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6:1 gegen Aserbaidschan Deutschland mit Spielfreude zum Kantersieg

07.09.2010 ·  Nach dem 1:0-Erfolg in Belgien gewinnt die deutsche Nationalelf auch gegen Aserbaidschan in der EM-Qualifikation. Westermann, Podolski, zweimal Klose, Badstuber und ein Gästespieler treffen. Neuer patzt. Und Mertesacker verletzt sich.

Von Michael Horeni, Köln
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Die deutsche Nationalmannschaft hat auf dem Weg zur Endrunde der Europameisterschaft im Schongang ihre zweite Aufgabe wie erwartet erfolgreich hinter sich gebracht. Der Tabellenführer der Gruppe A gewann gegen Aserbaidschan in Köln 6:1 und hat damit nach dem 1:0 vor vier Tagen in Belgien die eigenen Vorgaben punktgenau erfüllt. Zwei Spiele, zwei Siege - das war es, was der Bundestrainer und seine Spieler von sich erwarteten.

Im Qualifikationsspielchen gegen die Mannschaft von Trainer Berti Vogts erzielten der eingewechselte Heiko Westermann (28. Minute), Lukas Podolski (45.), Miroslav Klose (45.) die deutschen Treffer vor der Pause. Beim 4:0 war Kapitän Sadigow den Deutschen nach einer Flanke Khediras behilflich (53.), wobei drei Minuten später Torhüter Manuel Neuer seinen entscheidenden Anteil am Treffer von Aserbaidschan nicht leugnen konnte. Danach fielen die Treffer wieder, wie es sich gehört: Holger Badstuber erzielte für Deutschland das 5:1 in der 85. Minute und Klose sorgte in der Schlussminute für das halbe deutsche Dutzend.

Zu weitergehenden Schlüssen war der erste deutsche Heimauftritt nach der Weltmeisterschaft in Südafrika gegen einen hoffnungslos unterlegenen Gegner jedoch nicht geeignet. Nach einem arg müden Beginn steigerten die Deutschen kurz vor dem Wechsel ihre Anstrengungen, um den schwächsten Widersacher in der Gruppenphase dauerhaft unter Druck zu setzen. Dann waren auch endlich immer wieder spielerische Lösungsversuche gegen eine aserbaidschanische Abwehrmauer über Mesut Özil zu erkennen, der im Zusammenspiel mit Thomas Müller und Sami Khedira in der zweiten Halbzeit die Verhältnisse im deutschen Sinne ordnete.

Mertesacker muss schon nach elf Minuten raus

An einem Abend der Momentaufnahmen mit erwartetem Ausgang erging es nur Per Mertesacker nicht gut. Gleich zu Beginn lieferte er wie gegen Belgien weitere betrübliche Belege, wie es um seine Fähigkeiten beim Spielaufbau bestellt ist. Er wusste mit dem Freiraum, den ihm Aserbeidschan nahezu demonstrativ ließ, rein gar nichts anzufangen. Aber dann wurde es noch viel schmerzhafter für den Bremer Nationalspieler, als er sich bei einem Zusammenprall beim Kopfballduell eine Verletzung zuzog. Schon nach elf Minuten musste er für Westermann ausgewechselt werden - und wurde ins Krankenhaus gebracht. Eine Vorsichtsmaßnahme, wie es hieß.

Die Deutschen zeigten nach dieser Schrecksekunde in der ersten Halbzeit zunächst erst einmal alles, was ein Spiel gegen einen Fußball-Zwerg zu einen unerfreulichen Abend machen kann: Lässigkeiten im Spielaufbau, unpräzise Zuspiele und glatte Fehlpässe, das Vermeiden von Zweikämpfe. Doch die Freiheiten, die das DFB-Team seinen Gegnern ließen, konnte die Auswahl des ehemaligen Bundestrainers nicht nutzen. Und so warteten der großen Favorit einfach nur darauf, bis sich seine riesige individuelle und kollektive Überlegenheit irgendwann in Treffer ausdrücken würde. Und so kam es dann auch nach einer knappen halbe Stunde.

Deutschland mit zwei Toren in der Nachspielzeit

Westermann machte nach einem Zuspiel von Miroslav Klose im zweiten Versuch aus kurzer Entfernung mit der Pike in der 28. Minute den Anfang in einem Spiel, bei dem der Sieger nicht nur für Berti Vogts schon vor dem Anpfiff unzweifelhaft feststand. Tatsächlich mühten sich die Deutschen auch weiterhin ohne Schwung und größeren Elan erst einmal bis zur Nachspielzeit der ersten Halbzeit vergeblich.

Aber dann führten gleich zwei hübsche Kombinationen im Minutentakt zu einem für das Kölner Publikum vergnüglichen Ende des ersten Teils einer sportlichen Pflichtveranstaltung auf dem langen Weg zur Endrunde der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Erst war es der Lokalliebling Lukas Podolski, der nach einem Doppelpass mit Mesut Özil mit dem 2:0 in seinem 81. Länderspiel den 41. Treffer erzielte - und dann machte ein paar Sekunden später auch Miroslav Klose etwas für seine Torjägerquote. Das 3:0 bedeutete im 103. Länderspiel den 54. Treffer, eine noch etwas bessere Bilanz.

Noch 13 Tore für Klose bis zum persönlichen Rekord

Für größere Erkenntnisse über das Leistungsvermögen des WM-Dritten, der in knapp zwei Jahren reif für den EM-Titel sein will, taugte die Partie gegen die Nummer 105 der Weltrangliste selbstverständlich nicht. Nach dem 4:0 durch ein Eigentor reichte das Spiel aber dennoch, um Torwart Manuel Neuer erstmals seit Monaten wieder unglücklich aussehen zu lassen. Nach einem Eckball in der 57. Minute bugsierte der Schalker Torwart den Ball zum 4:1 ebenfalls selbst ins Netz.

Der Bundestrainer gönnte in der Schlussphase Marko Marin und Cacau für Müller und Schweinsteiger einen Einsatz. Aber da es schon einen größeren kollektiven deutschen Ehrgeiz als an diesem Abend gab, änderten auch diese Personalien nichts mehr Grundlegendes an einem Spielverlauf, der in der zweiten Halbzeit ohnehin nur eine Richtung kannte. In der 85. Minute durfte sich Holger Badstuber über sein erstes Tor im sechsten Länderspiel freuen - und das 6:1 durch Klose machte den Münchner Torjäger, der damit Joachim Streich mit 55. Treffern einholte, zur Nummer zwei hinter Gerd Müller - bis zum persönlichen Rekord sind es für Klose nun nur noch dreizehn Treffer.

Deutschland - Aserbaidschan 6:1 (3:0)
Deutschland:
Neuer/Schalke 04 (24 Jahre/13 Länderspiele) - Riether/VfL Wolfsburg (27/2), Mertesacker/Werder Bremen (25/71) ab 11. Westermann/Hamburger SV (27/21), Badstuber/Bayern München (21/6), Lahm/Bayern München (26/73) - Schweinsteiger/Bayern München (26/83) ab 78. Cacau/VfB Stuttgart (29/14), Khedira/Real Madrid (23/14) - Müller/FC Bayern München (20/10) ab 62. 21 Marin/Werder Bremen (21/13), Özil/Real Madrid (21/19), Podolski/1. FC Köln (25/81) - Klose/Bayern München (32/103). - Trainer: Löw
Aserbaidschan: Kamran Aghayev/Xäzär Länkäran (24/17) - Shukurov/Anschi Machatschkala (27/44), Medvedev/Qarabag Agdam (20/12), Rashad Ferhad Sadigov/Qarabag Agdam (28/65), Yunisoghlu/FK Baku (24/22) ab 56. Huseynov/FK Qäbäla (22/3) - Nadirov/Qarabag Agdam (23/28) ab 85. Abdullayev/Neftci Baku (18/3), Malikov/Neftic Baku (24/30), Abbasov/Qarabag Agdam (32/39), Chertoganov/Simurq Zaqatala (30/28) ab 64. Sadigov/Qarabag Agdam (26/11), Allahverdiyev/Qarabag Agdam (26/11) - Dzavadov/Twente Enschede (21/29). - Trainer: Vogts
Schiedsrichter: Markus Strömbergsson (Schweden)
Zuschauer: 43.751
Tore: 1:0 Westermann (28.), 2:0 Podolski (45.+1), 3:0 Klose (45. +2), 4:0 Sadigov (53., Eigentor), 4:1 Dzavadov (57.), 5:1 Badstuber (86.), 6:1 Klose (90.+2)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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