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Afrika-Cup Zwischen Panzern und Stadien

Auf Entdeckungsreise in Afrika: Wer nicht zimperlich ist, sollte die kontinentale Meisterschaft nutzen, um Fußballtalente zu finden.

© dapd Vergrößern Erfolge beim Fußball bedeuten in Afrika viel mehr als in Europa

Schrill kreischen die Sirenen der Polizei, schwer bewaffnete Soldaten auf zwei gepanzerten Militärfahrzeugen scheuchen die Passanten aus dem Weg. Wenn sich Gabuns Fußball-Nationalmannschaft einmal am Tag auf den Weg vom Teamhotel zum Trainingsplatz macht, erinnert das Geschehen in Gabuns Hauptstadt Libreville eher an einen Krisenschauplatz denn an ein Fußballturnier. Doch beim Afrika-Cup ist alles etwas anders seit zwei Jahren. Damals, beim Turnier in Angola, wurde das Team Togos während eines Bus-Transfers von Rebellen beschossen, es gab Tote.

Diesmal, bei der 28. Auflage des Turniers in Äquatorial-Guinea und Gabun, soll eine solche Tragödie unbedingt vermieden werden. Und die politische Lage ist auch in den beiden kleinen Ländern am Golf von Guinea alles andere als stabil. Nur eine kleine Elite profitiert von den finanziellen Reichtümern, die den beiden Ländern durch riesige Ölvorkommen vor der Küste beschert werden. Im Volk brodelt es. Beim Fußball, dem Lieblingssport der Afrikaner, wird aus Begeisterung schnell Hysterie, das war auch am Samstag vor dem Eröffnungsspiel der Veranstaltung in Äquatorial-Guineas Küstenort Bata zu sehen. Trotz riesiger Sicherheitsvorkehrungen - sich dem Stadion nähernde Fahrzeuge mussten unter anderem einen grotesk anmutenden riesigen Metalldetektor passieren - wäre es kurz vor Anpfiff der ersten Partie beinahe zu einer Massenpanik gekommen. Tausende drängten ohne Tickets gegen die geschlossenen Stadiontore, erst das beherzte Eingreifen israelischer Sicherheitskräfte, die gedankenschnell ein Haupttor öffneten, verhinderte eine Katastrophe.

Ruhm und Ehre

„Man darf hier nicht zimperlich sein“, sagt Gernot Rohr. Der 58 Jahre alte Deutsch-Franzose trainiert die Nationalmannschaft Gabuns und hat neben den abenteuerlichen Verhältnissen mit völlig überzogenen Erwartungen der Leute zu kämpfen. Gabun, derzeit 77. der Fifa-Weltrangliste, muss bei objektiven Betrachtern als krasser Außenseiter gelten. Von Staatspräsident Ali Bongo Ondimba bekam das Team allerdings die Forderung mit auf den Weg, es dem kürzlich beim afrikanischen Nachwuchsturnier siegreichen U-23-Team nachzumachen und den Titel zu gewinnen. „Ich habe hier ein Himmelfahrtskommando übernommen“, sagt Rohr daher. Umso erleichterter war der Trainer, dass sein Team dem Druck standhielt und sein erstes Spiel am Montagabend gegen Niger 2:0 gewann. „Wir haben jetzt echte Chancen, die nächste Runde zu erreichen“, sagt Rohr.

Erfolge beim Fußball bedeuten in Afrika viel mehr als in Europa. Diejenige Nation, die den Afrika-Cup gewinnt, gilt etwas auf dem Kontinent, es geht um Ruhm und Ehre. Das wissen auch die Stars der Szene, die schon lange in Europa ihre Millionen mit dem Sport verdienen. Und so pilgern Didier Drogba und Kollegen alle zwei Jahre inmitten der europäischen Saison für drei Wochen in die Heimat. Trotz aller widrigen Umstände und den wenig professionellen Bedingungen. Oder eben gerade deswegen.

Gabon African Cup Soccer Gernot Rohr hält seine Aufgabe mit Gabun für ein Himmelfahrtskommando © dapd Bilderstrecke 

Erheblich lockerer als in Europa geht auch Rohr hier an seinen Job heran. Selbst am Tag vor dem Auftaktspiel seiner Mannschaft gegen Niger ließ Rohr Standardsituationen unter den Augen aller Interessierten einüben. Der Deutsch-Franzose ist ein weitgereister Mann. Als Spieler wurde er in den siebziger Jahren zweimal deutscher Meister mit Bayern München, anschließend machte er sich einen Namen als Trainer und Manager bei Girondins Bordeaux und wirkte auch kurz (und erfolglos) bei Eintracht Frankfurt als Sportdirektor.

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Als Nationaltrainer Gabuns arbeitet er seit März 2010. Und er hat Lockerheit im Umgang mit den Spielern und der neugierigen Öffentlichkeit gelernt. „Man darf hier nicht den Oberlehrer geben und vieles zulassen, was in Europa undenkbar wäre“, sagt er. Medien und Scouts erhalten ungehinderten Zutritt sowohl zum Trainingsgelände als auch zum Mannschaftshotel. Im gabunischen Teamhotel „Nomad“ ein paar Kilometer außerhalb Librevilles geht es daher zu wie in einem Taubenschlag. Journalisten und Funktionäre bevölkern ebenso die Lobby wie zahlreiche Talentscouts und Spielervermittler, die Kontakt zu den Stars von morgen suchen.

Denn dass beim Afrika-Cup in diesem Jahr viele neue interessante Talente zu beobachten sind, darin ist sich Branche einig. Gestandene Nationen wie Kamerun, Nigeria, Ägypten und Südafrika mit ihren internationalen Stars konnten sich nicht für das Turnier qualifizieren. Stattdessen sind No-Name-Teams wie Niger, Botswana und Burkina Faso dabei. „Kein Zufall“, sagt Rohr. „Mit ihrer Nachwuchsarbeit haben die kleinen Nationen die Großen der Branche zuletzt überflügelt.“ Und der Markt ist gewissermaßen wieder geöffnet. „Der Afrika-Cup macht für Scouts aus Europa wieder richtig Sinn. Selbst in meiner Mannschaft spielt die Hälfte der Jungs noch in der heimischen Liga. Da ist noch einiges zu entdecken“, sagt Rohr.

Quelle: F.A.Z.

 
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