Home
http://www.faz.net/-gtm-6x8ta
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Mittwoch, 22. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Afrika-Cup Gewinnt Spanien die Afrikameisterschaft?

29.01.2012 ·  Spanien ist im Moment im Fußball das Maß der Dinge - auch beim Afrika-Cup? Denn die Mannschaft von Äquatorialguinea ist ohne Einheimische auf dem Erfolgsweg.

Von Daniel Meuren
Artikel Bilder (8) Lesermeinungen (1)
© REUTERS Festtag: In Malabo nach dem Sieg gegen Senegal

Die Nationalhymnen haben die Spieler der Mannschaft von Afrika-Cup-Gastgeber Äquatorialguinea auch vor dem Spiel gegen den Senegal mit einer Inbrunst gesungen, die bei anderen Nationalmannschaften dieser Erde ihresgleichen sucht. Es ist auch durchaus ein schönes und für den Kampf auf dem Rasen ermutigendes Lied mit Passagen wie „Gehen wir kräftigen Schrittes auf dem Weg unserer großen Freude in Brüderlichkeit, ohne Trennung“.

Der aufmunternde Text mag dazu beigetragen haben, dass sich die wackeren Sänger mit dem 2:1-Sieg nicht nur einen der Favoriten aus dem Wettbewerb, sondern sich selbst überraschend souverän schon vor dem dritten Gruppenspiel an diesem Sonntag gegen Sambia (19 Uhr/live in Eurosport) ins Viertelfinale des Turniers der besten 16 afrikanischen Mannschaften befördert haben.

Um so bemerkenswerter sind Sangesfreude und Textsicherheit, da die Spielstärke ein Resultat guter Transferpolitik ist. Denn kein einziger der Spieler, der in der Startelf des Teams stehen, ist in dem Land an der Westküste Afrikas geboren. Die meisten Spieler der Auswahl des schwarzafrikanischen Landes stammen aus Spanien, weswegen sich der Welt- und Europameister Hoffnungen auf den eigentlich unmöglichen Titel als Afrikameister machen darf.

Nach Angaben des guineischen Verbandes haben zwar alle zehn „Spanier“, die bis auf die Ausnahmen des Kurzzeit-Real-Spielers Javier Balboa und Rodolfo Bodipo (Deportivo La Coruna) bei unterklassigen Klubs spielen, im Kader des Turnierausrichters ihre Wurzeln in Äquatorialguinea. Und tatsächlich gab es in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts während der Diktatur Francisco Macías Nguemas eine Fluchtwelle aus dem afrikanischen Staat mit der Amtssprache Spanisch ins Land der ehemaligen Kolonialherren.

Dennoch weckt der so spanisch geprägte Aufschwung der äquatorialguineischen Mannschaft Misstrauen, zumal das Land schon im vergangenen Jahr bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland bereits mit einer ähnlich zweifelhaften Strategie zum Erfolg zu kommen suchte.

  1/7  
© REUTERS Seine Kassen sind gut gefüllt: Präsident Teodoro Obiang lässt sich die Siege der Nationalmannschaft einiges kosten

Damals stand das Team nicht nur im Verdacht, in der Qualifikation zwei Männer eingesetzt zu haben. Zudem bildeten mehr als ein halbes Dutzend Brasilianerinnen neben der tatsächlich in Äquatorialguinea geborenen und heute bei Turbine Potsdam spielenden Genoveva Anonma den Kern der Nationalauswahl.

Allzu offensichtlich hatte dabei keine der eingebürgerten Brasilianerinnen die seit einigen Jahren recht strengen Richtlinien der Fifa-Statuten bezüglich eines Wechsel zu einem anderen Nationalverband erfüllt. Gemäß der Vorgaben der Artikel 5 bis 8 des Fifa-Reglements muss ein Akteur entweder im Land geboren sein, Eltern oder Großeltern aus dem Land vorweisen oder aber mindestens fünf Jahre ununterbrochen in dem Land gelebt haben.

Der Weltverband und der afrikanische Verband Caf sahen sich jedoch ohne konkreten Protest eines Konkurrenten nicht genötigt, die Spielberechtigungen zu überprüfen. So wurde bei der Frauenfußball-WM letztlich nur die in Spanien lebende Jade Boho suspendiert, weil sie bereits für eine spanische Juniorenauswahl gespielt hatte. Diese Sperre kostete Äquatorialguinea auch die Olympiaqualifikation.

Namibia wollte sich bis zuletzt einklagen

Dieses Jahr ist zumindest Dan Kamati höchst skeptisch, ob die komplette Männer-Elf der Eingebürgerten diese Voraussetzungen erfüllt. „Wir reden hier in Afrika viel über Spieler, die eigentlich für ihre Teams nicht spielen dürften“, sagt der Sprecher des Fußballverbands von Namibia.

Dessen Nationalmannschaft sieht sich als Opfer des allzu laxen Umgangs des afrikanischen Fußballverbands Caf mit der Thematik. Bis kurz vor dem Turnier hatte sich Namibia vergeblich ein Teilnahmerecht zu erstreiten versucht, da Burkina Faso im entscheidenden Qualifikationsspiel den nicht spielberechtigten Hervé Zengue aufgeboten habe. Zengue, kamerunischer Herkunft, ist nun von Burkina Faso nicht aufgeboten worden, was die Namibier als spätes Schuldeingeständnis werten.

Der Generalsekretär des afrikanischen Verbands Caf, Hicham El Amrani, erklärte erst dieser Tage im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass es für seine Organisation unmöglich sei, die Spielberechtigung jedes Spielers bis ins kleinste Detail zu überprüfen.

Im Fall des erstmals an einer Turnierendrunde teilnehmenden Äquatorialguinea sind außer bei den „Spaniern“ vor allem auch bei Leistungsträgern wie dem „brasilianischen“ Torwart Danilo oder Thierry Fidjeu-Tazemeta, einst Kapitän der U21 von Kamerun, Zweifel angebracht.

Auffällig ist auch, dass der Ivorer Fousseny Kamissoko und der Kameruner Narcisse Ekanga offenbar erst sehr zeitnah zum Turnier ihre Pässe erhalten und die ersten Länderspiele bestritten haben. „Bisher hat kein Teilnehmerland protestiert“, sagt der Namibier Kamati.

„Vielleicht haben die Guineer ja auch tatsächlich alle Regularien eingehalten, das mag ich nicht kommentieren. Aber zumindest entspricht die Einbürgerungspraxis nicht unserem Verständnis eines Wettbewerbs der afrikanischen Nationen. Es wäre zumindest gut, wenn die Verbände darauf drängen würden, alles offenzulegen.“

Den Spielern Äquatorialguineas werden die Klagen recht gleichgültig sein. Für sie bietet die Turnierteilnahme die Chance auf die größten Einnahmen ihrer Spielerkarriere. Teodoro Obiang, der das 600.000 Einwohner-Land diktatorisch regiert, hat offensichtlich allein für jeden Vorrundensieg eine Million Dollar für die Mannschaftskasse ausgelobt. Diese Finanzmittel kann sich Obiang wegen der Erdölvorkommen locker leisten.

„Es wird alles eingebürgert, was eingebürgert werden kann“

„Das Land hat sehr viel Geld, von dem es seit einigen Jahren einiges in den Fußball steckt“, sagt Otto Pfister, der bereits in 13 afrikanischen Ländern meist als Nationaltrainer gearbeitet und 2009 mit der Mannschaft Kameruns einmal gegen Äquatorialguinea gespielt hat.

„Und wenn das so ist, machen sie in Afrika alles, was nach den Regeln irgendwie möglich ist, um eine Mannschaft zu verstärken. Da wird alles eingebürgert, was eingebürgert werden kann. Das ist ja dann auch ein Statussymbol für den Staatspräsidenten.“ Pfister erzählt dann die Geschichte eines Appels zum Besuch um 5 Uhr morgens beim damaligen zairischen Diktator Mobutu. „Er machte mich darauf aufmerksam, dass der angolanische Präsident Dos Santos nicht unbedingt sein Freund sei und wir doch bitte das Spiel gegen Angola gewinnen mögen“, sagt Pfister.

Teodoro Obiang scheint sein Image nun als auch sportlich erfolgreicher Turniergastgeber auf ähnlichem Weg aufpolieren zu wollen. Vielleicht erklärt das die Textsicherheit der Nationalspieler Äquatorialguineas bei der Nationalhymne.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   22  33   49 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   22  23   46 Verbesserung zur Vorwoche
3.  Logo: Bayern München
Bayern München   22  35   45 Verschlechterung zur Vorwoche
4.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   22  22   44 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   22  1   36 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   22  3   34 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   22  0   34 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   22  -15   27 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   22  1   26 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   22  -2   26 Verbesserung zur Vorwoche
11.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   22  -10   26 Verschlechterung zur Vorwoche
12.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   22  -11   25 Verbesserung zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   22  -6   24 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   22  -13   24 Verschlechterung zur Vorwoche
15.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   22  -12   20 Gleichheit zur Vorwoche
16.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   22  -12   18 Gleichheit zur Vorwoche
17.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   22  -17   18 Gleichheit zur Vorwoche
18.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   22  -20   18 Gleichheit zur Vorwoche

Weltklasse untergetaucht

Von Michael Reinsch

Dicker Verlust: Deutschen Leichtathleten gehen nach der dem Aus für die „Weltklasse“-Sportfeste in der Provinz hochwertige Startmöglichkeiten verloren. Wo eigentlich sollen sie zeigen, dass sie bei Olympia sollten? Mehr