffnung, dem Zwangsabstieg zu entgehen. Auch andernorts sieht es düster aus. Ein Wissenschaftler kritisiert das Lizenzierungsverfahren.

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© dpa Vergrößern Hoffen auf optimistische Informationen: Alemannia Aachen steht vor der Insolvenz

Den professionellen Spielklassen unterhalb der Fußball-Bundesliga könnten wirtschaftlich turbulente Wochen drohen. Nach erfolglosen Sanierungsversuchen hat der Drittligaklub Alemannia Aachen am Freitag angekündigt, beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag einreichen zu wollen. Wie der Rechtsvertreter des Vereins am Freitag bekanntgab, fehlen dem Traditionsklub mehr als vier Millionen Euro. Hauptauslöser der Finanzmisere ist das 2009 eröffnete neue Stadion.

„Es ist ein riesiges Liquiditätsloch. Das können wir nicht mehr stemmen“, sagte der Jurist. Nach Meinung des Aufsichtsratsvorsitzenden des Vereins, Meino Heyen, gibt es zum Rettungsplan keine Alternative. „Ziel muss es sein, die Alemannia im Jahr ihres 112. Bestehens vor der Zwangsliquidation zu bewahren.“

Erster Absteiger?

Angestrebt wird, dass der Spielbetrieb bis zum Saisonende aufrechterhalten werden kann und das Insolvenzverfahren nicht vor dem letzten Spieltag der laufenden Saison eröffnet wird. Wenn das allerdings nicht gelingt, der Antrag zum Beispiel vom Gericht mangels Masse abgelehnt wird, stünden die Aachener als erster Absteiger fest.

Zudem würden alle bestrittenen Spiele der Saison nicht gewertet werden. Das will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vermeiden. „Es ist der klare Wunsch, Lösungen zu finden, damit der Spielbetrieb von Alemannia Aachen aufrechterhalten wird“, sagte der zuständige DFB-Direktor Ulf Schott.

Brennpunkte allerorten

Derweil zeigen sich auch an anderen Drittliga-Standorten finanzielle Schwierigkeiten. Die gesamte Liga weist nach DFB-Angaben unter dem Strich negatives Eigenkapital aus. Die neue Führungsmannschaft bei Kickers Offenbach spricht von „erheblichen“ Altlasten. Die Verbindlichkeiten sollen mehr als sechs Millionen Euro betragen.

Auch in der zweiten Liga gibt es Brennpunkte. Der MSV Duisburg sucht nach einem Sanierungskonzept und spricht angeblich mit einer Investorengruppe. Dem Verein fehlen durch die prekäre sportliche Situation und das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal längst verplante Einnahmen. Derzeit läuft für alle Profiligen eine turnusgemäße Liquiditäts-Überprüfung.

Verbindlichkeiten steigen

Schon zu Beginn des Jahres hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) in ihrem Bundesliga-Report für 2012 festgestellt, dass in der wirtschaftlichen Abrechnung der Spielzeit 2010/2011 bedenkliche Entwicklungen in der zweiten Liga zu erkennen seien. Auf der Passivseite der Bilanz seien „weniger erfreuliche Zuwächse“ zu verzeichnen. Die Gesamtverbindlichkeiten der Zweitligaklubs stiegen um 28 Prozent. Zudem sei das Eigenkapital über vier Spielzeiten kontinuierlich geschrumpft.

Mit minus 45,3 Millionen Euro ergab sich in dem Report zum zweiten Mal in Folge ein negativer Wert. Das Fremdkapital wuchs im Vergleich zur Vorsaison um 22 Prozent. „Die zweite Liga bleibt eine wirtschaftliche Baustelle“, hatte Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, im Januar gesagt. An dieser Einschätzung dürfte sich nichts ändern. Sagen wollte die DFL am Freitag nichts zur aktuellen Lage.

Wissenschaftler kritisiert Verfahren

Der Wirtschaftswissenschaftler Christian Weber hat für seine Dissertation an der Uni Münster die Problematik durchleuchtet. Er übt Kritik an der Praxis der Lizenzierung und fordert umfangreichere Überprüfungen der Klubs durch DFL und DFB. „Die Finanzlage vieler Profiklubs ist prekärer denn je. Da wird nicht nachhaltig gewirtschaftet, sondern nur kurzfristig gerechnet. Die Eigenkapitalquote ist bedenklich. Dabei handelt es sich um einen wesentlichen Indikator für eine langfristige wirtschaftliche Solidität“, sagte er. „Eigenkapital, Jahresergebnis oder andere wichtige Kennzahlen spielen für die grundsätzliche Lizenzerteilung keine Rolle, sondern einzig und allein die Liquidität zu einem festen Stichtag. Und die ist leicht manipulierbar. Dies sagt nichts darüber aus, ob der Klub wirklich liquide ist während des Jahres“, so sein Urteil.

Bei den Aachenern, die einen Neuanfang in der Regionalliga anpeilen, muss noch gefragt werden, ob bei der Lizenzierung falsche Angaben gemacht wurden.

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