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4:4-Blamage gegen Schweden : Am Ende bleibt nur ein großes Rätsel

Maßlose Enttäuschung: Die deutsche Spieler können nicht fassen, was nach der 4:0-Führung geschah Bild: dpa

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gibt im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden einen 4:0-Vorsprung aus der Hand - und muss sich nach einer Stunde brillantem Fußball mit einem 4:4 begnügen.

          Was als Abend zum Verlieben begann, endete in einer einzigen Enttäuschung - und als großes Rätsel. Es war phasenweise Fußball fürs Posiealbum, den Joachim Löws Mannschaft im letzten Pflichtspiel des Jahres gegen Schweden bot - und dabei 60 Minuten lang so zielorientiert, dass sie eine scheinbar sichere 4:0-Führung herausspielte.

          Doch als es gerade so aussah, als würden die Deutschen aus dem letzten WM-Qualifikationsspiel des Jahres eine Showveranstaltung machen, schlugen die Schweden zurück. Begünstigt durch erhebliche Konzentrationsmängel der Deutschen kamen sie bis auf 4:3 heran - und erzielten in der dritten Minute der Nachspielzeit sogar noch den Ausgleich. 4:4 nach 4:0 - der zunächst so glanzvolle Abend wird als schwarze Stunde der deutschen Auswahl in Erinnerung bleiben. Anstatt mit einem komfortablen Polster als Gruppenerster in die Pause bis zu den Duellen mit Kasachstan im März zu gehen, bleiben die ebenfalls ungeschlagenen Schweden dem Team von Joachim Löw auf den Fersen.

          Miroslav Klose mit seinen Länderspieltoren 66 und 67 (8. und 15. Minute) - nur noch eines fehlt ihm bis zur Rekordmarke von Gerd Müller - brachte die deutsche Auswahl in Führung, Per Mertesacker (39.) und Mesut Özil (56.) schienen den Sieg unter Dach und Fach gebracht zu haben. Drei schwedische Tore binnen einer Viertelstunde durch Zlatan Ibrahimovic (62.), Mikael Lustig (64.) und Johan Elmander (76.) aber brachten Löws Mannschaft vollends aus dem Konzept. Und als Rasmus Elm auch noch traf, kippte auch die Stimmung im Olympiastadion. Pfiffe der Wut und der Enttäuschung begleiteten die deutsche Mannschaft auf ihrem Weg vom Rasen.

          Das letzte Spiel des Jahres, am 14. November in Amsterdam gegen die Niederlande, dürfte somit noch einmal, auch wenn es nicht um Punkte geht, eine ziemlich pikante Angelegenheit werden, auch für den Bundestrainer, für den das Ergebnis nach diesem Auftakt eine der größten Enttäuschungen seiner Amtszeit bedeutet haben muss.

          Vom Anpfiff weg im Eroberungs-Modus

          Gegen Irland am Freitag hatte es noch eine halbe Stunde gedauert, ehe die Deutschen in Fahrt kamen. In Berlin waren sie vom Anpfiff weg im Eroberungs-Modus. Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, als sich Müller aus kurzer Distanz eine Doppelchance bot, bei deren zweitem Teil nur der Pfosten im Weg war. Aber so wie das Team die Sache anging - bestens organisiert, entschlossen und voller Spiellaune -, konnte die Führung nicht lange auf sich warten lassen. Lahm spielte Reus frei, und der Dortmunder besaß die Übersicht, den Ball punktgenau auf Klose zurückzulegen. Ein Direktschuss mit Links war sein erster Streich.

          In diesen Minuten hatte es etwas Atemraubendes, wie sie aus kontrolliertem Ballbesitz das Spiel beschleunigten, so sehr, dass man beim Staunen über die Direkt- und Doppelpässe kaum hinterherkam. So muss es auch der schwedischen Defensive gegangen sein, die der Fabelkombination von Kroos und Reus, die abermals in Klose ihren Vollender fand, nichts entgegenzusetzen hatte. Und Löw trieb das Team weiter nach vorn.

          Chancen der Extraklasse

          In seiner Startelf war er zu zwei unplanmäßigen Änderungen gezwungen. Schmelzer musste wegen einer Knochenstauchung im linken Fuß kurzfristig passen. So war es, zumindest in Löws Welt, logisch, dass Kapitän Lahm gleich mal wieder die Seite wechselte. Statt wie zuletzt auf rechts verteidigte er auf links. Damit blieb auch seinem Münchner Klubkollegen Boateng ein Platz im Team: wie gegen Irland auf der rechten Abwehrseite. Der zweite Ausfall, den Löw zu beklagen hatte, war der von Khedira, der in Dublin zur Pause wegen muskulärer Probleme ausgeschieden war. Für ihn spielte Kroos, der sich nahtlos einfügte.

          Ein bisschen wurde das Tempo nach der frühen Führung gedrosselt. Aber es genügte immer noch, um sich Chancen der Extraklasse herauszuspielen. Nach 38 Minuten scheiterte Reus allein vor Isaksson am schwedischen Torhüter. Doch kurz darauf war Mertesacker an der Reihe; Müller hatte ihn mustergültig per Kopf bedient. Wie der Verteidiger nach seinem zweiten Länderspieltor im 84. Einsatz zur Bank lief und alle Kollegen zum Aufstehen und Mitjubeln einlud - das war nicht anders zu verstehen denn als pointierte Reaktion auf die Teamgeist-Diskussion der vergangenen Wochen. Es sah alles nach einem wunderbaren Abend aus, erst recht, als Özil nach der Pause nach Müllers Zuspiel noch erhöhte.

          Der doppelte Klose: Der deutsche Routinier trifft gegen die Schweden zweimal auf Vorarbeit von Reus Bilderstrecke
          Der doppelte Klose: Der deutsche Routinier trifft gegen die Schweden zweimal auf Vorarbeit von Reus :

          Doch nach gut einer Stunde wirkte es, als habe sich das deutsche Team etwas über die Maßen an der eigenen Leistung berauscht. Erst war es Müller, der durch einen überflüssigen Ballverlust im Mittelfeld den Schweden ihren ersten Schlag ermöglichte. Beim zweiten war Badstuber nicht auf der Hut. Und spätestens jetzt musste man sich um das deutsche Kollektiv ernsthaft Sorgen machen. In der 85. Minute schien die allgemeine Verunsicherung sogar Torwart Manuel Neuer zu erfassen. Sana hatte plötzlich das leere Tor vor sich, das er aus einiger Distanz aber verfehlte. Zu einer Chance sollten die Schweden jedoch noch kommen. Dass Elm sie entschlossen nutzte, machte das deutsche Missvergnügen perfekt.

          Deutschland - Schweden 4:4 (3:0)

          Deutschland: Neuer (Bayern München/26 Jahre/35 Länderspiele) - Boateng (Bayern München/24/28), Mertesacker (FC Arsenal/28/84), Badstuber (Bayern München/23/30), Lahm (Bayern München/28/94) - Schweinsteiger (Bayern München/28/97), Kroos (Bayern München/22/34) - Müller (Bayern München/23/37 - 67. Götze/Borussia Dortmund/20/19), Özil (Real Madrid/24/43), Reus (Borussia Dortmund/23/13 - 88. Podolski/FC Arsenal/27/105) - Klose (Lazio Rom/34/126)
          Schweden: Isaksson (Kasimpasa Istanbul/31/101) - Lustig (Celtic Glasgow/25/30), Granqvist (CFC Genua/27/26), Jonas Olsson (West Bromwich Albion/29/15), Safari (RSC Anderlecht/27/28) - Wernbloom (ZSKA Moskau/26/29 - 46. Källström/Spartak Moskau/30/97), Elm (ZSKA Moskau/24/30) - Larsson (AFC Sunderland/27/49 - 78. Sana/Ajax Amsterdam/23/1), Ibrahimovic (Paris St. Germain/31/84), Holmén (Istanbul BB/28/31 - 46. Kacaniklic/FC Fulham/21/3) - Elmander (Galatasaray Istanbul/31/68)
          Schiedsrichter: Proença (Portugal)
          Zuschauer: 72.369
          Tore: 1:0 Klose (8.), 2:0 Klose (15.), 3:0 Mertesacker (39.), 4:0 Özil (56.), 4:1 Ibrahimovic (62.), 4:2 Lustig (64.), 4:3 Elmander (76.), 4:4 Elm (90.+3)
          Gelbe Karten: Lahm, Reus, Schweinsteiger / Isaksson

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