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4:1 gegen Kasachstan Deutscher Pflichtsieg mit Durchhängern

Die Dortmunder Reus, Götze und Gündogan schießen Deutschland in der WM-Qualifikation zum 4:1-Sieg über Kasachstan. Torwart Neuer wird zum unfreiwilligen Vorbereiter eines Gegentors mit Komikfaktor.

© dpa Vergrößern Torwart am Boden: Manuel Neuers Fehler hatte aber keine entscheidenden Folgen

Manuel Neuer konnte einem fast ein wenig leidtun. Eigentlich war es so gut wie unmöglich, gegen einen Gegner vom Niveau Kasachstans eine schlechte Figur abzugeben. Dass der deutsche Torwart in seinem grellorangen Dress am Dienstagabend dennoch ein wenig bedröppelt wirkte, lag an einer nicht alltäglichen Fehlleistung kurz nach der Pause.

Nach einem Rückpass des Kollegen Mertesacker hatte Neuer den Ball ohne Not gegen zwei Kasachen vertändelt und war damit der unfreiwillige Vorbereiter zu einem Gegentor mit Komikfaktor. Es trübte ein wenig das recht ansehnliche Gesamtbild, das die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Nürnberger Stadion bei ihrem 4:1-Sieg bis dahin abgegeben hatte.

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Den eindeutigen Punktsieg für das Team von Joachim Löw aber brachte der Fauxpas des Münchners nicht in Gefahr. Angesichts der deutschen Tore durch Marco Reus (23. und 90. Minute), Mario Götze (27.) und Ilkay Gündogan (32.) blieb das zwischenzeitliche 3:1 durch den Fürther Bundesligaprofi Heinrich Schmidtgal, der von Neuers Malheur profitierte (46.), ein verkraftbares Ärgernis.

Was den Bundestrainer mehr geärgert haben wird, war, wie seine Mannschaft wieder einmal nach gutem Beginn den Faden verlor und nach der Pause ziemlich weit von den hundert Prozent entfernt war, die Löw gefordert hatte. Die WM 2014 in Brasilien ist also wieder ein paar Schritte näher gerückt an diesem ungemütlich-frostigen Abend.

WM-Qualifikation Deutschland - Kasachstan Lockere Pflichtübung: Am Ende steht doch ein sicherer 4:1-Sieg © dpa Bilderstrecke 

Den letzten Kick aber muss sich das deutsche Team gegen stärkere Gegner holen. Es war schon der letzte Pflichtspiel-Auftritt dieser Saison. Ende Mai steht nun die Testspiel-Reise in die Vereinigten Staaten mit reichlich Experimentierpotential auf dem Programm, die finalen Hürden auf dem Weg nach Brasilien sind dann erst im Herbst zu bewältigen.

Zu Beginn spielten die Deutschen zwanzig Minuten lang eine Reihe von Möglichkeiten durch, warum man manchmal trotz drückender Überlegenheit kein Tor erzielt. Schlampige letzte Pässe zum Beispiel gehörten dazu, auch, dass Flankengötter nicht unbedingt auf dem deutschen Personaltableau stehen. Und dann kam auch der Faktor Pech ins Spiel, der den Ball zwei Mal, bei den Versuchen von Gündogan und Götze, statt ins Tor lieber gegen den Pfosten fliegen sah.

Götze und Gündogan sind die Nutznießer

Aber im Grunde war jedem der 43.000 Besucher klar, dass es nur eine Frage der Zeit bis zum ersten Treffer sein konnte. Und so kam es auch. Noch bevor sich so etwas wie ein Geduldsspiel andeuten konnte, hatten die Deutschen drei Mal zugeschlagen. Reus’ Treffer aus gut 16 Metern war das Ergebnis einer entschlossenen Einzelaktion, Götze und Gündogan waren Nutznießer der Vorarbeiten von Lahm und Özil.

Nach einer guten halben Stunde also waren schon zwei von Löws Veränderungen mit zählbaren Resultaten verbunden. Der Bundestrainer hatte das Erwartete getan und Reus nach abgelaufener Sperre wieder in die Startelf geholt. Im Zentrum ersetzte Gündogan den Gelb-gesperrten Bastian Schweinsteiger.

Erster Länderspieltreffer als der verdiente Lohn

Und der frühere Nürnberger zeigte wieder einmal, wie viel Esprit und Selbstbewusstsein in ihm stecken - sein erster Länderspieltreffer war der verdiente Lohn. Der Bundestrainer kann sich glücklich schätzen, auf der Schlüsselposition in der Mittelfeldzentrale über einen solchen Reichtum zu verfügen.

Im Sturm gilt das bekanntlich nicht. Und da sich Mario Gomez verletzt abgemeldet hatte, ergab es sich praktisch von selbst, dass das Experiment mit Mario Götze in vorderster Linie eine Wiederholung fand. Wobei Löw sich während der Woche einigermaßen irritiert über die Debatte gezeigt hatte, die darüber entstanden war.

Alle deutschen Tore auf das Dortmunder Konto

Die Interpretation, er wolle die Stürmer abschaffen, sei „Schwachsinn“, sagte der Bundestrainer. Es gehe nicht um eine Abschaffung, sondern um eine Erweiterung der Möglichkeiten. Dass Götze am Dienstag traf, konnte man indes nicht unbedingt als Indiz für die Zukunftsfähigkeit des spanischen Modells sehen. Gegen einen Gegner dieser Klasse konnten die Tore einfach aus allen Lagen fallen.

Wer den deutschen Fußball durch die schwarz-gelbe Brille sieht, wird gewiss registriert haben, dass die vier deutschen Treffer allesamt auf das Konto Dortmunder Profis gingen. Daraus aber so etwas wie eine Übermacht gegenüber den Münchnern abzuleiten, ginge an der Sache vorbei. Es war einfach insgesamt ein munteres Schaulaufen, an dem sich alle beteiligten - mal mehr, mal weniger.

Sechs Pfosten- und Lattentreffer für die Deutschen

Mit den ersten 45 Minuten konnte Löw eigentlich zufrieden sein, was Tempo und Spielfreude betraf. Dass es nach der Pause nicht so weiterging, dürfte weniger mit Neuers Fehler als mit einer allgemeinen Bequemlichkeit zu tun gehabt haben, die so gar nicht in Löws Bild von einem seriösen Auftritt passen wollte.

Immerhin: Nach einem Durchhänger nahmen die Deutschen wieder etwas Fahrt auf. Dass am Ende nur ein weiteres Tor dazukam, hatte mit einer besonderen Vorliebe für das Aluminium des Tores zu tun. Insgesamt sechs Pfosten- und Lattentreffer standen am Ende zu Buche.

Deutschland - Kasachstan 4:1 (3:0)

Deutschland: Neuer (Bayern München/26 Jahre/38 Länderspiele) - Lahm (Bayern München/29/98), Mertesacker (FC Arsenal/28/88), Boateng (Bayern München/24/29), Schmelzer (Borussia Dortmund/25/11) - Khedira (Real Madrid/25/39), Gündogan (Borussia Dortmund/22/7) - Müller (Bayern München/23/41), Özil (Real Madrid/24/46), Reus (Borussia Dortmund/23/15 - 90. Jansen/Hamburger SV/27/37) - Götze (Borussia Dortmund/20/22)
Kasachstan: Sidelnikow (FK Aktobe/33/17) - Gorman (Kairat Almaty/24/11), Muchtarow (Ordabassy Schymkent/27/15), Dmitrenko (FK Aktobe/21/6), Kirow (FK Astana/28/28) - Engel (Energie Cottbus/24/3), Nurdauletow (FK Astana/30/31 - 46. Dscholtschijew/Tobol Kostanai/22/6), Korobkin (FK Astana/28/4) - Konysbajew (FK Astana/23/14 - 78. Schomko/Irtysch Pawlodar/33/2), Schmidtgal (SpVgg Greuther Fürth/27/12) - Ostapenko (FK Astana/27/39 - 64. Kukejew/Schachtjor Karaganda/24/27)
Schiedsrichter: Özkahya (Türkei)
Zuschauer: 43.500 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Reus (23.), 2:0 Götze (27.), 3:0 Gündogan (31.), 3:1 Schmidtgal (46.), 4:1 Reus (90.)
Gelbe Karten: - / -

Quelle: FAZ.NET

 
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