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6:0 in Liechtenstein Podolski bringt die deutsche Elf in Schwung

07.09.2008 ·  Am Ende war es der erhoffte hohe Pflichtsieg: Die deutsche Fußball-Nationalelf startete mit einem 6:0 in Liechtenstein auf den Weg zur WM 2010. Podolski brachte das Team auf Touren, doch Kloses Schwäche stört das gute Ergebnis

Von Peter Heß, Vaduz
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Ein reines Vergnügen war der Start in die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 für die deutsche Nationalmannschaft nicht. Der Dauerregen von Vaduz raubte dem Spiel gegen Fußballzwerg Liechtenstein so ziemlich jeden Charme. Das nette Rheinpark-Stadion wirkte als Feuchtbiotop alles andere als ein Idyll, und nass bis auf die Knochen, mochte sich kein Deutscher an der Skurillität erfreuen, dass die Liechtensteiner ihre Nationalhymne von den Engländern geklaut haben.

Immerhin haben sie den Text geändert. Als dann auch noch der Liechtensteiner Mittelfeldspieler Franz Burgmeier nach 25 Spielsekunden seinen deutschen Gegenspieler Bastian Schweinsteiger mit Anlauf in die Beine sprang, schwante dem deutschen Anhang nichts Gutes. Doch als nach 90 Minuten Bundestrainer Joachim Löw sein Fazit zog, durfte er unwidersprochen behaupten: „Man kann zufrieden sein.“

Zwei Deutsche konnten sich als Sieger fühlen

Nach holprigem Beginn hatte seine Mannschaft ihre natürliche Überlegenheit in ein 6:0 umgemünzt, gegen Liechtensteiner, die eine Halbzeit lang sehr unangenehme und aggressive Gegner waren, dann aber Mitte der zweiten Halbzeit den Nerv gezogen bekamen. Rolfes (64.), Schweinsteiger (66.), Hitzlsperger (78.) und Westermann (86.) schraubten das Ergebnis in eine Höhe, die keine große Kritik mehr zuließ.

6:0 in Liechtenstein: Podolski bringt die deutsche Elf in Schwung

Obwohl Liechtenstein nur ein kleines Licht im europäischen Fußball darstellt und es für Fußball-Großmächte gegen sie nichts zu gewinnen gibt, konnten sich zwei deutsche Spieler als Sieger fühlen. Als die Spieler des Fürstentums sich noch wehrten, waren es nämlich Piotr Trochowski und Lukas Podolski, die ihr Team auf die richtige Spur setzten. Die beiden wirbelten die Liechtensteiner fast nach Belieben mit ihren Hochgeschwindigkeitskombinationen durcheinander. Podolski erzielte die Tore zum 1:0 und 2:0, auch der Hamburger hatte Gelegenheiten, sich nicht nur als Vorbreiter, sondern auch als Torschütze in die Scorerliste einzutragen.

Zaugg: „Die eine Spielfeldseite war für uns tot“

Gemach, gemach, wer wird denn in Lobeshymnen verfallen, wenn der Gegner nur Liechtenstein heißt? Die Einschränkung ist berechtigt, aber die Leistung der starken deutschen linken Angriffsseite, die durch die Vorstöße von Philipp Lahm vervollständigt wurde, fiel im Vergleich zu dem, was sich auf rechts abspielte schon sehr angenehm auf. Der Liechtensteiner Trainer Bidu Zaugg sagte aus seiner Sicht zu der einseitig gelagerten Begegnung. „Die eine Spielfeldseite war für uns tot.“ Kein Liechtensteiner kam dort irgendwie offensiv oder defensiv zum Zug.

Zu dieser Formulierung hätte - angesprochen auf die deutsche rechte Seite - auch Joachim Löw greifen können. Doch das wäre ein Hauch übertrieben, und würde auch dem moderaten Charakter des Bundestrainers nicht entsprechen. Clemens Fritz, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose fielen zumindest deutlich ab im Vergleich zu ihren Kollegen von drüben, vor allem Außenverteidiger Fritz und Stürmer Klose bildeten die Schwachpunkte im deutschen Team.

„Er ist ein Stürmer von internationalem Format“

Nach ermutigenden Ansätzen und Treffern im Bundesligaspiel gegen Hertha BSC und in der Abschiedsgala für Oliver Kahn begann der Bayern-Stürmer auch ganz engagiert. Aber nachdem er in der 35. Minute völlig unbedrängt den Ball am leeren Toreck vorbei geschossen hatte, verfiel Klose wieder in sein nun schon bekanntes unglückliches Rollenbild: Stürmer ohne Fortüne und Selbstvertrauen, der mit traumwandlerischer Sicherheit vor dem gegnerischen Tor die falsche Alternative wählt.

Ein Liechtensteiner Journalist stellte Löw die Frage, ob Klose irgendwie nicht ins Gefüge der deutschen Mannschaft reinpasst. Der deutsche Bundestrainer musste grinsen und dementierte: „Er passt schon auch gut ins Gefüge, er ist ein Stürmer von internationalem Format.“ Er hat es nur schon länger nicht mehr bewiesen.

„Ein ganz anderes Spiel als gegen Liechtenstein“

Doch schon am Mittwoch in Helsinki, wenn gegen Finnland das zweite WM-Qualifikationsspiel ansteht, könnten Kloses Fähigkeiten entscheidend weiterhelfen: Antrittsschnelligkeit und Kopfballstärke, wenn sie durch Selbstzweifel nicht verschüttet werden. Der Bundestrainer scheint stärker an Klose zu glauben, als der Profi an sich selbst. „Das wird ein ganz anderes Spiel als gegen Liechtenstein“, kündigte Löw an. Er erwartet gegen die Finnen ein Spiel mit vielen Zweikämpfen und vielen Kopfballduellen. Die Skandinavier haben viele körperlich starke Spieler mit großer Erfahrung aus europäischen Ligen, auch der englischen Premier League, in ihren Reihen. Genau die passenden Gegner für Klose. Der Bayern-Stürmer wirkte im Training in guter körperlicher Verfassung, jetzt fehlt die Psyche.

Lukas Podolski nutzte Liechtenstein, um sein bei den Bayern angeschlagenes Selbstbewußtsein aufzubauen: „Ich fühle mich stark und selbstbewusst. Mit meinen beiden Toren bin ich sehr zufrieden, so kann es weitergehen. Jetzt will ich natürlich auch gegen Finnland treffen“, sagte Podolski, der in Vaduz seine Länderspieltreffer Nummer 29 und 30 erzielte. Um Klose bei den Bayern aus dem ersten Sturm zu verdrängen, müsste er genau das tun, in Länderspielen Tore schießen. In München bekommt Podolski ja nicht die Gelegenheit dazu. Auch Jürgen Klinsmann glaubt noch an Kloses Potential.

Liechtenstein - Deutschland 0:6 (0:1)
Liechtenstein:
Jehle (FC Tours/26 Jahre/67 Länderspiele) - Ritzberger (FC Vaduz/21/17), D'Elia (USV Eschen-Mauren/25/43), Martin Stocklasa (SV Ried/29/76), Burgmeier (FC Darlington/26/48) - Polverino (FC Vaduz/23/7 - 64. Rohrer/USV Eschen-Mauren/23/34), Martin Büchel (FC Zürich/21/21), Gerster (USV Eschen-Mauren/25/33), Fischer (FC Vaduz/27/17 - 87. Ronny Büchel/USV Eschen-Mauren/26/58) - Frick (AC Siena/33/80), Christen (FC Wil/21/2 - 74. Thomas Beck/FC Hard/27/63)
Deutschland: Enke (Hannover 96/31/3) - Fritz (Werder Bremen/27/20), Tasci (VfB Stuttgart/21/2), Westermann (FC Schalke 04/25/5), Lahm (Bayern München/24/49) - Schweinsteiger (Bayern München/24/58), Rolfes (Bayer Leverkusen/26/14 - 69. Marin/Bor. Mönchengladbach/19/3), Hitzlsperger (VfB Stuttgart/26/40), Trochowski (Hamburger SV/24/14) - Klose (Bayern München/30/83 - 65. Gomez/VfB Stuttgart/23/16), Podolski (Bayern München/23/56 - 76. Kuranyi/FC Schalke 04/26/52)
Schiedsrichter: Pereira Gomes (Portugal)
Zuschauer: 6148 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Podolski (21.), 0:2 Podolski (48.), 0:3 Rolfes (65.), 0:4 Schweinsteiger (66.), 0:5 Hitzlsperger (76.), 0:6 Westermann (86.)
Gelbe Karten: D'Elia, Burgmeier

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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