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Afrika-Cup „Man muss dem Kontinent eine Chance geben“

10.01.2010 ·  Der Deutsche Joachim Schubert ist Arzt der algerischen Nationalelf beim Afrika-Cup, der an diesem Sonntag beginnt. Bei Schüssen auf das Team von Togo starben drei Menschen. Im F.A.S.-Interview spricht Schubert über Gewalt, Chaos und Hoffnung.

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Joachim Schubert ist Teamarzt der algerischen Nationalmannschaft beim Afrika-Cup. Vor dem Beginn des Turniers in Angola wurde der Bus der togoischen von Separatisten beschossen. Drei Menschen erlitten tödliche Verletzungen.

Nachdem zunächst beschlossen wurde, nicht am Turnier teilzunehmen, entschieden sich die Spieler aus Togo in der Nacht zum Sonntag anders und wollen nun doch am Montag gegen Ghana spielen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Schubert über Chaos am Flughafen, eine Absage des Turniers und die WM in Südafrika.

Sie betreuen das algerische Fußball-Nationalteam bei der Afrika-Meisterschaft in Angola. Wie sicher fühlen Sie sich nach dem Anschlag auf das Team Togos?

Hier in Luanda fühle ich mich recht sicher, obwohl bei unserer Ankunft am Flughafen ein großes Chaos herrschte und es überhaupt keine Sicherheitsmaßnahmen für ankommende Nationalmannschaften gab. Aber hier in der Großstadt gibt es eine recht große Militär- und Polizeipräsenz. Wie es an den kleineren Spielorten aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Im vorigen November wurden Sie mit dem algerischen Team in Kairo selbst Opfer von Gewalt. Wie gehen Sie damit um?

Unser Entsetzen war am Freitag natürlich besonders groß, weil wir noch von den Vorfällen nach dem WM-Qualifikationsspiel in Ägypten geprägt sind. Auf unseren Mannschaftsbus wurden zwar nur Steine geworfen, aber auch sie hätten töten können. Von unseren Spielern leidet der eine im Stillen, der andere zeigt einen gewissen Defätismus. Aber alle fragen sich: Wie kann man ein Turnier in einem Land wie Angola austragen, das nicht sicher ist?

Haben Sie im algerischen Team über eine mögliche Absage des Afrika-Cups diskutiert?

Das haben wir. Aber eine Absage würde ein Einknicken vor der Gewalt bedeuten. Auf der anderen Seite war der Anschlag für die angolanischen Behörden eine mehr als große Warnung, die Situation ernst zu nehmen und das Maximale zu tun, um die Sicherheit der Mannschaften zu gewährleisten. Aber ein Anschlag kann auch jederzeit in Europa geschehen, wie bei den Olympischen Spielen in München 1972.

Werfen solche Gewaltausbrüche wie in Kairo oder nun in Angola nicht ein schlechtes Licht auf den Fußball-Kontinent Afrika und die kommende WM in Südafrika?

Wie in Südamerika ist auch der afrikanische Fußball sehr emotional. Bruderkriege werden stellvertretend im Fußball ausgetragen, und auch die Medien heizen die Stimmung an und missbrauchen den Sport. Es ist traurig, dass der Fußball von Interessengruppen ausgesucht wird, um Spieler zu schädigen, die mit den Konflikten überhaupt nichts zu tun haben. Auf der anderen Seite muss man dem Kontinent eine Chance geben. So lenkt der Afrika-Cup die Aufmerksamkeit auf Angola, auf die hier herrschende Armut und die anderen Probleme. Man sollte den Afrikanern darum nicht die Turniere wegnehmen, aber in puncto Sicherheit mehr Vorsorge treffen.

Nach Togo und Kamerun ist Algerien die dritte afrikanische Mannschaft, die Sie medizinisch betreuen. Warum bleiben Sie dem Kontinent trotz aller Unbill treu?

Mich reizt die Emotionalität auf diesem Kontinent, die für uns Europäer ganz fremd und spannend ist. Außerdem reizt es sehr, mit den talentierten afrikanischen Mannschaften etwas aufzubauen. Man wächst als Fremdling dort hinein, wird akzeptiert und hat das Ziel, die medizinische und physiotherapeutische Betreuung auf den europäischen Stand zu heben.

Sie sitzen also nicht auf gepackten Koffern, um möglichst schnell heim nach Sprockhövel zu reisen?

Ich hoffe, bis zum 31. Januar in Angola bleiben zu können. Mit Algerien das Endspiel zu bestreiten, das ist mein ganz großer Wunsch.

Die Fragen stellte Thomas Klemm.

Quelle: F.A.Z.
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