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Afrika Cup in Angola Tote bei Beschuss auf Togos Mannschaftsbus

09.01.2010 ·  Blutiger Auftakt ins afrikanische Fußballjahr: Als das Nationalteam Togos nach Angola einreisten, eröffneten Separatisten das Feuer. Der Assistenztrainer und der Pressesprecher wurden getötet. Der Sport wird beim Afrika Cup zur Nebensache.

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Grausamer hätte der Auftakt dieses afrikanischen Fußballjahres kaum sein können. Zwei Tage vor dem Beginn des Afrika Cups in Angola und fünf Monate vor Beginn der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden in Südafrika sind bei einem bewaffneten Angriff auf den Mannschaftsbus Togos zwei Menschen getötet worden, weitere wurden verletzt. Die Regierung Angolas verurteilte den Angriff am Freitagabend als „terroristischen Akt“.

Der Bus mit Spielern und Funktionären, darunter der bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stehende Ergänzungsspieler Assimiou Toure, geriet am Freitag kurz nach dem Passieren der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Angola unter Maschinengewehrfeuer. Das Grenzgebiet gilt wegen aufständischer Gruppen als besonders unsicher. Zu dem Anschlag bekannte sich die „Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda“. Die Gruppe drohte nach Angaben der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa mit weiteren Anschlägen während des Afrika Cups.

Die Mannschaft Togos hatte in Vorbereitung auf das Turnier in Kongo ein Trainingslager absolviert. „Wir hatten gerade die Grenze überschritten, um uns herum waren Polizeibusse. Alles sah gut aus, als plötzlich das Feuer auf uns eröffnet wurde“, berichtete der togoische Stürmer Thomas Dossevi, der für den FC Nantes spielt, dem Sender Radio Monte Carlo. „Wir wurden mit automatischen Waffen wie Hunde beschossen und haben uns 20 Minuten lang unter unseren Sitzen versteckt gehalten.“

„Wir sind bestürzt, denken an unseren Mitspieler“

Ein Mitglied der afrikanischen Fußball-Konföderation Caf erklärte am Samstag in Cabinda, es handele sich bei den beiden Toten um den Assistenztrainer des Teams und den Pressesprecher. Vorherige Berichte, es sei der Busfahrer getötet worden, seien falsch. „Abolo Amelete und Stanislas Ocloo sind um vier Uhr am frühen Morgen verstorben“, sagte Kodjo Samlan, der für Togos Mannschaft zuständige Caf-Sprecher. Zu den Verletzten zählten unter anderem Obilale Kossi, Torhüter des französischen Amateurklubs GSI Pontivy, sowie Verteidiger Serge Akakpo vom rumänischen Klub Vaslui.

Akakpos Verein teilte mit, der 22-Jährige sei von zwei Kugeln getroffen worden und habe viel Blut verloren. Er sei aber nicht in Lebensgefahr. Assimiou Toure von Bayer Leverkusen ist unverletzt geblieben. „Er ist körperlich nicht verletzt. Er ist gesund, und es geht ihm den Umständen entsprechend gut“, sagte Leverkusens Pressesprecher Dirk Mesch dem Sport Informations-Dienst. „Wir sind bestürzt, denken an unseren Mitspieler. Natürlich auch daran, dass in vier, fünf Monaten in Afrika die Weltmeisterschaft stattfindet“, sagte Kapitän Simon Rolfes.

Der Star der togoischen Mannschaft, Emmanuel Adebayor, blieb nach Angaben seines englischen Klubs Manchester City unversehrt. Nach Angaben des togoischen Verbandes war mit der Mannschaft ursprünglich vereinbart worden, dass sie fliegen und nicht per Bus nach Angola reisen sollte. Daher erhob das Organisationskomitee in Angola (Cocan) schwere Vorwürfe. „Die Regeln waren eindeutig: Kein Team sollte mit dem Bus anreisen. Ich weiß nicht, was Togo bewogen hat, es trotzdem zu tun“, sagte Virgilio Santos, Mitglied des Cocan. In der ölreichen Nordprovinz Cabinda kommt es seit der Unabhängigkeit Angolas 1975 immer wieder zu bewaffneten Konflikten.

„Die Bedingungen sind in keiner Form günstig zu nennen“

Mit dem Afrika-Cup, der am Sonntag im neuen Nationalstadion von Luanda eröffnet werden soll, waren in Angola viele Hoffnungen verbunden. In Luanda und den Provinzhauptstädten Cabinda, Benguela und Lubango wollte man der Welt und vor allem den Afrikanern ein Turnier der Superlative bieten. Der Fußball, so glaubte man, könne zudem helfen, die große Lücke zwischen Arm und Reich im Land zumindest vorübergehend vergessen zu lassen.

„Der Afrika-Cup soll in unserer Bevölkerung die Leidenschaft für den Sport entfachen und damit die soziale Integration fördern“, verkündete Angolas Minister für Jugend und Sport, Gonçalvez Muandumba, kürzlich im staatlichen Fernsehen. „Die Entscheidung für Angola war ein Vertrauensbeweis in unsere politische Stabilität und ökonomische Potenz. Und wir haben alles getan, um dieses für den Kontinent so wichtige Turnier zu einem glänzenden Aushängeschild für den Fortschritt Afrikas werden zu lassen.“ Schöne harmonische Worte, die nun von der Wirklichkeit überholt sind.

Skepsis gegenüber dem Ausrichterland hatte es schon vorher gegeben, wenn auch aus vergleichsweise harmlosen Gründen. So ist es ein offenes Geheimnis, dass die Entscheidung für Angola als Austragungsland des Afrika-Cups 2010 nicht gerade Begeisterungsstürme bei den übrigen afrikanischen Ländern ausgelöst hatte. Segun Odegbami, ehemaliger Kapitän der nigerianischen Nationalmannschaft, hatte gesagt, dass er dem Afrika-Cup in Angola mit Skepsis entgegensehe. „Die Bedingungen sind in keiner Form günstig zu nennen“, sagte er. „Die Hotels in Angola sind einfach viel zu teuer. Und das Reisen in Angola ist eine Katastrophe. Für die meisten unserer Fans bedeutet dies, dass sie uns live nicht unterstützen können.“

„Ich kann nur an eines denken: den Wettbewerb abzublasen“

Auch Calvin Jordan, der für das WM-Komitee Südafrikas in Angola hospitiert, beschlichen hinsichtlich der kommenden Wochen dunkle Vorahnungen. „Ein chaotischer Afrika-Cup würde auch die Zweifel an der Organisation unserer Weltmeisterschaft erneuern“, sagte Jordan. Und was eigentlich auf Fragen der Infrastruktur gemünzt war, bekommt nun womöglich eine ganz neue Dimension. Die vor allem außerhalb Afrikas schwelenden Zweifel an der Sicherheit für Leib und Leben dürften sich jedenfalls noch einmal verstärken.

An Sport wollte nach den Ereignissen vom Freitag kaum einer denken. Bei der Mannschaft Togos, die am Montag auf Ghana treffen soll, ist man sich noch nicht einmal sicher, ob man überhaupt antreten soll. „Ich kann nur an eines denken: den Wettbewerb abzublasen und nach Hause zu fahren“, meinte Alaixys Romao vom französischen Klub Grenoble Foot. Und sein Teamkollege Dossevi sagte: „Wir wollen nicht bei diesem Afrika-Cup spielen. Wir denken an unsere Teamkollegen. Von Kugeln getroffen zu werden, wenn man zum Fußballspielen kommt, ist widerlich.“

„Ich habe zwei Spieler dort, und ich will, dass sie nach Hause kommen“

„Niemand ist bereit, hier sein Leben zu riskieren. Ich denke, dass viele Spieler nach Hause wollen“, sagte Kapitän Adebayor. Eine Entscheidung über die Teilnahme soll an diesem Samstag fallen. Das Turnier werde nach Aussagen der Veranstalter aber auf jeden Fall wie geplant am Sonntag beginnen. Derweil forderte der Fußball-Weltverband von Afrikas Fußball-Konföderation (Caf) Aufklärung über die Vorkommnisse - sicherlich auch mit Blick auf die WM in Südafrika im Juni und Juli.

Nach dem Überfall auf das togolesische Team forderte der Trainer des Premier-League-Vereins Hull City, Phil Brown, seine beim Afrika Cup eingesetzten Spieler zur Rückkehr nach England auf. „Ich habe zwei Spieler dort, und ich will, dass sie nach Hause kommen“, sagte Brown der Boulevardzeitung „The Sun“. Hulls Stürmer Daniel Cousin gehört zur Nationalelf Gabuns, Mittelfeldmann Seyi Olofinjana spielt für Nigeria. Der FC Portsmouth, der vier Spieler für den Afrika-Cup abgestellt hat, schloss sich der Forderung unter Vorbehalt an. „Die Sicherheit unserer Spieler steht an oberster Stelle, und wenn die nicht garantiert werden kann, sollten sie nach Hause geschickt werden“, sagte Vereinssprecher Gary Double.

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