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Rückkehr nach Flugzeugabsturz : Der emotionale Sieg des AF Chapecoense

  • Aktualisiert am

Die Spieler des AF Chapecoense gedenken der Verstorbenen. Bild: dpa

Erstmals nach dem tragischen Flugzeugabsturz, bei dem ein Großteil des Teams starb, tritt AF Chapecoense im Ausland an. Dabei gelingt der brasilianischen Elf gleich ein Sieg in einem besonderen Spiel.

          Den ersten internationalen Auftritt nach dem tragischen Flugzeugabsturz im vergangenen Jahr hat der brasilianische Fußballverein AF Chapecoense für sich entschieden. Das Team setzte sich am Dienstag in der Copa Libertadores mit 2:1 gegen Atlético Zulia durch. Für die Gäste trafen im venezolanischen Maracaibo Reinaldo (33.) und Luiz Antonio (68.). Der frühere Mönchengladbacher Juan Arango verkürzte für die Gastgeber in der 77. Minute zum Endstand. Die Mannschaft wurde von den venezolanischen Fans mit Applaus im Stadion empfangen. Nach dem emotionalen Debüt in Maracaibo steht „Chape“ an der Spitze der Gruppe 7 in der Copa Libertadores. Die Gruppengegner Lanús aus Argentinien und Nacional aus Uruguay spielen am kommenden Donnerstag.

          Schon im Januar gab es das erste Spiel der neu formierten Mannschaft. Für Jackson Follmann war es eine Rückkehr, die kaum auszuhalten war. Im Rollstuhl wurde er auf das Spielfeld der heimischen Arena Condá geschoben. Wie durch ein Wunder war er aus dem Wrack des an einem Berg in Kolumbien zerschellten Flugzeugs gezogen worden. Sein rechtes Bein musste amputiert werden. Auf den Rängen jubeln ihm damals tausende Menschen in grün-weißen Trikots zu. Er weinte. Mit dem Torwart betraten Neto und Alan Ruschel das Spielfeld – die drei Fußballer überlebten als einzige Spieler den Flugzeugabsturz bei Medellín.

          Die Mannschaft des südbrasilianischen Provinzklubs AF Chapecoense war am 28. November auf dem Weg zum Finalhinspiel um die Copa Sudaméricana 2016. Die Chartermaschine stürzte wegen Treibstoffmangels wenige Kilometer vor dem Flughafen ab, der Chef der Gesellschaft LaMia sitzt seither in Haft. Statt des größten Spiels wurde es für den Klub aus Südbrasilien die größte Katastrophe. 71 Menschen starben, darunter 19 Spieler und 24 Betreuer und Begleiter.

          Erstmals trat Chapecoense wieder in einem anderen Land an nach dem tragischen Absturz. Bilderstrecke
          Erstmals trat Chapecoense wieder in einem anderen Land an nach dem tragischen Absturz. :

          Im Januar trat das neuformierte Team, bestehend aus Neuzugängen, Nachwuchsspielern und nicht mit nach Kolumbien geflogenen Kickern zu Spiel eins nach der Tragödie an, gegen Meister Palmeiras aus São Paulo. Der Sport war bei dem Benefizspiel – die Einnahmen gingen an die Hinterbliebenen – fast Nebensache. Aber das 2:2 war ein großer Achtungserfolg. Die überlebenden Neto und Ruschel hoffen, irgendwann auch wieder mitspielen zu können.

          Vor dem Anpfiff erhielt Jackson Follmann damals den großen silbernen Pokal, den er eigentlich mit seinen Mitspielern auf dem Spielfeld erringen wollte. Auf Antrag des Finalgegners Atlético Nacional Medellín hatte „Chape“ den Titel der Copa Sudaméricana – vergleichbar mit der Europa League – zugesprochen bekommen und auch die zwei Millionen US-Dollar Preisgeld erhalten. Mit Tränen in den Augen nahm Follmann seinerzeit den Pokal entgegen, es war wohl einer der traurigsten Ehrungen in der Fußball-Geschichte. Kein Konfetti, hinter ihm standen die Witwen der gestorbenen Mitspieler und Betreuer, viele hatten ihre Kinder dabei, die ihre Väter verloren haben.

          Nach Flugzeugabsturz : Chapecoense spielt wieder

          Die Witwen bekamen die Siegermedaillen der Copa überreicht. Viele lagen sich in den Armen, „Chape“-Gesänge erfüllten das weite Rund. Es schien die Sonne, als Anfang Dezember hier die Särge im Stadion bei der großen Trauerfeier aufgebahrt wurden, regnete es in Strömen. Der Verein wurde durch das unfassbare Schicksal weltbekannt, gewann Zehntausende neue Mitglieder. Im Sommer darf AF Chapecoense sogar zu einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona im Nou Camp antreten.

          In der 71. Minute gab es gegen Palmeiras noch einmal einen besonderen Moment. Die Partie wurde für 60 Sekunden unterbrochen, um der 71 Toten von Medellín zu gedenken. Das ganze Stadion applaudierte, dann ertönte tausendfach der Ruf, der weltweit bekannt wurde: „Vamos, Vamos, Chape.“ Mit dem Sieg bei der ersten Auswärtsreise am Dienstag (Ortszeit) nun ist ein Stück weit Fußballnormalität zurückgekehrt. Doch AF Chapecoense wird für immer mit dem tragischen Verlust leben müssen.

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          Quelle: tora./dpa

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