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6:2 gegen Österreich Ein rauschendes Fußballfest

03.09.2011 ·  Deutschland fertigt Österreich ab, Mesut Özil schießt zwei Tore: Mit viel Stil bucht die deutsche Nationalmannschaft das Ticket zur EM 2012 in Polen und der Ukraine.

Von Peter Heß, Gelsenkirchen
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© AFP Überzeugender Auftritt: Die deutsche Nationalmannschaft hat einen glänzenden Abend

Das achte Spiel, der achte Sieg: Die Auftritte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Qualifikation für die EM 2012 haben etwas Vorhersehbares. Langweilig wird es aber nicht, das Zuschauen macht von Spiel zu Spiel sogar mehr Spaß. Das 6:2 über Österreich am Freitagabend in der mit 53 500 Zuschauern ausverkauften Arena Auf Schalke, mit dem die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw den Schritt nach Polen und in die Ukraine endgültig vollzog, war in der ersten halben Stunde ein rauschendes Fußball-Fest, das die würdige Fortsetzung des 3:2 über Brasilien vor dreieinhalb Wochen bildete.

Der Gegner hatte zwar nicht die Klasse des fünfmaligen Weltmeisters, aber ein europäisches Mittelklasseteam in dreißig Minuten sechsmal schwindlig zu spielen, will auch erst vollbracht sein. Dabei machte der Held des Brasilienspiels, Mario Götze, zunächst gar nicht mit. Der 19 Jahre alte Dortmunder musste seinen Platz im zentralen offensiven Mittelfeld für Mesut Özil räumen, dessen sommerliche Länderspiel-Schonzeit abgelaufen ist, nachdem auch Real Madrid den Spielbetrieb wieder aufgenommen hat. Und der Spielmacher des spanischen Champions-League-Teilnehmers zauberte gegen Österreich wie es Götze gegen Brasilien tat.

Ob er schon das 1:0 in der achten Minute erzielte, darüber herrschte bis zum Abpfiff der Partie Uneinigkeit. Özil schoss den Ball per Direktabnahme von der Strafraumgrenze ins österreichische Tor. Doch wer jubelte, war vor allem Miroslav Klose. Ob der Stürmer von Lazio Rom den Ball auf dessen Weg zum Tor wirklich noch berührte, wurde auch nicht durch die ersten Fernsehbilder erkennbar. Der Ball veränderte jedenfalls nicht die Richtung. „Ich glaube, ich habe ihn berührt“, sagte Klose.

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© dpa Co-Produktion: Özil zum ersten (mit Klose, r., und Kroos)

Über dem 2:0 hing kein Hauch eines Zweifels - ein Weltklassetor. Wieder waren Özil und Klose die Hauptbeteiligten, diesmal mit klar verteilten Rollen - Klose als Ballwand für den Doppelpass-Spezialisten Özil. Der gebürtige Gelsenkirchener nahm den Ball an, umdribbelte den österreichischen Torwart Gratzei und schob in der 24. Minute aus spitzem Winkel zum 2:0 ein. Vier Minuten später inszenierten Badstuber und Podolski das 3:0 noch kunstvoller und noch schöner. Der Bayern-Verteidiger dribbelte sich von der Mittellinie bis in den österreichischen Strafraum, spielte dabei noch zweimal Doppelpass mit dem Kölner. Das letzte Zuspiel nutzte Podolski zu einem beherzten Schuss, der Gratzei überraschte. Der Ball flog ihm durch die Beine.

Das Publikum tobte vor Begeisterung. Die Österreicher ließen die Köpfe hängen, ihnen schwante noch Übleres. Doch mit dem 0:3 hatten die Gäste das Schlimmste überstanden. Im Gefühl, die Qualifikationspflicht erfüllt zu haben, konzentrierten sich die Deutschen nur noch auf ihre Kürelemente. Bis zum Schlusspfiff produzierte die Offensive mit Özil, Müller, Klose, Podolski und Kroos erstklassige Spielzüge, die nicht immer, aber immer wieder zu großen Torchancen führten. Aber das Zurücklaufen nach Ballverlust schenkten sie sich immer häufiger. Die Österreicher fassten neuen Mut, denn so leicht wie sie nun zu Möglichkeiten kamen, das hätten sie sich vorher nicht erträumt. Der Bremer Marko Arnautovic verkürzte in der 42. Minute mit einem unhaltbaren Kopfball auf 1:3, zu diesem Zeitpunkt war dies keine Überraschung mehr.

Podolskis Volleyschuss nach 30-Meter-Diagonalpass

Hatten sich die Österreicher in der Pause zarte Hoffnungen auf eine Wende gemacht, nach zwei Minuten der zweiten Halbzeit waren sie zerstört. Özil zog unwiderstehlich auf und davon und schloss zum 4:1 ab. Gegenspieler Pogatetz irritierte noch seinen Torwart, in dem er die Flugbahn des Balles leicht veränderte. Vier Minuten später stellte Harnik wieder den alten Abstand her. Der Stuttgarter Stürmer im österreichischen Trikot durfte den Ball unbehindert zum 2:4 ins deutsche Tor donnern.

Das Überraschendste an den letzten 40 Spielminuten bildete die Tatsache, dass nur noch zwei Tore fielen. Gelegenheiten zu weiteren Treffern boten sich genug. Den Deutschen mehr, den Österreichern weniger. Sie wurden von Löws Abwehr zwar ein paar Mal durch individuelle Fehler eingeladen, aber sie nutzten die Situationen nicht entschlossen genug. Im deutschen Angriff schlichen sich im Abschluss ein paar Unkonzentriertheiten ein, manche Kombinationen aber blieben vom Feinsten. Ein Höhepunkt war Podolskis Volleyschuss vom linken Strafraumeck nach 30-Meter-Diagonalpass von Müller, es gab genug andere. Bei anderen Anlässen wäre die Benefizspiel-Attitüde der Schlussphase ein Grund zur Kritik gewesen.

Götze kommt und trifft

Am Tag der EM-Qualifikation konnte man darüber hinweg sehen. Es war jedenfalls kein Zufall, dass die Einwechselspieler in den letzten Spielminuten die Tore erzielten, sie wollten sich auch noch beweisen. Andre Schürrle schoss in der 84. Minute das 5:2, er fordert Podolski weiter zum Kampf um dessen Stammplatz heraus. Und Mario Götze, kaum auf dem Platz, schoss in der 89. Minute das 6:2, er will zeigen, dass er auf jeden Fall zur Stammformation gehört - auch wenn Özil dabei ist. Wenn beide Spielmacher zusammen agieren, könnte es sogar noch schöner werden als gegen Österreich.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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