07.02.2012 · Borussia Dortmund hat keine Mühe im Viertelfinale des DFB-Pokals. Gegen die wackeren Holsteiner Jungs aus der vierten Liga führt ein Schnellstart zu einem sicheren 4:0.
Von Frank Heike, KielDer Dortmunder Verteidiger Mats Hummels hatte vor der Partie im Interview mit den „Kieler Nachrichten“ gesagt, dass es gar keinen Grund gebe, Holstein Kiel zu unterschätzen - wer drei Profiteams und dabei zuletzt den FSV Mainz 05 aus dem Pokalwettbewerb schmeiße, der müsse etwas können. „Und gegen uns werden sie noch ein bisschen motivierter sein“, hatte der Nationalspieler hinzugefügt. Dortmund war also gewarnt.
Und so spielte der Tabellenführer der Bundesliga gegen den Zweiten der Regionalliga Nord dann auch: konzentriert und in den entscheidenden Momenten abgeklärt. Trotzdem wurde es keine durchweg leichten 90 Minuten, bis sich Dortmund am Dienstagabend im Kieler Holsteinstadion mit 4:0 durchgesetzt hatte.
Dank der frühen Tore von Lewandowski (11.) und Kagawa (18.) und eines Nachschlags von Barrios (80) und Perisic (87.) siegte Borussia Dortmund im Viertelfinale des Pokals und erreichte das Halbfinale, das am 20. und 21. März ausgetragen wird. Das Publikum im ausverkauften Stadion feierte trotzdem: „Wir sind alle Holsteiner Jungs!“ Ein Fußball-Festtag war dieses Gastspiel des Meisters ja allemal.
Es war natürlich alles bereitet für das Spiel des Jahrhunderts: Das Flutlicht strahlte, die Ränge waren frei von Schnee und Eis, für die betuchten Kunden war ein Zelt mit warmen Speisen aufgeschlagen, und im hintersten Winkel der Anlage hatten die Verantwortlichen ein verschneites Areal zum Parkplatz umfunktioniert. Der Pokal macht es möglich. Ausnahmezustand in einer Stadt, die sonst Handball lebt, an diesem Dienstagabend aber ihre KSV Holstein entdeckte.
Die Pokalsiege gegen Cottbus, Duisburg und Mainz hatten Geschmack auf mehr gemacht - es wirkte, als sei die ganze Landeshauptstadt auf den Beinen, um die Fußballer aus der vierten Liga im Einsatz gegen den Meister zu sehen. Ein wenig hatte auch Dortmund Respekt vor Kiel gezeigt. Obwohl es Jürgen Klopp eher um den Untergrund zu gehen schien, als er vor der Partie warnend von den „Bedingungen da oben“ gesprochen hatte.
Der Rasen, der die letzten Wochen unter einem beheizten Zelt geruht hatte, sah besser aus als er war - ständig rutschte jemand aus, das Geläuf war seifig, und besonders große Spieler wie Hummels hatten ihre Probleme.
Klopp nahm nach dem Abpfiff vor allem den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in die Pflicht und forderte in Zukunft adäquate Bedingungen für solch ein Hochglanzspiel. „Man spielt auch nicht Eishockey auf Rasen. Das ist im Profi-Fußball nicht in Ordnung. Es müsste ein Platz mit Rasenheizung zur Verfügung gestellt werden. Wir sind froh, dass es keine schweren Verletzungen gab“, erklärte Klopp und schimpfte, der Platz sei eigentlich nicht zu verantworten gewesen.
Holstein ist seit Mitte Dezember ohne Punktspiel und hatte sich durch Trainingslager in Side in der Türkei und zuletzt nahe der dänischen Grenze vorbereitet, während Dortmund mit drei Siegen aus drei Bundesligaspielen allerbeste Frühform aufweist. So war zumindest in den ersten Minuten dieser Partie ein wenig Respekt der jungen Holstein-Profis (die meisten leben tatsächlich vom Fußball) zu spüren: Jeder halbwegs bedrängte Ball wurde auf die Tribüne gedroschen.
Die in der aktuellen Bestbesetzung antretenden Dortmunder aber hatte dann eine mächtige Schrecksekunde zu verdauen, als Holsteins Marc Heider in der siebten Minute plötzlich nach Pass Sikoras frei vor dem Borussen-Tor stand, aber nur einen schwachen Schuss zustande brachte, den der im Dortmunder Tor stehende Langerak hielt - er vertrat Roman Weidenfeller.
Das Publikum war jetzt voll da und schrie Holstein nach vorn. Da war es ein übler Stimmungsdämpfer, dass Robert Lewandowski in der elften Minute kühl zur Dortmunder Führung einschoss - Morten Jensen im Kieler Tor konnte Perisics Schuss nur nach vorn abwehren, Lewandowski traf zum 0:1. Es war still im Stadion. Nur sieben Minuten später schoss der gut aufgelegte Kagawa die Dortmunder mit 2:0 in Führung. Zuerst lief Lukas Piszczek dem Kieler Poggenberg davon und passte in die Mitte, dort nahm Kagawa Maß und traf. Jürgen Klopp sprang von seiner Bank auf, jubelte. Danach vergaben Kagawa und Piszczek gute Möglichkeiten.
Eine Überraschung war nun in weite Ferne gerückt. Aber der Pokalschreck aus dem Norden ließ nicht nach. Spielerisch und mutig kam Holstein noch vor dem Pausenpfiff zweimal vor das Dortmunder Tor: zunächst durch den Freistoß Kaziors aus 18 Metern, den Langerak abwehrte. Danach bekam Holstein einen Eckball mit anschließendem Kopfball Sikoras, den Langerak ebenfalls hielt. 2:0 zur Pause, das war eine Halbzeit nach Maß für den deutschen Meister, der den drei Klassen tieferen Gegner nicht eine Sekunde unterschätzt hatte.
Die Borussia machte spielbestimmend weiter, ließ nach 60 Minuten aber die letzte Konsequenz vermissen, so dass Holstein zumindest die Hoffnung auf ein Tor blieb, das noch einmal für Spannung gesorgt hätte. Am Ende aber setzte Dortmund die Schlusspunkte - mit zwei weiteren Treffern.
Holstein Kiel: M. Jensen - P. Herrmann, Berzel, Jürgensen, Poggenberg - Steve Müller, Kazior - Sofien Chahed (81. Sachs), Sykora, J. Lindner (86. Wetter) - Heider (83. Wulff)
Borussia Dortmund: Langerak - Piszczek, Subotic, M. Hummels, Schmelzer - Leitner, Kehl - Blaszczykowski (69. K. Großkreutz), Kagawa (82. Gündogan), Perisic - Lewandowski (69. Barrios)
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 11.522
Tore: 0:1 Lewandowski (11.), 0:2 Kagawa (18.), 0:3 Barrios (80.), 0:4 Perisic (87.)
Gelbe Karten: keine
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |