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AC Mailand Dr. Silvios Mentalsanatorium

14.02.2012 ·  Der AC Mailand hat ein Faible für schwierige Stars wie Zlatan Ibrahimovic oder Kevin-Prince Boateng - nun trifft der Berlusconi-Klub auf den FC Arsenal und dessen Legende Henry.

Von Christian Eichler
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© dapd Klub- statt Ministerpräsident? Der AC Mailand bietet auch Silvio Berlusconi die Chance auf Resozialisierung (Foto: Im Sommer 2011 mit Milan-Kapitän Ambrosini)

Nicht für jeden ist Barcelona der große Fußballtraum. Zlatan Ibrahimovic und Thierry Henry, die beiden besten Torjäger des vergangenen Jahrzehnts in der italienischen Serie A und der englischen Premier League, die an diesem Mittwoch mit AC Mailand und FC Arsenal im Achtelfinale der Champions League aufeinandertreffen - diese beiden Weltstars erlebten eine kurze gemeinsame Zeit beim FC Barcelona.

Henry gewann dort sogar die Champions League, den einzigen großen Titel, der ihm noch gefehlt hatte. Eine gute Zeit war es aber für keinen der beiden. Henry, einst weltbester Mittelstürmer, landete bei Barca erst auf dem Flügel, dann auf der Bank, schließlich in Amerika.

Ibrahimovic, in Italien als egomanischer Torjäger verehrt, kam mit der Spielweise von Barcelona, die auch Stars maximale Mannschaftsdienlichkeit abfordert, nicht zurecht. Er wurde schon nach einem Jahr mit Verlust verkauft.

Wie sehr der Schwede den Eigen- über den Gemeinsinn stellt, zeigt seine Version des entscheidenden Bruchs mit Barca-Trainer Josep Guardiola, die Ibrahimovic in seinen 2011 erschienenen Memoiren veröffentlichte. Er schreibt, er habe Guardiola in der Kabine gesagt: „Du hast keine Eier und machst dir vor Mourinho in die Hose. Leck mich!“

Platz sogar für Cassano

Viele Klubs würden von solchen Leuten die Finger lassen. Beim AC Mailand aber nahm man ihn mit Kusshand. Dieser Klub hat ein Faible für Spieler, die anderswo anecken. Spieler wie Kevin-Prince Boateng, der wegen seiner Unberechenbarkeit von allen früheren Klubs trotz großen Talents weitergereicht wurde und bei Milan zum verlässlichen Topspieler gereift ist.

Nicht mal vor der Verpflichtung des wilden Antonio Cassano, der zuletzt bei Sampdoria Genua rausgeflogen war, weil er den Präsidenten in übelster Fäkalsprache beschimpft hatte, schreckten sie zurück. „Ich habe viel Blödes getan, aber ich bedaure nichts“, sagte Cassano. „Milan ist meine letzte Chance. Sonst bleibt mir nur noch die Irrenanstalt.“

Sogar für die Resozialisierung des eigenen Besitzers bietet der Verein ein fruchtbares Feld. Nach dem Rücktritt als Ministerpräsident kündigte Silvio Berlusconi an, nun wieder Präsident seines Vereins werden zu wollen („Ich bin der Vereinschef, der am meisten im Fußball gewonnen hat, doppelt so viel wie Santiago Bernabeu“).

Lopez statt Tevez

Der Neuzugang Cassano, den Berlusconi vor einem Jahr holen ließ, wurde zwar erfolgreich integriert, musste dann aber am Herzen operiert werden. Bei der Suche nach Ersatz fühlte man sich in Dr. Silvios Mentalsanatorium sogar kompetent genug für Carlos Tevez, den wilden Argentinier, der seit seiner Arbeitsverweigerung im Vorrundenspiel bei Bayern München auf dem Abstellgleis von Manchester City gelandet war. Doch in den letzten Stunden der Transferperiode Ende Januar scheiterte dessen Verpflichtung.

So wurde stattdessen Tevez’ Landsmann Maxi Lopez, der fünf Tage lang in einem Mailänder Hotel auf den Ausgang des Deals gewartet hatte, in letzter Sekunde als Leihgabe aus Catania übernommen. Was keine schlechte Idee war, denn am Samstag wendete Lopez mit einem Tor und einer Torvorlage das Spiel in Udine spät zum 2:1-Sieg und brachte den Meister an die Tabellenspitze - die sich Juventus Turin in zwei Nachholspielen allerdings zurückholen kann. Zuvor hatte Milan drei der vergangenen fünf Partien verloren.

Noch ein Kapitel Champions League für Henry

Aber nicht nur Rückschläge, auch Schläge gehören ab und an zur Mailänder Therapie. Einstecken musste sie Mark van Bommel, der frühere Bayern-Kapitän, dem beim 3:1-Pokalsieg gegen Lazio Rom André Dias einen Hieb in den Nacken verpasste. Austeilen durfte dafür Ibrahimovic, der beim 0:0 gegen Neapel Salvatore Aronica eine Ohrfeige gab. Seitdem ist der Torjäger derzeit in der Serie A gesperrt, nicht aber in der Champions League.

Das verspricht ein schönes Duell zwischen dem 30-jährigen Ibrahimovic, für den es bereits der achte Platzverweis seiner Karriere war, und dem 34-jährigen Henry, der durch sein Handspiel in der WM-Qualifikation mit Frankreich gegen Irland 2009 nach einer sonst vorbildlichen Karriere in ein schlechtes Licht geraten war.

Inzwischen wird das aber von seinem Kurz-Comeback bei Arsenal überstrahlt. Bei sechs Einwechslungen traf er dreimal - zweimal davon entscheidend, wie beim 2:1 in der 90. Minute am Samstag in Sunderland. Am Tag nach der Partie in Mailand wird er das sechswöchige Intermezzo bei seinem alten Klub beenden und zu den New York Red Bulls zurückkehren. „Er hat die Geschichte seiner Legende in der Premier League vollendet“, sagte Trainer Arsène Wenger. „Ich hoffe, er fügt ihr in der Champions League noch ein Kapitel hinzu.“

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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