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Afrika-Cup Pfisters Fußballwelt: Kamerun statt Burghausen

20.01.2008 ·  Otto Pfister kann es nicht lassen. Der Fußball-Trainer begann im Alter von 70 Jahren nochmal ein neues Abenteuer. Der Deutsche trat in Kamerun seinen zehnten Posten als Nationaltrainer an. Nun steht er beim Afrika-Cup auf dem Prüfstand.

Von Christian Eichler, Accra
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Letzten November ist Otto Pfister 70 geworden. Er hat sich beschenkt: Er trat eine neue Arbeitsstelle an. Sie bringt ihm unregelmäßige Arbeitszeiten, anstrengende Dienstreisen, schwierige Klimawechsel - Dinge, von denen Ärzte älteren Menschen eher abraten. Für Pfister ist es wie Medizin: „Ein neues Abenteuer.“ Ruhe hält er nicht lange aus. „Wenn ich drei, vier Wochen tatenlos in der Schweiz sitze, bei meiner Frau, dann werde ich todunglücklich“, sagt der gebürtige Kölner und gelernte Afrikaner.

„Das ist das Einzige von deutscher Mentalität, das mir geblieben ist: Ich kann nicht nichts tun.“ Deshalb sitzt er nun nicht im idyllisch winterlichen Kanton St. Gallen, sondern im tropischen Ghana, wo diesen Samstag der Afrika-Cup beginnt - Pfisters vierter. „Eine Mannschaft“ braucht er zum Leben, „dabei ist es egal, ob es Kamerun ist oder die U18 von Burghausen“. Weil er aber nie in seiner Heimat gearbeitet hat, dafür mehr als drei Jahrzehnte in Afrika und Asien, ist es nicht Burghausen, sondern Kamerun. Sein zehnter Posten als Nationaltrainer, der achte davon in Afrika.

„Für viele in Afrika ist das wichtiger als eine WM“

Kamerun war „eine Chance, die man nicht ausschlagen kann“. Zum Glück war der Chef seines sudanischen Klubs freundlich und entließ ihn aus dem Vertrag. Pfister hatte keine drei Monate, um sich in ganz Europa ein Team zu suchen und es auf den Afrika-Cup vorzubereiten - ein Turnier, „das für viele in Afrika wichtiger ist als eine WM“. Die Kameruner Zeitung „Mutations“ beschreibt als Hauptproblem, dass Pfister nach seiner Ernennung nicht mal zwei zusammenhängende Tage zur Arbeit mit den Spielern hatte - bis zum Trainingslager in Burkina Faso vergangene Woche, wo er, so das Blatt, „eine Mannschaft bilden musste, die bisher nur auf dem Papier bestand“. Sie hat 2007 weniger Spiele bestritten als jeder andere der 16 Turnierteilnehmer.

Dabei schwänzte der Star des Teams, Samuel Eto'o, das Trainingslager - er wollte lieber noch zwei Spiele mit dem FC Barcelona bestreiten, Pfister ließ ihn. „Er ist in guter Form und wird sich problemlos ins Team integrieren“, hofft er. Je nach Tagesform sei Eto'o „der beste Stürmer der Welt“. Auch sonst habe Kamerun „in jedem Mannschaftsteil einen Weltklassespieler“. Im Tor Carlos Kameni, in der Abwehr Rigobert Song, im Mittelfeld Geremi. Auch drei Bundesliga-Kicker nominierte Pfister, den Hamburger Atouba, den Bochumer Epallé, den Duisburg Idrissou.

„Pfister hat überall verbrannte Erde hinterlassen“

Winfried Schäfer, der mit Kamerun 2002 den Titel gewann, sagt Pfister dennoch wenig Erfolg voraus. Er werde „nicht akzeptiert“ im Team, denn „eigentlich sollte Horst Köppel kommen, doch der wurde von der Regierung abgelehnt. Dann haben sie ihnen Pfister vorgesetzt.“ Auch bei Berti Vogts, auf dessen Nigerianer Kamerun frühestens im Halbfinale treffen kann, hat der ältere Kollege keinen Stein im Brett: Pfister, so schimpfte Vogts nach seiner Ernennung in Nigeria, habe „überall verbrannte Erde hinterlassen“.

Eine Einschätzung, die zumindest für das Gastgeberland des Afrika-Cups nicht zu gelten scheint. „Ich werde hier überall erkannt und willkommen geheißen“, sagt Pfister. Mit Ghana gewann er 1991 die Weltmeisterschaft der U17-Junioren, erreichte 1992 das Finale um den Afrika-Cup, in dem man im Elfmeterschießen 10:11 gegen die Elfenbeinküste verlor. Er wurde „Trainer des Jahres“ in Afrika. In Deutschland dagegen lernte man Pfister erst bei der WM 2006 richtig kennen.

„Die Klubs und Verbände gehen halt mit der Mode“

Damals schuf er ein kurioses Beiprogramm zum „Sommermärchen“, als er kurz vor dem ersten WM-Spiel mit Togo wegen ausstehender Teamprämien seinen Rücktritt erklärte (und dann den Rücktritt vom Rücktritt). Diesmal „hat er die Prämienfrage als Erstes geregelt. Dass das entscheidend ist, war mir vom ersten Tag an klar.“ Die administrative Organisation im afrikanischen Fußball hat sich nach Pfisters Erfahrung „leicht verbessert“. Die technische Infrastruktur - Ausbildung, Spielstätten, Sportmedizin - allerdings nicht, denn das sei abhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. „Und Afrika hat andere Probleme als Fußball.“

Dass drei, beinahe vier deutsche Trainer beim Afrika-Cup vertreten sind (neben Pfister und Vogts Reinhard Fabisch mit Benin, während Uli Stielike in der Elfenbeinküste wegen der Erkrankung seines Sohnes verzichtete) - das spiegle „den Trend im Weltfußball“, sagt Pfister. „Seit der WM 2006 sind deutsche Trainer wieder weltweit gefragt. Die Klubs und Verbände gehen halt mit der Mode.“ Seine Erwartung: „Wenn wir im Juni bei der EM versagen, dann sind deutsche Trainer wieder out.“

Quelle: F.A.Z., 19.01.2008, Nr. 16 / Seite 28
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