Der FC Bayern, in dieser Saison bisher ein Team mit zwei Gesichtern, hat sich im richtigen Moment wieder von seiner besten Seite gezeigt - und so am Dienstag im Achtelfinale der Champions League aus dem befürchteten Nervenspiel gegen den FC Basel die von den Fans erhofften bayrischen Festspiele gemacht.
Mit einem offensiv glanzvoll und defensiv makellos herausgespielten 7:0-Sieg gegen den Schweizer Meister machte der deutsche Rekordmeister das 0:1 aus dem Hinspiel mehr als wett und verwandelte die Niederlage vom Aschermittwoch in einen spielerischen Karneval. Das Schützenfest gegen den Schweizer Meister war der höchste Sieg der Bayern in der europäischen Königsklasse.
Arjen Robben hatte früh die Führung erzielt (10. Minute), die den Rückstand in der Gesamtwertung ausglich, ehe Thomas Müller auf 2:0 erhöhte (42.). Danach beseitigte Mario Gomez, schon am Samstag beim 7:1 gegen Hoffenheim dreimal erfolgreich, mit vier Toren alle Zweifel: kurz vor der Pause mit rechts (43.) und nach dem Wechsel mit einem Hattrick per Kopf und zweimal mit links (49., 60. und 67.).
„Jetzt hat die Mannschaft zweimal gezeigt, was in ihr steckt. Es hat großen Spaß gemacht zuzuschauen. Die letzten zwei Spiele, das war Fußball auf hohem Niveau“, lobte Bayern-Präsident Uli Hoeneß seine Mannschaft. Auch die Akteure waren hoch zufrieden. „So macht das Spaß! Sieben Tore in der Champions League, das ist unglaublich“, frohlockte Robben. Rekord-Schütze Gomez war einfach nur happy: „Wir haben Gas gegeben und unglaublich viel Druck gemacht. Alles in allem haben wir ein überragendes Spiel geboten.“
Ribery als Vorbereiter
Einen Vorlagen-Hattrick verdiente sich dabei Franck Ribéry, der alle drei Gomez-Tore der zweiten Halbzeit am linken Flügel glänzend eingeleitet hatte. Zehn Minuten vor dem Ende besorgte der entfesselte Robben den Endstand.
Damit zeigten die Bayern, die zuletzt eine seltsame Auswärtsschwäche beklagt hatten, wieder ihre Schokoladenseite, die sie seit Monaten nur für ihr Heimpublikum reserviert haben. Gegen Basel knüpften sie im bisher wichtigsten Spiel der Saison an ihre starken Heimdarbietungen der Champions-League-Vorrunde gegen Manchester City und Neapel an.
Vor der Partie hatte Gomez gefordert, man dürfe Basel „keine Luft zum Atmen geben“. Und das Team hielt sich von Beginn an konsequent an diese Vorgabe. Schon nach sechs Minuten bot sich Robben auf Zuspiel von Müller die große Chance zur Führung, doch der Holländer zögerte zu lang mit seinem Schuss, so dass Dragovic ihn noch abblocken konnte. Beim nächsten Angriff schoss er aus 17 Metern flach und scharf am kurzen Eck vorbei.
Bayern stürmt, Basel wackelt
Die Bayern drängten, aber noch fehlte die Genauigkeit beim Spiel in den Strafraum - dafür half dann ein wenig das Glück im rechten Moment. Kroos fand keine Anspielstation, entschied sich für einen Flachschuss aus 18 Metern, den er nicht gut traf, doch der Ball wurde genau in den Lauf von Robben abgefälscht, der im Rücken der Abwehr völlig frei den Ball annehmen und halbhoch ins rechte Eck zum befreienden 1:0 setzen konnte. Basel wackelte nun wie ein angeschlagener Boxer.
Der nächste Angriff: Robbens Schuss, von Torwart Yann Sommer zur linken Seite abgewehrt, Ribéry von dort sofort quer auf Gomez, der den Ball mit der Hacke aus vier Metern schön traf, aber am glänzenden Schlussmann scheiterte.
Der übernächste Angriff: Wieder Gomez, wieder Sommer. Immer wieder war es der neue Schweizer Nationaltorwart, der sein Team im Spiel hielt, so auch nach 22 Minuten mit einer Blitzreaktion nach einem Kopfball von Müller. Es folgten zwanzig etwas ruhigere Minuten, in denen beide Mannschaften mit dem Resultat erst einmal zufrieden schienen - die Schweizer um Schadensbegrenzung bemüht, die Bayern darum, eine kontrollierte Form der Offensive zu finden.
Das gelang, denn von Basel ging nie Gefahr aus, abgesehen von einer langen Flanke von Streller auf Frei, der nach vierzig Minuten den Ball aber erst kurz nach dem Aufsetzen aus spitzem Winkel traf und nicht mehr Richtung Tor drücken konnte.
Tolle Freistoßvariante
Es blieb die einzige nennenswerte Torszene der Schweizer. Am Ende der ersten Halbzeit drehten die Bayern auf und entschieden binnen zwei Minuten die Partie. Nach 42 Minuten passte Cabral, der einzige Neue im Basler Team gegenüber dem Hinspiel, den Ball in der eigenen Hälfte unbedrängt in die Füße des Bayern Luiz Gustavo, der sofort Robben am rechten Flügel anspielte. Der Holländer wartete, bis Müller an die vordere Ecke des Fünfmeterraums gestartet war, schlug eine scharfe, halbhohe Flanke, die Müller volley ins kurze Eck setzte.
Und nur eine Minute später boten sie eine tolle Freistoßvariante, bei der gleich vier Bayern wie ein Geschwader im richtigen Moment durch die Abwehr der Basler stießen und Kroos den Ball butterweich von halblinks an den hinteren Pfosten schnibbelte, so dass Badstuber ihn querlegen und Gomez aus drei Metern Entfernung das leere Tor treffen konnte.
Arena wurde zur Festspielbühne
Nach der Pause wollte sich nun auch Franck Ribéry an den bayrischen Festspielen beteiligen. Der Franzose setzte sich links durch und bediente Gomez, der mit artistischer Direktabnahme zum 4:0 vollendete. Und weil’s so schön war, machten die beiden das gleich noch zweimal zum 5:0 und 6:0.
Als das halbe Dutzend voll war, wurde die Münchner Arena zur Festspielbühne. Zehntausende sangen „Oh, wie ist das schön“. Und dann wurde es noch schöner: Robben umkurvte Sommer und schob zum 7:0 ein. „Am Ende war es wie ein kleiner Rausch, da klappt dann alles“, sagte Thomas Müller.
„Favorit ist für mich immer noch Barcelona. Schön, wenn wir denen aus
dem Weg gehen könnten“, meinte Kapitän Philipp Lahm mit Blick auf die Auslosung des Viertelfinales in zwei Tagen. Aber wichtiger: Noch 66 Tage sind es bis zum Finale der Champions League, und wenn die Bayern es erreichen sollten, scheint plötzlich wieder alles möglich - denn es würde ein Heimspiel sein.
Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Kroos - Robben (82. Timoschtschuk), Müller (70. Schweinsteiger), Ribéry (79. Pranjic) - Gomez
FC Basel: Sommer - Steinhöfer (70. Degen), Abraham, Dragovic, Park - Shaqiri (80. Zoua), Cabral, Xhaka, Fabian Frei (61. Stocker) - Alexander Frei, Streller
Schiedsrichter: Clattenburg (England)
Zuschauer: 66.000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Robben (10.), 2:0 Müller (42.), 3:0 Gomez (44.), 4:0 Gomez (50.), 5:0 Gomez (61.), 6:0 Gomez (67.), 7:0 Robben (81.)
Gelbe Karten: Boateng / Cabral, Streller
Heynkes wäre jetzt der perfekte Nationalmannschaftstrainer
Jim Greek (Jos_Vik)
- 14.03.2012, 16:48 Uhr
Mit Genugtuung stelle ich fest, dass...
Alex Telemark (kimpi)
- 14.03.2012, 15:54 Uhr
Schade, dass Basel jetzt in der internationalen Presse so abgestraft wird
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 14.03.2012, 13:52 Uhr
Reine Formsache könnte...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 14.03.2012, 11:20 Uhr
Hertha und Rehagel sollten sich schon mal auf das Spiel mental vorbereiten
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 14.03.2012, 10:06 Uhr